Ziegel werden mit einer Kelle im Mörtelbett vermauert

Mörtelgruppen und Putzmörtel: Was ist was?

Kurz erklärt: Mörtel ist ein Gemisch aus Bindemittel, Sand und Wasser. Mauermörtel verbindet Steine, Putzmörtel bildet die Wandoberfläche. Die alten Mörtelgruppen I bis III entsprechen heute Festigkeitsklassen von M2,5 bis M20. Putzmörtel werden nach Eigenschaften wie GP, LW oder CR und nach Druckfestigkeit von CS I bis CS IV unterschieden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mauermörtel gibt es als Normal-, Dünnbett- und Leichtmauermörtel. Die Wahl richtet sich nach dem Stein.
  • Die historischen Mörtelgruppen II, IIa, III und IIIa entsprechen den Klassen M2,5, M5, M10 und M20. Die Zahl nennt die Mindestdruckfestigkeit in N/mm².
  • Putzmörtel werden nach Verwendung (GP, LW, CR, OC, R, T) und Festigkeit (CS I bis CS IV) eingeordnet.
  • Der Putz muss weicher oder gleich fest sein wie der Untergrund, nie umgekehrt.
  • Trockenmörtel im Sack ist im Werk abgestimmt. Wasser, Mischzeit und Temperatur bestimmen das Ergebnis.
  • Die meisten Schäden entstehen durch falsche Sortenwahl, zu viel Wasser und zu schnelles Austrocknen.

Was ist Mörtel?

Mörtel besteht aus einem Bindemittel (Kalk, Zement, Gips oder Mischungen), Zuschlag (Sand, bei Leichtmörtel auch leichte Körnung) und Wasser. Das Bindemittel erhärtet und hält die Körner zusammen. Je nach Bindemittel unterscheidet man Kalkmörtel, Kalkzementmörtel, Zementmörtel und Gipsmörtel. Kalk bleibt weicher, diffusionsoffener und elastischer. Zement wird härter, dichter und ist wasserbeständig. Wie Zementarten und Festigkeiten zusammenhängen, erklärt der Beitrag zu den Zementarten CEM I bis CEM V in der Kategorie Beton.

Eine zweite Unterscheidung betrifft den Ort der Herstellung. Baustellenmörtel wird aus Einzelstoffen gemischt. Werkmörtel kommt fertig dosiert als Trockenmörtel im Sack oder Silo und wird nur mit Wasser angerührt. Im Privatbereich ist Werk-Trockenmörtel der Normalfall.

Mauermörtel: Normal-, Dünnbett- und Leichtmörtel

Mauermörtel füllt die Fugen zwischen den Steinen. Er überträgt Druckkräfte und gleicht Maßtoleranzen aus. Europäisch geregelt ist er in der Normenreihe zur EN 998-2.

Normalmauermörtel

Er hat eine übliche Rohdichte und eine Fugendicke von etwa 10 mm. Er passt zu Ziegeln, Kalksandsteinen mit Toleranzen und Natursteinen. Bezeichnung in der Praxis: NM, gefolgt von der Gruppe, zum Beispiel NM IIa.

Dünnbettmörtel

Er wird in einer Schicht von nur etwa 1 bis 3 mm aufgetragen. Dazu müssen die Steine maßgenau sein, wie Plansteine aus Porenbeton oder Kalksandstein. Der Vorteil: weniger Mörtel, schneller Baufortschritt und kaum Feuchtigkeitseintrag. Der Nachteil: Fehler in der Höhe lassen sich nicht ausgleichen.

Leichtmauermörtel

Er enthält leichte Zuschläge und hat eine geringere Rohdichte. Dadurch leitet die Fuge Wärme schlechter. Das verringert die Wärmeverluste über die Fugen bei Mauerwerk aus Wärmedämmziegeln. Leichtmörtel ist weicher und weniger belastbar als Normalmörtel. Die Wärmeleitfähigkeit gibt dabei an, wie viel Wärme ein Stoff durchlässt.

Siehe auch  Braucht Ihr Haus Verstärkung? So beheben Sie das Problem
Mauermörtel Fugendicke Typischer Einsatz Besonderheit
Normalmauermörtel etwa 10 mm Ziegel, Kalksandstein, Naturstein Gleicht Toleranzen aus
Dünnbettmörtel etwa 1 bis 3 mm Plansteine, Porenbeton Maßgenaue Steine nötig
Leichtmauermörtel meist 10 mm Wärmedämmende Ziegel Geringere Wärmeleitung der Fuge

Mörtelgruppen und Mörtelklassen

Die Mörtelgruppen I bis III stammen aus älteren deutschen Normen. Sie sind historisch, tauchen aber in alten Bauunterlagen, Bestandsplänen und Fachgesprächen weiter auf. Heute gilt die europäische Einteilung. Die Klasse besteht aus einem M und einer Zahl. Die Zahl ist die Mindestdruckfestigkeit des Mörtels nach 28 Tagen in N/mm².

Mörtelgruppe (historisch) Heutige Klasse Mindestdruckfestigkeit Typisches Bindemittel
MG I keine eigene M-Klasse im Normalgebrauch sehr gering Luftkalk
MG II M2,5 2,5 N/mm² Kalk und hydraulische Anteile
MG IIa M5 5 N/mm² Kalkzement
MG III M10 10 N/mm² Zement
MG IIIa M20 20 N/mm² Zement

Für gängiges Mauerwerk im Wohnungsbau wird oft M5 gewählt. Höhere Klassen sind nur für hoch belastete Bereiche sinnvoll. Mehr Festigkeit bedeutet nicht automatisch ein besseres Mauerwerk. Entscheidend ist, dass Stein und Mörtel zusammenpassen. Bei Altbauten mit Kalkmörtel kann ein zu harter Reparaturmörtel Spannungen verursachen und die weicheren Steine beschädigen. Die Auswahl am Bestand gehört daher in die Hand einer Fachperson.

Putzmörtel: Klassen und Arten

Der Putz schützt, glättet und gestaltet die Wand. Auch hier gilt eine europäische Norm für Werkmörtel, die EN 998-1. Sie unterscheidet nach Verwendungszweck:

  • GP: Normalputzmörtel für allgemeine Anwendungen, innen und außen.
  • LW: Leichtputzmörtel mit geringer Rohdichte.
  • CR: Farbiger Edelputzmörtel für dekorative Schichten, siehe Oberputz.
  • OC: Einlagenputzmörtel für außen.
  • R: Sanierputzmörtel für feuchte und salzbelastete Wände.
  • T: Wärmedämmputzmörtel.

Die Druckfestigkeit wird in vier Kategorien angegeben:

Kategorie Druckfestigkeit (Richtwert) Typisch für
CS I 0,4 bis 2,5 N/mm² Weiche Kalkputze, Altbau
CS II 1,5 bis 5,0 N/mm² Kalkzementputze, Normalfall innen
CS III 3,5 bis 7,5 N/mm² Kalkzementputze für Außen und Sockel
CS IV mindestens 6 N/mm² Zementputze, Sockel, Feuchträume

Die Werte dienen der Orientierung. Gültig sind die Angaben im Datenblatt und in der Norm.

Kalkputz

Der Kalkputz ist weich, diffusionsoffen und reguliert die Feuchte im Raum. Er passt zu historischen Bauten und Denkmälern. Er härtet langsam durch Aufnahme von Kohlendioxid aus der Luft (Carbonatisierung). Das macht ihn empfindlich bei Kälte und Nässe in den ersten Tagen.

Siehe auch  Mörtel anmischen

Kalkzementputz

Er mischt Kalk und Zement. Dadurch ist er fester, härtet schneller und ist wetterbeständiger. Er ist der verbreitete Standard für Mauerwerk innen und außen. Mehr dazu im Beitrag Kalkzementputz: Vorteile und Anwendungsbereiche.

Gipsputz

Gipsputz wird nur innen verwendet. Er bindet schnell, lässt sich sehr glatt abziehen und eignet sich als Untergrund für Anstriche. Für dauernd feuchte Räume und Außenflächen ist er nicht geeignet, da Gips bei Nässe weich wird. Seine Anforderungen sind in einer eigenen Normenreihe zu Gipsputz geregelt.

Sanierputz

Sanierputz ist ein sehr poröser Putz für Wände mit Salz- und Feuchtebelastung. Er speichert Salze in den Poren und lässt Wasser verdunsten. Er ist ein System aus Spritzbewurf, Porengrundputz und Sanierputz. Er ersetzt keine Abdichtung und beseitigt keine Ursache der Feuchte.

Estrichmörtel kurz

Estrichmörtel ist kein Putz. Er bildet den Boden-Aufbau, auf dem der Belag liegt. Estrich besteht meist aus Zement oder Calciumsulfat. Die Normung dazu steht in DIN 18560. Estrichmörtel enthält gröbere Körnung und wird erdfeucht eingebracht. Für Fertigmischungen aus dem Sack gelten die Herstellerangaben.

Trockenmörtel im Sack

Trockenmörtel ist werkseitig gemischt. Das Bindemittel, der gesiebte Sand und Zusätze sind aufeinander abgestimmt. Das sichert gleichmäßige Qualität und spart Mess- und Mischarbeit. Typisch sind Säcke zu 25 oder 30 kg. Laut Händlerangaben ergibt ein 25-kg-Sack etwa 17 Liter Frischmörtel. Der Verbrauch als Putz liegt bei etwa 15 kg je Quadratmeter und Zentimeter Schichtdicke (Richtwert). Zusätze im Mörtel wie Luftporenbildner und Verflüssiger verbessern die Verarbeitung. Auf dem Sack stehen Mörtelart, Klasse, Wassermenge und Verarbeitungszeit. Diese Angaben sind verbindlich, nicht das Gefühl.

Verarbeitung

  1. Untergrund prüfen: fest, tragfähig, sauber, frei von Trennmitteln. Saugende Flächen vornässen oder mit Grundierung vorbehandeln.
  2. Wasser in den Eimer, Pulver zugeben, mit Rührquirl mischen. Die vorgegebene Wassermenge einhalten.
  3. Reifezeit abwarten, wenn der Hersteller sie vorgibt, und noch einmal kurz durchrühren.
  4. Mörtel in der Verarbeitungszeit aufbringen. Angesteiften Mörtel nicht mit Wasser neu beleben.
  5. Bei Putz in Lagen arbeiten. Die Untergrundlage muss vor der nächsten Schicht ausreichend angezogen sein.
  6. Nachbehandlung: Bei Hitze, Wind oder Zugluft vor zu schnellem Austrocknen schützen. Frost vermeiden.

Wie man Mörtel konkret mischt, zeigt die Praxis-Anleitung zum Mörtel selbst mischen.

Typische Fehler

  • Zu viel Wasser: Der Mörtel wird schwach, schwindet und reißt.
  • Falsche Festigkeit: Ein harter Zementputz auf weichem Kalkuntergrund reißt oder löst sich.
  • Zu dicke Schichten: Einlagig zu dick aufgetragener Putz sackt ab oder bildet Risse.
  • Zu schnelles Austrocknen: Besonders bei Sonne und Wind ist die Oberfläche mürbe.
  • Frost: Gefrorenes Wasser im jungen Mörtel zerstört das Gefüge.
  • Sorten mischen: Zusätze oder Zement in Fertigmörtel führen zu unberechenbaren Eigenschaften.
  • Falsche Putzart am Ort: Gipsputz in Feuchträumen oder Zementputz auf Gips hält nicht.
Siehe auch  Mörtel anmischen

Kosten als Richtwert

Händlerangaben liegen für Mauer- und Zementmörtel im 25-kg-Sack je nach Marke bei knapp 4 bis etwa 7 Euro. Spezialmörtel wie Dünnbett-, Leicht- oder Sanierputzmörtel kosten pro Sack deutlich mehr. Für Putz rechnen viele mit einem Materialpreis von wenigen Euro je Quadratmeter bei üblicher Schichtdicke, die Arbeit nicht eingerechnet. Alle Beträge sind grobe Richtwerte und ändern sich nach Region, Menge und Jahr.

Mörtelgruppen und MörtelklassenVier Säulen zeigen die Mindestdruckfestigkeit der Klassen M2,5, M5, M10 und M20 mit der zugehörigen historischen Mörtelgruppe.Mindestdruckfestigkeit der Mauermörtel nach 28 Tagen2,5 N/mm²5 N/mm²10 N/mm²20 N/mm²M2,5 (MG II)KalkzementmörtelM5 (MG IIa)KalkzementmörtelM10 (MG III)ZementmörtelM20 (MG IIIa)Zementmörtel
Je höher die Klasse, desto höher die Mindestdruckfestigkeit des Mauermörtels. Die Mörtelgruppe I (Kalkmörtel) liegt darunter und hat keine eigene Säule.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Mörtelgruppe und Mörtelklasse?

Die Mörtelgruppe stammt aus älteren deutschen Normen und gliedert nach Bindemittel und Festigkeit. Die Mörtelklasse (M2,5 bis M20) gehört zum europäischen System und nennt die Mindestdruckfestigkeit in N/mm². MG IIa entspricht M5.

Welcher Mauermörtel ist für ein Einfamilienhaus üblich?

Verbreitet ist Normalmauermörtel der Klasse M5 oder bei Plansteinen ein Dünnbettmörtel. Welche Sorte zulässig ist, legen Planung und Statik fest. Das Herstellerblatt des Steins gibt die Mörtelart vor.

Wofür steht GP bei Putzmörtel?

GP bedeutet Normalputzmörtel für allgemeine Anwendungen. Er ist der häufigste Typ und kann als Unterputz oder Oberputz dienen, innen wie außen. Andere Kürzel wie LW, CR oder R kennzeichnen Leicht-, Edel- oder Sanierputz.

Darf Zementputz auf Kalkputz?

In der Regel nicht. Zementputz ist härter und dichter und kann auf weichem Kalkputz abreißen. Außerdem sperrt er Feuchte ein. Bei Altbauten sollte eine Fachperson den Aufbau festlegen.

Wie lange ist Trockenmörtel haltbar?

Das Herstellerdatum auf dem Sack gilt. Üblich sind einige Monate bei trockener Lagerung. Feuchte Säcke mit Klumpen sind nicht mehr verwendbar.

Ist Sanierputz ein Mittel gegen Feuchtigkeit?

Nein. Er nimmt Salze auf und lässt Feuchte verdunsten, beseitigt aber nicht die Ursache. Erst wenn die Ursache geklärt ist, etwa durch eine Horizontalsperre, kann Sanierputz sinnvoll sein.

Weiterführende Lexikon-Begriffe

Putz, Kalkputz, Sanierputz, Oberputz, Armierungsputz, Kratzputz, Estrich, Kalksandsteine

Teile wenn es Dir gefällt!

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert