Ein durchgerostetes Gartentor, ein wackeliges Treppengeländer oder ein Stahlwinkel für einen Mauerdurchbruch: Bei Renovierungen fallen Metallarbeiten häufiger an als geplant. Wer selbst schweißt, entscheidet nicht nur über Draht und Stromstärke. Auch das Schutzgas bestimmt, wie fest und porenfrei eine Naht wird. Das falsche Gas verursacht Spritzer, Verfärbungen oder Poren, die eine Verbindung unbemerkt schwächen.
Warum das Schutzgas über die Naht entscheidet
Stahl schmilzt bei rund 1.500 Grad Celsius. Das flüssige Schmelzbad reagiert sofort mit Sauerstoff und Stickstoff aus der Luft. Die Folge sind Poren und eine spröde Naht. Das Schutzgas verdrängt die Luft rund um den Lichtbogen, bis das Metall erstarrt ist.
Das Gas stammt aus einer Druckflasche mit Druckminderer. Bezogen werden solche Flaschen meist über autorisierte Fachhändler, die es oft auch in Ihrer Stadt gibt. Viele arbeiten mit einem Tauschsystem, bei dem der Gaslieferant die wiederkehrende Prüfung der Flasche übernimmt.
Für Renovierungen sind zwei Verfahren relevant. MAG-Schweißen mit automatisch nachgeführtem Draht ist schnell erlernbar und eignet sich für Baustahl. WIG-Schweißen mit Wolframelektrode verlangt mehr Übung, liefert aber feine Nähte an dünnen Blechen, EdelstahlEdelstahl ist ein besonders hochwertiger und korrosionsbest... Mehr und Aluminium.

Welches Gas zu welchem Metall passt
Die Norm DIN EN ISO 14175 ordnet Schweißgase in Gruppen ein. Der Buchstabe steht für die Gasart, die Ziffer für die Zusammensetzung. Für typische Projekte gilt:
- Baustahl (Geländer, Tore, Konsolen): Mischgas M21, also Argon mit 15 bis 25 Prozent CO₂. Verbreitet ist die Mischung 82/18. Der Lichtbogen brennt ruhig, die Naht bleibt glatt. Reines CO₂ (C1) ist günstiger, erzeugt aber deutlich mehr Spritzer.
- Edelstahl (Handläufe, Abdeckungen): Argon mit geringem Aktivanteil, etwa M12 mit 0,5 bis 5 Prozent CO₂. Zu viel CO₂ führt zur Aufkohlung und mindert die Korrosionsbeständigkeit. Beim WIG-Schweißen genügt reines Argon.
- Aluminium (Vordächer, Profile): reines Argon (I1), bei dickeren Teilen Argon-Helium-Gemische (I3).
Für den Durchfluss beim MAG-Schweißen gilt eine Faustregel. Drahtdurchmesser in Millimetern mal zehn ergibt Liter pro Minute. Mehr Gas schützt nicht besser, sondern verwirbelt und zieht Luft an.
Schweißen im Freien: Wind, Rost und Zink
Bei der Reparatur von Toren und Zaunfeldern vor Ort kann schon ein leichter Wind dazu führen, dass die Gasglocke weggeweht wird. Hier können Planen als Windschutz eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von selbstschützendem Fülldraht, der ohne externes Gas auskommt.
Es ist wichtig, dass die Fügestelle metallisch rein ist, da Rost, Farbe und Fett die Bildung von Poren begünstigen können. Bei verzinkten Teilen ist es erforderlich, den Nahtbereich abzuschleifen, da Zinkdämpfe Metallrauchfieber hervorrufen können. Der beim Schweißen entstehende Rauch kann, abhängig vom verwendeten Material, gesundheitsschädliche Substanzen enthalten; bei Chrom-Nickel-Stählen besteht sogar das Risiko krebserzeugender Stoffe.

Stahlträger und Geländer: Wo Eigenarbeit endet
Ein Zaunfeld oder eine Regalkonsole lässt sich mit Übung selbst schweißen. Tragende Bauteile wie Stahlträger oder Stützen benötigen dagegen eine Statik und einen nach DIN EN 1090 zertifizierten Betrieb mit geprüften Schweißern.
Geländer dienen als Absturzsicherung. Die Landesbauordnungen verlangen meist mindestens 90 Zentimeter Höhe, bei größeren Absturzhöhen 1,10 Meter. Öffnungen in der Füllung dürfen in der Regel höchstens zwölf Zentimeter breit sein. Jede Naht am Pfosten muss diese Anforderungen dauerhaft erfüllen.
Vor dem ersten Lichtbogen
Am Anfang steht die Werkstoffprüfung. Baustahl ist magnetisch, Aluminium und die meisten Edelstähle sind es nicht oder kaum. Danach folgen Gaswahl und Flaschengröße. Für einzelne Projekte reichen oft 10 oder 20 Liter. Vor dem Start sollten brennbare Materialien entfernt, ein Feuerlöscher bereitgestellt und die Flasche aufrecht gesichert werden. Tragende Konstruktionen gehören in die Hände eines Fachbetriebs. Mit dem passenden Gas und sauber vorbereiteten Fügestellen lassen sich viele Metallarbeiten bei der Renovierung zuverlässig selbst erledigen.







