Illustration: Fassadenputz mit gekratzter Oberfläche und Kratzwerkzeug

Kratzputz

Kratzputz ist ein Oberputz, bei dem die Oberfläche nach dem Anziehen mit einem Nagelbrett oder Kratzer abgezogen wird. Dabei lösen sich einzelne Körner aus der Schicht, es entsteht eine gleichmäßig raue, mattkörnige Struktur. Er wird mineralisch oder organisch gebunden und kommt innen wie außen zum Einsatz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Struktur entsteht durch Abkratzen der angezogenen Putzschicht, nicht durch Reiben oder Filzen.
  • Gängige Körnungen sind etwa 2, 3 und 4 mm. Die Körnung bestimmt die Dicke und Grobheit.
  • Es gibt mineralische und kunstharzgebundene Varianten. Die Eignung für ein WDVS hängt vom System ab.
  • Von Rauputz, Rillenputz und Münchner Rauputz unterscheidet er sich im Werkzeug und im Aussehen.

Definition und Abgrenzung

Der Begriff beschreibt die Technik und das Ergebnis. Der Putz wird zunächst in einer Dicke von etwa dem größten Korn aufgetragen. Sobald er angezogen hat, wird die oberste Lage abgekratzt. Dadurch springen einzelne Körner heraus, die Oberfläche wird gleichmäßig und leicht rau. Kratzputz zählt zu den Edelputzen, einem Begriff für dekorative, meist mineralische Oberputze.

Abgrenzung zu verwandten Strukturen

  • Rauputz: Die Struktur entsteht durch Verreiben oder Strukturieren, nicht durch Abkratzen. Es bleibt ein gröberes, unregelmäßiges Bild.
  • Rillenputz: Die Körner ziehen beim Verreiben Rillen. Es entsteht ein gerichtetes Rillenmuster, waagerecht, senkrecht oder kreisförmig.
  • Münchner Rauputz: Ein Rillenputz mit besonderer Struktur, die mit einem Kunststoff-Reibebrett in der gewünschten Richtung hergestellt wird. Er ist eine verbreitete Variante des Rillenputzes.
  • Reibeputz: Die Oberfläche wird gerieben, sodass Rillen entstehen. Er unterscheidet sich vom Kratzputz durch das Werkzeug und das Rillenbild.

Eine allgemeine Einordnung findet sich unter Oberputz und Putz.

Aufbau und Wirkprinzip

Kratzputz ist ein Oberputz. Er sitzt auf einem Unterputz oder, beim Wärmedämm-Verbundsystem, auf der Armierungsschicht. Funktional soll er den Untergrund vor Witterung schützen, Feuchte abweisen und Wasserdampf nach außen lassen. Die Struktur ist rein gestalterisch, hat aber einen Nebeneffekt: Die Oberfläche ist weniger anfällig für Kratzer und Gebrauchsspuren als glatte Putze.

Entstehung der Kratzputz-StrukturVier Arbeitsschritte: Auftragen in Korndicke, Anziehen lassen, Abkratzen mit dem Nagelbrett, fertige gleichmäßige Kratzstruktur.Ablauf der Herstellung (oben nach unten)1 AuftragenPutz in etwa Korndicke aufziehen und glätten2 Anziehen lassenWartezeit je nach Witterung und Bindemittel3 AbkratzenNagelbrett oder Kratzer, Korn springt aus der Schicht4 ErgebnisGleichmäßig feinraue Fläche, kein RillenmusterUntergrundArmierung im WDVS oder Unterputz
Schematischer Ablauf bei der Herstellung von Kratzputz (nicht maßstäblich).

Körnung und Schichtdicke

Die Körnung ist die größte Korngröße des Zuschlags. Typische Stufen sind 2, 3 und 4 mm. Die Schichtdicke entspricht ungefähr dem Größtkorn. Je größer das Korn, desto grober und plastischer wirkt die Fläche. Feine Körnungen werden bevorzugt für Innenräume gewählt, grobe eher für Fassaden. Verwendet wird meist ein kantiges Korn aus gebrochenem Gestein, das dem Putz eine besondere Tiefe gibt.

Herstellung und Abziehen

Der Putz wird gleichmäßig aufgezogen und geglättet. Das Zeitfenster zum Abkratzen ist wichtig. Zu früh gekratzt, verschmiert die Fläche. Zu spät gekratzt, bricht das Korn aus dem Gefüge oder ist nicht mehr zu lösen. Die Prüfung gelingt über eine Probefläche: Springen die Körner ohne Mörtel ab und lässt sich gleichmäßig kratzen, ist der Zeitpunkt passend. Der Zeitpunkt hängt von Wetter, Untergrundsaugfähigkeit und Bindemittel ab. Gekratzt wird mit gleichmäßigem Druck und in kreisenden Bewegungen. Anschließend wird loser Abrieb entfernt.

Arten und Varianten

Variante Bindemittel Merkmale
Mineralischer Kratzputz Kalk, Zement Diffusionsoffen, nichtbrennbar, farbstabil bei mineralischer Pigmentierung
Kratzputz auf Kalkbasis, pastös Kalk und Zusätze Meist Innenbereich, gebrauchsfertig, tönbar
Kunstharz-Kratzputz Kunstharz-Dispersion Gebrauchsfertig, elastischer, weniger diffusionsoffen
Silikatisch oder silikonharzgebunden Wasserglas, Silikonharz Je nach Produkt wasserabweisend und diffusionsoffen

Kennwerte, Bemessung, Normen

Für Putzmörtel gibt es europäische Produktnormen und nationale Verarbeitungsnormen, in denen Eigenschaften wie Druckfestigkeit, Wasseraufnahme und Wasserdampfdurchlässigkeit geregelt sind. Wesentlich sind die Herstellerangaben zum jeweiligen Produkt. Normen werden hier nur sinngemäß zusammengefasst. Wichtig sind bei Fassaden die Wasseraufnahme und die Diffusionsfähigkeit, vergleiche Wasserdampfdiffusionswiderstand. Der Oberputz muss auf den Untergrund abgestimmt sein, besonders beim WDVS.

Anwendung in Neubau und Bestand

Neubau

Auf neuen Außenwänden wird Kratzputz meist als Oberputz auf Unterputz aufgetragen, gern bei Fassaden, die ein mineralisches Erscheinungsbild haben sollen. Er eignet sich auch im Sockelbereich.

Bestand

Im Bestand wird Kratzputz als Erneuerungsputz eingesetzt, wenn alte Putze nicht mehr tragfähig sind. Die Untergrundprüfung ist entscheidend. Haftung, Saugverhalten und Feuchte müssen stimmen. Auf Altputzen sind Haftbrücken oder Grundierungen vorzusehen, siehe Grundierung.

Eignung für WDVS

Auf einem WDVS darf nur ein Oberputz verwendet werden, den der Systemhersteller freigegeben hat. Kratzputz ist grundsätzlich möglich, braucht aber eine Mindestdicke. Weil das Abkratzen Material abträgt, sind die Anforderungen an die Dicke und die Qualität der Armierung höher. Dunkle Farbtöne erhöhen die Oberflächentemperatur und die Spannungen, deshalb sind Grenzen für den Hellbezugswert zu beachten. Auch bei der Dämmung kommt es auf die Wärmebrückenfreiheit an.

Aussehen und Gestaltung

Kratzputz wirkt matt und fein bis mittelgrob. Die Körner reflektieren Licht unterschiedlich, es entsteht ein lebendiges, steinartiges Bild. Gefärbt wird durch Pigmente im Putz oder durch einen Anstrich. Mineralische Putze lassen sich auch durch Pigmentierung gleichmäßiger tönen.

Innen und Außen

Im Innenbereich wird Kratzputz meist fein gewählt und oft kalkbasiert, pastös und gebrauchsfertig eingesetzt. Er schafft eine ruhige, mattkörnige Wandfläche, die Streiflicht gut verträgt. Dabei ist zu beachten, dass die Struktur Staub und Schmutz leichter aufnimmt als glatte Flächen und sich schlechter abwischen lässt. In Feuchträumen ist er deshalb nur bedingt geeignet.

Außen übernimmt der Putz Schutzfunktionen. Hier zählen Wasseraufnahme, Frostbeständigkeit und Diffusionsfähigkeit. Bei stark bewitterten Fassaden ist die Körnung zusammen mit Dachüberstand, Sockelhöhe und Spritzwasserschutz zu planen. Ein ausreichender Sockelbereich mit geeignetem Sockelputz verhindert, dass aufspritzendes Wasser die Fläche dauerhaft durchfeuchtet.

Kosten

Die Kosten sind regional verschieden. Als grober Richtwert werden für Oberputz mit Kratzstruktur etwa 25 bis 50 Euro je Quadratmeter genannt, ohne Gerüst. Kratzputz ist meist teurer als einfache Reibeputze, weil er mehr Arbeit macht. Das Abziehen erfordert Erfahrung.

Typische Fehler und Schäden

  • Zu früher oder zu später Beginn des Abkratzens, mit verschmierten oder ausgebrochenen Flächen.
  • Unterschiedliche Kratztiefe oder wechselnder Druck, daraus folgen sichtbare Ansätze.
  • Überarbeitung von Teilflächen an verschiedenen Tagen, dadurch Farb- und Strukturunterschiede.
  • Zu dicker Auftrag oder zu rasche Trocknung bei Hitze, Wind oder direkter Sonne.
  • Ungeeigneter Untergrund oder fehlende Grundierung.
  • Zu dunkle Töne auf WDVS, was Risse und Abplatzungen begünstigt.
  • Algen und Moos an feuchten Nordseiten, besonders bei wenig Dachüberstand.

Pflege und Wartung

Die Oberfläche ist unempfindlich, sollte aber regelmäßig auf Risse, Abplatzungen und Bewuchs kontrolliert werden. Reinigung erfolgt schonend mit Wasser und weicher Bürste. Hochdruck nur mit Vorsicht, weil er Körner lösen kann. Ein Neuanstrich ist nach Jahren möglich. Dafür sind passende Fassadenfarben nötig, vergleiche Imprägnierung. Bei größeren Schäden einen Bausachverständigen hinzuziehen.

Häufige Fragen zu Kratzputz

Was ist Kratzputz?

Kratzputz ist ein Oberputz, dessen Oberfläche nach dem Anziehen abgekratzt wird. Dabei lösen sich Körner heraus und es entsteht eine gleichmäßig raue Struktur.

Welche Körnung ist üblich?

Gängig sind etwa 2, 3 und 4 mm. Feine Körnungen wirken ruhiger, grobe Körnungen plastischer. Welche passt, hängt von Gestaltung und Untergrund ab.

Wie unterscheidet sich Kratzputz von Rillenputz?

Beim Kratzputz wird abgekratzt, es entsteht ein ungerichtetes Bild. Beim Rillenputz werden die Körner beim Reiben zu Rillen gezogen. Das Ergebnis ist ein gerichtetes Muster.

Ist Kratzputz für ein WDVS geeignet?

Ja, wenn der Systemhersteller ihn als Oberputz freigibt. Die Schichtdicke und der Hellbezugswert sind zu beachten. Eigene Kombinationen ohne Freigabe sind nicht ratsam.

Mineralisch oder Kunstharz, was ist besser?

Mineralisch ist diffusionsoffener und nichtbrennbar. Kunstharz ist flexibler und gebrauchsfertig. Welche Variante passt, hängt von Untergrund, System und Anforderungen ab.

Kann man Kratzputz selbst herstellen?

Technisch ja, aber der richtige Zeitpunkt zum Abkratzen erfordert Erfahrung. Ungleichmäßigkeiten fallen bei großen Flächen stark auf. Eine Probefläche ist ratsam.

Verwandte Begriffe

Oberputz, Armierungsputz, Putz, Wärmedämm-Verbundsystem, Grundierung

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

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