Asbestsanierung

Asbestsanierung – Grundlagen, Anleitung und Tipps

Wird heute das früher so beliebte Baumaterial Asbest in einem Gebäude entdeckt, zuckt der Besitzer zusammen, denn er weiß, jetzt kommen ungeheure Kosten auf ihn zu, will er den Wert seines Hauses erhalten. In diesem Artikel lernen Sie Asbest besser kennen, wir beleuchten seine Geschichte und geben wertvolle Hinweise und konkrete Tipps zur Asbestsanierung.

Was ist Asbest?

Das altgriechische Wort „asbestos“ lässt sich zum Beispiel mit „unvergänglich“ übersetzen. Wir finden dazu auch die Begriffe „Amiant“ oder „Bergflachs“, wobei es dabei um natürliche, faserförmig auskristallisierte Silikate geht. Nach einer gewissen Aufbereitung ergeben sich daraus technisch verwertbare Fasern von unterschiedlichen Längen.

Geologisch sind es bläulich schimmernde Hornblenden wie Krokydolith oder Magnesioriebeckit (Blauasbest) oder grünlich-weißliche Serpentinite wie Chrysotil, die natürliche Asbestfasern darstellen. Dieser sogenannte Weißasbest fand eine breite technische Anwendung, insbesondere als Armierungsfasern im Asbestzement. Außerdem wären als Asbestminerale noch Grunerit beziehungsweise Amosit (Brauner Asbest), Aktinolith und Anthophyllit zu nennen.

Asbest

Asbest galt wegen seiner enormen Festigkeit und Hitzebeständigkeit lange Zeit als „Wunderfaser“. Er ist darüber hinaus säurebeständig und eignet sich gut als Dämmmaterial. Beste Voraussetzungen also, um flächendeckend in den verschiedensten Industriezweigen Fuß zu fassen. Selbst in Autoreifen oder Textilien hat Asbest seinen festen Platz gefunden, kam insbesondere als Filtermaterial im Arbeitsschutz weltweit zum Einsatz.

Das ging so lange gut, bis endlich festgestellt wurde, wie sehr diese Fasern unsere Gesundheit gefährden. Heute ist die Verarbeitung von Asbest in vielen Staaten der Erde verboten, im Gegenteil, dort, wo Asbest in Werkstoffen festgestellt wird, werden unmittelbar Auflagen zur Entsorgung ausgestellt.

Eigenschaften von Asbest

Asbest ist für seine Hitzebeständigkeit bekannt, sie reicht bis etwa 1.000 Grad Celsius. Erst ab circa 1.200 Grad Celsius findet eine Umwandlung in Olivin beziehungsweise Modifikationen davon statt. Bei noch weiter steigenden Temperaturen gast Asbest aus, es sublimiert. Darüber hinaus können schwache Säuren und viele andere Chemikalien diesem Stoff wenig anhaben.

Asbest verrottet kaum und lässt sich sehr gut mit Zement vermischen. Was auch sehr interessant ist: Die Zugfestigkeit bezogen auf das Gewicht ist bei Asbest größer als bei Stahldraht. Die besondere Langlebigkeit von Asbest ist unter anderem auf das hohe Maß an Feinheit der Fasern zurückzuführen.

Natürliches Asbest findet man vor allem in Nordamerika, Brasilien und Südafrika sowie in russischen Regionen im Ural-Gebirge und bei Ak-Dowurak (Tuwa).

Asbest entsorgen

Zur Geschichte von Asbest

Theophrast schrieb schon im dritten Jahrhundert v. Chr. ein Buch über Steine, in dem er auch auf Asbest einging. In der Antike brannte „die ewige Flamme“ in der Akropolis an einem Asbest-Docht. Allerdings wurde das Material im antiken Griechenland eher selten als „asbestos“ bezeichnet, viel üblicher war damals der Name „amiantos“ dafür.

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Bericht von Plinius dem Älteren, den man mit Fug und Recht als römischen Naturforscher bezeichnen kann. Er schrieb, dass bei Tisch Tücher aus „unbrennbarem Leinen“ üblich waren. Diese konnten mit Feuer gereinigt werden.

Aus einem Asbestgewebe waren auch die Leichentücher der Könige, weil man deren Asche nach der Verbrennung problemlos und vollständig daraus extrahieren konnte. Einer Legende zufolge beeindruckte etwas später auch Karl der Große seine Gäste damit, dass er eine Tischdecke kurzerhand im Feuer reinigte. Man sieht schon, dass Asbest früher nur etwas für Reiche war.

Im Mittelalter war bekanntlich für längere Zeit viel Wissen verloren gegangen, so auch jenes um den Stoff Asbest. Man spekulierte damals zum Beispiel, dass es sich dabei um die Schuppen drachenartiger Reptilien handeln könnte oder gar um die Federn des Phönix. Manche Schwindler verkauften Stoffe aus Asbest für gutes Geld, indem sie behaupteten, dass es sich dabei um Teile der Kleider von Jesus handele.

Zurück in die Moderne

Heute ist es leider so, dass Asbest in ganz erheblichem Maße den Wert einer Immobilie mindert. Das liegt an der hohen Gesundheitsgefährdung durch die mit Widerhaken besetzten, faserförmigen, silikatischen Minerale. Wir können davon ausgehen, dass jene stolzen Könige der Vergangenheit, die täglich Asbestservietten benutzten, kläglich an schwerem Asthma zugrunde gegangen sind.

Sobald also in einem Gebäude Asbest nachgewiesen wird, und es ist wirklich ratsam, gezielt danach zu suchen, muss es unbedingt fachgerecht entsorgt werden. Beauftragen Sie dazu einen Profi, denn wenn Sie Asbest versuchen, selbst zu beseitigen, kann dies für Sie und die Menschen in Ihrem Umfeld sehr gefährlich werden. Im Folgenden gehen wir näher darauf ein, worauf es bei der Asbestentsorgung ankommt.

Warum muss Asbest entfernt werden?

Bis in die 1980er-Jahre wurde Asbest vielfach zur Fassaden- und Dachdämmung eingesetzt. Doch heute weiß man, dass Asbest eine ganz erhebliche Gefahr für unsere Gesundheit darstellt. Wenn Asbeststaub in die Lunge gelangt, ist diese nicht in der Lage, die winzigen, hakeligen Fasern, die auch unserem Abwehrsystem standhalten, nach außen zu befördern. Es kommt zu schweren, quälenden, chronischen Entzündungen, wodurch sich manche Gewebeteile schließlich zu Krebszellen umbauen.

Es wurde nachgewiesen, dass sogar ohne einen direkten Kontakt mit Asbest solche gefährlichen Fasern in den Organismus gelangen können und dort nachhaltige Schäden anrichten. In der Konsequenz wurde der Werkstoff 1993 in Deutschland verboten, er wird explizit in der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) aufgeführt.

Seit dem Jahre 2005 ist Asbest inzwischen in allen EU-Mitgliedsstaaten verboten. Allein schon der rechtliche Aspekt ist gewiss Grund genug, jegliche Form von Asbest sofort entsorgen zu lassen, sobald man darüber Kenntnis hat. Asbestpartikel können sich auch aus gut verbauten Platten jederzeit lösen und gelangen so in die Atemluft, vergiften also permanent das Raumklima.

Info: Besonders häufig kommen in älteren Gebäuden Asbestzement und Spritzasbest vor. Letzterer ist schon seit Ende der 1970er-Jahre verboten, weil bereits kleine Erschütterungen dazu ausreichen, Fasern daraus freizusetzen.

Wie lässt sich Asbest erkennen?

Es ist in der Tat nicht immer leicht oder gar eindeutig, verbauten Asbest zu entdecken. Es gibt allerdings eine Reihe von Indizien, die es sehr wahrscheinlich machen, dass an bestimmten Stellen Asbest verborgen sein könnte. Falls Ihr Gebäude vor 1993 erbaut wurde, könnte es sein, dass darin beziehungsweise im Bereich des Daches Asbest verbaut wurde. Oftmals sind es diese „Kandidaten“, die für einen hohen Gehalt an Asbest infrage kommen:

  • Dachpfannen
  • Kunstschiefer
  • Wellfaserzementplatten
  • Dämmstoffe
  • Abwasserrohre
  • Alte Elektrogeräte mit grauen oder grünlichen Farben

Achtung: Die faserige Struktur ist oftmals erst dann richtig erkennbar, wenn ein Produkt schon beschädigt und damit hochgradig gesundheitsgefährdend ist.

Lassen Sie Ihr Haus prüfen

Sofern eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür vorliegt, dass auch Ihr Haus noch Asbest beinhalten könnte, sollten Sie sich vertrauensvoll an eine Prüfstelle oder an einen Fachbetrieb in Ihrer Region wenden. Die jeweiligen Mitarbeiter werden dann mehrere Proben von den infrage kommenden Bauteilen nehmen und diese sehr genau im Labor untersuchen. Damit haben Sie zunächst einmal Gewissheit.

Achtung: Auch und gerade die Probennahme sollte durch Fachleute erfolgen, die stets die geforderten Sicherheitsstandards beachten. Es muss dabei unbedingt vermieden werden, dass sich Asbestfasern freisetzen können. Ein Laie kann in der Sache viel Schaden anrichten.

Bei Asbestsanierung ist Professionalität gefragt

Ergibt der Labortest, dass Ihr Haus mit Asbest kontaminiert ist, sollten Sie in Ihrem eigenen Interesse eine baldige Sanierung anstreben.

Info: Völlig unbeschädigte, asbesthaltige Platten, die sich hinter einer anderweitigen Verschalung befinden, bedeuten nicht unbedingt eine unmittelbare Gesundheitsgefahr. Da aber jegliches Anbohren schnell zur Gefahr werden kann, sollten Sie zum Beispiel die Entsorgung von alten Eternitplatten in Erwägung ziehen.

Bei jeder Renovierung besteht die Gefahr, Asbest zu „aktivieren“. Daher ist die Prüfung eines eventuellen Vorhandenseins von Asbest vor derartigen Arbeiten sehr wichtig. Grundsätzlich gilt, dass der Laie mit einer Asbestsanierung seines Hauses völlig überfordert ist.

Es gelten strenge, gesetzliche Auflagen, die einzuhalten sind. Zudem ändert sich das Regelwerk fast jährlich. Die Sanierungsfachbetriebe, die sich um Asbest kümmern, brauchen eine behördliche Zulassung beziehungsweise Zertifizierung, ansonsten dürfen sie dieses gefährliche Material nicht anfassen.

Asbestpruefung haus

Zu den Sicherheitsstandards gehört zum Beispiel eine spezielle, abdichtende Arbeitskleidung mit Schutzanzügen und ausreichend dimensionierten Atemschutzmasken. Die Hausbewohner müssen während der Asbestsanierung in aller Regel für längere Zeit ihre Wohnung verlassen. In schweren Fällen ist der Fachbetrieb dazu verpflichtet, das Gebäude zu isolieren, das heißt, es kann dann nur noch via Schleusen betreten werden.

Bei der schließlichen fachgerechten Entsorgung des Asbests sind weitere Bestimmungen einzuhalten. Dazu sind die asbesthaltigen Bauteile zum Beispiel in luftdichte Folien zu verpacken, um zu verhindern, dass Asbestpartikel in die Luft übertreten können.

Früher kursierte oftmals die Meinung, dass man seine Asbestplatten doch nur im Garten vergraben braucht, dort würden sie dann in der Erde schon von der Natur zersetzt. Lassen Sie sich auf keinen Fall auf eine solche Räuberpistole ein.

Achtung: Wer Asbest unsachgemäß entsorgt, verübt eine Straftat. In der Folge kommt es zu einer empfindlichen Geld- oder sogar Freiheitsstrafe.

Was kostet eine Asbestsanierung

An dieser Stelle können wir natürlich keine Zahl hinschreiben, weil wir nicht wissen, wie groß Ihr Haus ist und wie viel Material überhaupt zu entsorgen ist. Wir empfehlen in diesem Zusammenhang immer, sich vor Auftragsvergabe erst einmal mindestens zwei Kostenvoranschläge machen zu lassen, denn die damit beschäftigten Betriebe arbeiten mit sehr unterschiedlichen Kalkulationsmodellen. In der Regel enthält die Rechnung für eine Asbestsanierung die folgenden Positionen:

  • Anfahrtskosten
  • Baustelleneinrichtung
  • Anmietung des Baugerüsts
  • Stundenlohn der Handwerker
  • Verpackungskosten
  • Entsorgungskosten auf der Sondermülldeponie

Vor Auftragsvergabe sollten Sie darauf achten (gegebenenfalls danach fragen), dass der Fachbetrieb über die erforderliche Zulassung durch eine zu deren Ausstellung legitimierten Behörde oder Institution verfügt.

Info: Kosten einer Asbestsanierung lassen sich in den meisten Fällen als außergewöhnliche Belastung steuerlich absetzen. Ihr Fachbetrieb kann Ihnen dazu gegebenenfalls Informationsmaterial geben.

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