Holzbalken wird mit einem Pinsel imprägniert

Imprägnierung

Imprägnierung ist eine Schutzbehandlung, bei der ein flüssiges Mittel in die Poren eines saugfähigen Baustoffs eindringt und ihn wasser- oder schmutzabweisend macht. Anders als eine Versiegelung bildet sie keinen geschlossenen Film auf der Oberfläche. Das Material bleibt dadurch meist dampfdurchlässig.

Das Wichtigste in Kürze

  • Imprägniermittel wirken im Material, nicht als Schicht darauf. Das Aussehen ändert sich kaum, Wasser perlt ab.
  • Wirkstoffe sind je nach Zweck Silane und Siloxane (Wasserabweisung), fett- und ölabweisende Zusätze (Fleckschutz) oder Öle und Holzschutzmittel (Holz).
  • Eine Imprägnierung ersetzt weder Abdichtung noch Rissreparatur und schützt Marmor nicht vor Säure.
  • Sie muss je nach Beanspruchung erneuert werden. Der Untergrund muss sauber, trocken und saugfähig sein.

Was ist eine Imprägnierung?

Der Begriff beschreibt das Tränken eines porösen Materials mit einem Schutzmittel. Das Mittel dringt durch die Kapillaren ein und verändert die Oberflächenspannung in den Poren. Wasser wird dadurch nicht mehr aufgesogen, sondern perlt ab. Wasserdampf kann weiterhin entweichen, das Material bleibt diffusionsoffen (siehe Wasserdampfdiffusionswiderstand).

Eine Versiegelung dagegen bildet einen Film an der Oberfläche. Er schützt stärker vor Flüssigkeiten und Abrieb, kann aber abplatzen und dichtet den Untergrund ab. Eine Hydrophobierung ist eine Imprägnierung, die gezielt wasserabweisend wirkt.

Arten von Imprägniermitteln

Typ Wirkung Geeignet für
Hydrophobierend (Silan, Siloxan, Siliconat) Wasserabweisend, diffusionsoffen, wirkt in der Tiefe Klinker, Naturstein, Beton, Dachziegel, mineralische Putze
Fleckschutz (oleophob und hydrophob) Hält Wasser, Fett, Öl und Farbstoffe länger an der Oberfläche Naturstein und unglasiertes Feinsteinzeug in Küche, Bad und Terrasse
Öle und Wachse Oberflächennah, tränkend, pflegbar Holz, Parkett, Arbeitsplatten
Holzschutzimprägnierung Tränkt Holz mit Wirkstoffen gegen Pilze und Insekten Tragende und bewitterte Hölzer
Wasserbasierte Produkte Geringe Geruchsbelastung, oft lösemittelfrei Innenräume und empfindliche Bereiche

Wirkung und Grenzen

  • Weniger Wasseraufnahme: Das mindert Frostschäden, Salzausblühungen, Algen und Schimmel, weil der Untergrund trockener bleibt.
  • Zeitgewinn bei Flecken: Flüssigkeiten dringen langsamer ein und lassen sich leichter abwischen. Ein vollständiger Fleckschutz entsteht nicht.
  • Keine Abdichtung: Gegen drückendes Wasser, aufsteigende Feuchte (aufsteigende Feuchtigkeit) oder stehendes Wasser hilft sie nicht.
  • Keine Rissüberbrückung: Risse müssen vorher fachgerecht geschlossen werden. Sonst gelangt Wasser hinter die Behandlung.
  • Kein Schutz vor Säure: Kalkhaltige Natursteine wie Marmor werden von Zitronensaft oder Essig trotzdem angeätzt. Das ist eine chemische Reaktion, kein Fleck.
  • Begrenzte Haltbarkeit: Die Wirkung lässt durch Bewitterung, Reinigung und Abrieb nach. Wie lange sie hält, geben die Hersteller je nach Produkt und Beanspruchung an. Sie sollte regelmäßig geprüft werden: Perlen Tropfen noch ab, ist die Wirkung vorhanden.

Anwendung in Bau und Renovierung

Außenbereich: Sichtmauerwerk und Klinker, Fassaden aus Naturstein oder Beton, Terrassenplatten, Pflaster und Dachziegel. Bei verputzten Fassaden prüft ein Fachbetrieb vorher Saugverhalten, Risse und Feuchte. Auf WDVS-Oberflächen oder gestrichenen Flächen darf nur mit ausdrücklicher Freigabe des Systemherstellers imprägniert werden.

Innenbereich: Naturstein- und offenporige Feinsteinzeugfliesen in Küche und Bad, Steinarbeitsplatten, Betonoptikböden. Holz wird eher geölt oder gewachst. Zur Vorbereitung beim Verfugen siehe auch Grauschleier.

Mineralische Untergründe: Die Wirkung hängt davon ab, wie saugfähig das Material ist. Dichte, glasierte Fliesen, Glas, Metall und Kunststoffe nehmen kein Mittel auf. Eine Grundierung dient dagegen der Haftung und Saugregulierung für die folgende Beschichtung und ist keine Imprägnierung.

Verarbeitung und typische Fehler

  1. Untergrund vorbereiten: Fläche reinigen, Algen und Fett entfernen, trocknen lassen. Auf feuchtem Untergrund dringt das Mittel nicht ein.
  2. Mittel auswählen: Passend zu Material, Innen- oder Außeneinsatz und Beanspruchung. Das Sicherheitsdatenblatt beachten.
  3. Probefläche anlegen: Besonders bei dunklen Steinen. Manche Mittel vertiefen den Farbton.
  4. Auftragen: Gleichmäßig und satt mit Pinsel, Rolle oder Sprühgerät, nass in nass bis zur Sättigung. Überschüsse nach der angegebenen Zeit abnehmen, sonst bleiben Flecken oder Glanzstellen.
  5. Trocknen lassen: Je nach Produkt dauert es Stunden bis Tage, bis die volle Wirkung eintritt. Währenddessen vor Regen schützen.
  6. Wirkung prüfen: Wassertropfen sollen auf der Oberfläche stehen bleiben oder abperlen.

Fenster, Glas, Metall und Anschlüsse werden abgeklebt. Bei lösemittelhaltigen Produkten ist für gute Lüftung und passende Schutzausrüstung zu sorgen. Wiederholt behandelt wird erst, wenn die Wirkung nachgelassen hat. Zu häufiges Auftragen führt zu Schmierfilmen.

Normen und Vorschriften

Für hydrophobierende Imprägnierungen auf Beton ist DIN EN 1504-2 maßgeblich, die Oberflächenschutzsysteme beschreibt. Für Fassaden, Naturstein und historisches Mauerwerk geben die Merkblätter der WTA (Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege) Hinweise. Holzschutzimprägnierungen unterliegen DIN 68800. Biozidhaltige Produkte unterliegen dem Biozidrecht und müssen mit Sicherheitsdatenblatt bereitgestellt werden.

Häufige Fragen zu Imprägnierung

Was ist der Unterschied zwischen Imprägnierung und Versiegelung?

Eine Imprägnierung dringt in das Material ein und bildet keinen Film. Eine Versiegelung bildet eine geschlossene Schicht auf der Oberfläche. Imprägniertes Material bleibt meist atmungsaktiv, versiegeltes nicht.

Wie oft muss man imprägnieren?

Das hängt von Produkt, Material und Beanspruchung ab. Außen und bei starker Nutzung ist früher eine Erneuerung nötig als innen. Ein einfacher Test ist der Wassertropfen: Wird die Stelle dunkel und saugt, lässt die Wirkung nach.

Kann ich Fliesen imprägnieren?

Glasierte Fliesen nicht, ihre Oberfläche ist dicht. Bei Naturstein und unglasiertem oder poliertem Feinsteinzeug kann eine Imprägnierung sinnvoll sein. Vor dem Auftragen sollte eine Probefläche geprüft werden.

Schützt eine Imprägnierung vor Schimmel an der Fassade?

Nur mittelbar. Sie hält die Fassade trockener und verringert damit Algen- und Pilzbewuchs außen. Gegen Schimmel im Innenraum durch Kondensation oder Wärmebrücken hilft sie nicht.

Ist eine Imprägnierung für Heimwerker geeignet?

Auf Terrassenplatten, Pflaster und Steinplatten im Haus ist das meist gut machbar. Bei Fassaden sollte vorher ein Fachbetrieb Risse, Feuchte und Saugverhalten beurteilen, weil Fehler später schwer zu beheben sind.

Verwandte Begriffe

Grundierung, Wasserdampfdiffusionswiderstand, Aufsteigende Feuchtigkeit, Grauschleier, Kalksandsteine

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

Siehe auch

Terrassenueberdachung-Baugenehmigung

Terrassenüberdachung Baugenehmigung: Was Eigentümer beachten müssen

Eine überdachte Terrasse verlängert die nutzbare Zeit im Freien erheblich. Regen verliert seinen Schrecken, Gartenmöbel …

Sommerlicher Hitzeschutz im Wintergarten

Wintergarten vor Überhitzung schützen: So bleibt es auch im Sommer angenehm

Ein Wintergarten lebt von Licht. Große Glasflächen öffnen den Blick in den Garten, lassen Räume …

schlafzimmer-im-altbau-renovieren

Schlafzimmer im Altbau renovieren: Wände, Dielen, Elektrik und Schallschutz richtig angehen

Hohe Decken, alte Holzdielen, breite Fensterlaibungen und massive Wände verleihen einem Schlafzimmer im Altbau einen …