Korpus: Der Korpus ist der tragende Grundkörper eines Möbelstücks, also das Gehäuse aus Böden, Seitenwänden und meist einer Rückwand. Türen, Schubkästen, Griffe und Beschläge gehören nicht dazu. Im Innenausbau ist der Korpus die Basis von Schränken, Regalen, Küchenmöbeln und Einbauten.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Korpus besteht aus Plattenteilen, die über Dübel, Verbinder oder Schrauben zu einem steifen Kasten verbunden werden.
- Die Rückwand macht den Korpus verwindungssteif und darf nicht weggelassen werden.
- Gängige Materialien sind beschichtete Spanplatte, MDF, Sperrholz und Massivholz.
- Entscheidend für Passgenauigkeit sind rechtwinklige Verbindungen und exakt gleiche Teilemaße.
Was ist ein Korpus?
Der Begriff kommt aus dem Möbelbau und bedeutet Körper. Der Korpus gibt dem Möbel Form und Stabilität. Alles, was bewegt wird oder zur Ausstattung zählt, kommt hinzu: Fronten, Auszüge, Einlegeböden, Scharniere und Griffe. Für Heimwerker ist der Korpusbau der Einstieg in den Möbelbau, weil er modular, planbar und mit einfachen Werkzeugen machbar ist.
Aufbau eines Korpus
- Seitenwände: zwei senkrechte Platten links und rechts.
- Boden und Deckplatte: waagerechte Platten unten und oben; Boden und Deckel schließen den Korpus ab.
- Rückwand: dünne Platte (häufig etwa 3 mm HDF), eingenutet, aufgeschraubt oder aufgenagelt. Sie sorgt dafür, dass der Korpus nicht verzieht.
- Zwischenwände und Mittelseiten: teilen breite oder mehrteilige Möbel in Felder.
- Einlegeböden: nicht Teil des Korpus im engeren Sinn, sondern Ausstattung.
- Verbinder: Holzdübel, Exzenter- oder Schraubverbinder, Flachdübel oder Schrauben, oft zusätzlich verleimt.
In der Industrie hat sich für Küchen- und Schrankmöbel das 32-mm-System durchgesetzt. Dabei sind Bohrungen in einem festen Raster von 32 mm angeordnet. So passen Scharniere, Böden und Beschläge verschiedener Hersteller zusammen.
Materialien für den Korpusbau
| Material | Eigenschaften | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Spanplatte, melaminbeschichtet | Günstig, pflegeleicht, in vielen Dekoren, empfindlich gegen stehende Nässe an Kanten | Serienmöbel, Küchen, Schränke |
| MDF (mitteldichte Faserplatte) | Homogen, glatt, gut lackierbar | Lackierte Möbel, Fräsarbeiten |
| Multiplex und Sperrholz | Hohe Festigkeit bei geringem Gewicht, sichtbare Kanten | Regale, Einbauten, Möbel mit Holzoptik |
| Massivholz und Leimholz | Langlebig, reparierbar, arbeitet mit der Luftfeuchte | Hochwertige Möbel |
Plattenwerkstoffe können Formaldehyd abgeben. In der EU gilt für Holzwerkstoffe die Emissionsklasse E1; auf entsprechende Kennzeichnung achten.
Bauarten
- Standardkorpus: rechteckiger Kasten für Schränke, Kommoden und Regale.
- Offener Korpus: ohne Türen, zum Beispiel Bücherregal.
- Modulkorpus: mehrere Korpusse werden zu einem größeren System kombiniert.
- Eckkorpus: an Raumecken angepasst, etwa in der Küche.
- Hängender Korpus: an der Wand befestigt, zum Beispiel Oberschrank oder Waschtisch-Unterschrank.
Anwendung in Bau und Renovierung
- Küche: Unter-, Ober- und Hochschränke sind Korpusmöbel. Richtwerte für Küchenunterschränke: Tiefe etwa 56 bis 60 cm, Oberschränke etwa 32 bis 35 cm.
- Bad: Waschtischunterschränke und Spiegelschränke. Hier sind feuchtigkeitsbeständige Platten und dicht verklebte Kanten wichtig.
- Wohnen und Schlafen: Sideboards, Kleiderschränke, Kommoden, Einbauschränke unter Dachschrägen.
- Arbeiten: Aktenschränke, Rollcontainer, Regale.
- Einbauten: Maßgefertigte Korpusse nutzen Nischen und Schrägen, wie unter einem Satteldach.
Praxis-Tipps und typische Fehler
- Exakt zuschneiden: Bei Platten vom Fachhandel zuschneiden lassen; gleiche Teile müssen gleich lang sein, sonst steht der Korpus schief.
- Rechtwinkligkeit prüfen: Beide Diagonalen müssen gleich lang sein. Erst dann Rückwand befestigen.
- Kanten schützen: Sichtbare Kanten mit Umleimer verkleben, besonders bei Spanplatten, damit keine Feuchte eindringt.
- Fachböden nicht überspannen: Bei 19 mm Spanplatte biegen sich Böden mit mehr als etwa 60 bis 80 cm Spannweite unter Last durch. Das ist ein Richtwert, abhängig von Material und Belastung.
- Standsicherheit: Hohe Schränke an der Wand sichern, besonders in Haushalten mit Kindern. Bei Wänden aus Trockenbau auf geeignete Unterkonstruktion und Dübel achten.
- Beschläge: Bohrungen für Scharniere und Push-to-Open-Beschläge vor dem Zusammenbau setzen und mit Schablone arbeiten.
Häufige Fragen zu Korpus
Was gehört zum Korpus, was nicht?
Zum Korpus zählen Seitenwände, Boden, Deckplatte, Rückwand und feste Zwischenwände. Fronten, Schubladen, Einlegeböden, Griffe und Scharniere sind Ausstattung und gehören nicht dazu.
Warum braucht ein Korpus eine Rückwand?
Sie hält den Korpus rechtwinklig und verhindert, dass er sich verwindet. Ohne Rückwand wirkt ein Schrank instabil, Türen schließen schlecht und Verbindungen lockern sich schneller.
Welches Material eignet sich für einen selbstgebauten Korpus?
Beschichtete Spanplatte ist günstig und einfach zu verarbeiten. Multiplex und Sperrholz sind fester, MDF eignet sich zum Lackieren. Im Bad sollten feuchtigkeitsbeständige Platten mit versiegelten Kanten verwendet werden.
Was bedeutet das 32-mm-System?
Es ist ein Raster für Bohrungen im Möbelbau, bei dem Löcher im Abstand von 32 mm gesetzt werden. Dadurch passen Beschläge, Fachböden und Scharniere verschiedener Hersteller zueinander und lassen sich leichter ersetzen.
Wie stabil ist ein Korpus aus Spanplatte?
Mit sauberer Verbindung, Rückwand und passender Plattenstärke trägt er alltägliche Lasten. Schwachstellen sind Kanten und Schraubverbindungen bei Feuchte. Hohe oder schwere Möbel immer an der Wand sichern.
Verwandte Begriffe
Melaminbeschichtung, Formaldehyd, Push-to-Open-Funktion, Gehrungsschnitt










