Glänzende Edelstahltanks in einer Produktionshalle

Edelstahl

Edelstahl bezeichnet Stähle mit besonderem Reinheitsgrad. Im Bau ist damit fast immer nichtrostender Stahl gemeint: eine Legierung mit mindestens 10,5 Prozent Chrom, die an der Oberfläche eine dünne Schutzschicht bildet und deshalb kaum rostet. Verbreitet sind die Güten V2A (1.4301) und V4A (1.4401, 1.4571).

Das Wichtigste in Kürze

  • Nichtrostender Stahl enthält mindestens 10,5 Prozent Chrom. Daraus bildet sich die Passivschicht, die vor Rost schützt.
  • V2A (A2) eignet sich für Innenräume und gemäßigte Außenlagen. V4A (A4) enthält Molybdän und ist gegen Chloride beständiger, aber nicht unverwundbar.
  • Rostfrei heißt nicht rostsicher. Fremdrost, Chloride und Spalten können Rost und Lochfraß auslösen.
  • Beim Bohren und Schneiden gilt: niedrige Drehzahl, scharfes Werkzeug, Kühlung und keine Berührung mit normalem Stahl.

Was ist Edelstahl?

Nach der Stahlnorm gelten Edelstähle als Stähle mit besonders niedrigem Gehalt an Phosphor und Schwefel. Bauüblich wird der Begriff für Edelstahl Rostfrei verwendet. Er hat höchstens 1,2 Prozent Kohlenstoff und mindestens 10,5 Prozent Chrom. Chrom reagiert mit Sauerstoff zu einer wenige Nanometer dünnen Oxidschicht, der Passivschicht. Sie schließt den Stahl ab und bildet sich nach leichten Beschädigungen neu, solange Sauerstoff vorhanden ist.

Nickel stabilisiert das Gefüge und verbessert Zähigkeit und Verarbeitbarkeit. Molybdän erhöht die Beständigkeit gegen Chloride, also Salze. Das Metall Chrom selbst steht im Eintrag Chrom.

Arten und Güten

Gruppe und Güte Merkmale Typischer Einsatz
Austenitisch, V2A (1.4301, A2) Chrom und Nickel, gut formbar, schweißbar, kaum magnetisch Küche, Innenausbau, Geländer geschützt, Schrauben im Innen- und Außenbereich ohne Chloridbelastung
Austenitisch, V4A (1.4401 oder 1.4571, A4) Zusätzlich Molybdän, bessere Beständigkeit gegen Chloride Außenbereich, Küstennähe, Feuchträume, Befestigungen
Ferritisch (z. B. 1.4016) Chrom ohne Nickel, magnetisch, günstiger Spülen, Küchengeräte, Innenanwendungen
Duplex (z. B. 1.4462) Hohe Festigkeit und gute Korrosionsbeständigkeit Tragende Bauteile, besondere Belastung

Der Magnettest sagt nichts über die Qualität aus. Verformte V2A-Teile können leicht magnetisch werden, ferritische Stähle sind magnetisch und trotzdem hochwertig.

Eigenschaften

  • Korrosionsbeständig: Je nach Güte, Oberfläche und Umgebung. Glatte, saubere Oberflächen sind widerstandsfähiger.
  • Hygienisch: Glatt und leicht zu reinigen, deshalb in Küchen, Bädern und Lebensmittelbereichen verbreitet.
  • Fest und langlebig: Hohe Festigkeit bei guter Zähigkeit.
  • Hohe Wärmeausdehnung und geringe Wärmeleitung: Im Vergleich zu normalem Stahl dehnt sich austenitischer Edelstahl stärker aus und leitet Wärme schlechter.
  • Recycelbar: Edelstahl lässt sich nahezu vollständig stofflich verwerten.

Anwendung in Bau und Renovierung

  • Küche und Bad: Spülen, Arbeitsplatten, Abzugshauben, Armaturen, Duschrinnen, Halterungen.
  • Geländer und Treppen: Innen- und Außengeländer, Handläufe, Seilsysteme.
  • Befestigungstechnik: Schrauben, Dübel, Anker. Die Kennzeichnung A2 entspricht etwa V2A, A4 etwa V4A. Für Außen- und Feuchtbereiche wird meist A4 gewählt.
  • Fassade, Dach, Regenwasserführung: Verkleidungen, Dachrinnen, Kaminrohre und Abgassysteme.
  • Trinkwasser und Heizung: Rohre und Formteile, wobei die Wasserqualität wichtig ist (siehe Lochfraß).

Praxis-Tipps und typische Fehler

  • Falsche Güte im Hallenbad oder an der Küste: Chlorhaltige Luft und Salz greifen V2A an und teils auch V4A. Dafür gibt es höher legierte Sorten. Planung nach der bauaufsichtlichen Zulassung für nichtrostende Stähle im Bauwesen ist üblich.
  • Fremdrost: Berührung mit normalem Stahl, Schleifstaub von Eisenwerkzeug oder Stahlbürsten überträgt Eisenteilchen, die rosten und die Passivschicht stören können. Nur edelstahlgeeignetes Werkzeug (zum Beispiel Trennscheiben für Inox) verwenden und getrennt arbeiten.
  • Bohren: Mit scharfem Bohrer aus HSS-Co oder Hartmetall, niedriger Drehzahl, gleichmäßigem Druck und Schneidöl. Hohe Drehzahl überhitzt, härtet die Stelle und macht den Bohrer stumpf.
  • Schweißen: Erfordert Erfahrung. Anlauffarben und Schweißnähte müssen gebeizt oder poliert werden, sonst sinkt die Beständigkeit.
  • Kontaktkorrosion: Edelstahl neben Aluminium oder Zink in feuchter Umgebung kann das unedlere Metall angreifen. Isolierende Zwischenlagen verhindern das.
  • Reinigung: In Schliffrichtung mit Wasser und mildem Reiniger. Keine chlorhaltigen Mittel, keine Salzsäure, keine Stahlwolle. Fingerabdrücke verschwinden mit Edelstahlpflege.

Normen und Vorschriften

Die Werkstoffe sind in DIN EN 10088 geregelt. Für tragende und sicherheitsrelevante Bauteile und Verbindungsmittel aus nichtrostenden Stählen gilt in Deutschland die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung Z-30.3-6. Sie ordnet Umgebungsbedingungen Korrosionswiderstandsklassen zu. Befestigungsmittel sind in DIN EN ISO 3506 genormt (A2, A4). Rohre für Trinkwasser müssen die Anforderungen der Trinkwasserhygiene erfüllen.

Häufige Fragen zu Edelstahl

Was ist der Unterschied zwischen V2A und V4A?

V4A enthält zusätzlich Molybdän und ist deshalb gegen Salz und Chloride beständiger. Für Innenräume reicht oft V2A, im Außenbereich, in Küstennähe und in Feuchträumen wird meist V4A gewählt.

Rostet Edelstahl wirklich nicht?

Er rostet viel weniger als normaler Stahl, ist aber nicht rostsicher. Fremdrost, Salz, Spalten und falsche Reiniger können Rost oder Lochfraß auslösen. Pflege und die richtige Güte sind entscheidend.

Ist Edelstahl magnetisch?

Das hängt von der Güte ab. Austenitische Stähle wie V2A und V4A sind im Normalzustand kaum magnetisch, ferritische Stähle sind magnetisch. Der Magnet taugt deshalb nicht als Qualitätstest.

Wie bohre ich Edelstahl richtig?

Mit einem scharfen Bohrer aus HSS-Co oder Hartmetall, niedriger Drehzahl, gleichmäßigem Druck und Schneidöl zur Kühlung. Vorher körnen und bei größeren Löchern vorbohren.

Wie reinige ich Edelstahl, ohne ihn zu zerkratzen?

Mit warmem Wasser, mildem Spülmittel und weichem Tuch in Schliffrichtung. Danach trocken wischen. Scheuermittel, Stahlwolle, Salzsäure und chlorhaltige Reiniger sollten vermieden werden.

Verwandte Begriffe

Lochfraß, Chrom, Zugfestigkeit, Silikon-Dichtstoff

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

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