Illustration: Mauerwerk mit porösem Sanierputz, der Feuchte und Salze aufnimmt

Sanierputz

Sanierputz ist ein Putzsystem für feuchte und salzbelastete Wände, das nach dem WTA-Merkblatt 2-9 geprüft wird. Durch hohes Porenvolumen lagert er Salze im Putzgefüge ein, lässt Wasserdampf ausdiffundieren und hält die Oberfläche weitgehend trocken. Er behandelt Symptome, beseitigt die Ursache der Durchfeuchtung aber nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sanierputz ist ein System aus Spritzbewurf, gegebenenfalls Porengrundputz und Sanierputz-Deckschicht.
  • Er nimmt Salze in seinen Poren auf, ohne dass sie sofort die Oberfläche zerstören.
  • Er entfeuchtet das Mauerwerk nicht. Bei aufsteigender Feuchte ist meist zusätzlich eine Abdichtung nötig.
  • Seine Leistung ist begrenzt: Sind die Poren mit Salz gesättigt, muss der Putz erneuert werden.

Definition und Abgrenzung

WTA steht für die Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege. Sie veröffentlicht Merkblätter zur Instandsetzung. Das Merkblatt 2-9 behandelt Sanierputzsysteme: Definitionen, Anforderungen an das System, Prüfverfahren, Planung, Untergrundvorbereitung und Verarbeitung. Produkte, die danach geprüft und überwacht werden, dürfen als WTA-Sanierputz bezeichnet werden. Die Normtexte werden hier nicht wiedergegeben.

Abgrenzung zu anderen Putzen

  • Dichtputz: Er soll Wasser abhalten und bildet eine geschlossene Sperre. Sanierputz arbeitet genau umgekehrt, er ist offenporig und diffusionsoffen. Auf salzbelastetem Mauerwerk kann Dichtputz Feuchte und Salze einschließen und den Schaden verlagern.
  • Kalkputz: Er ist diffusionsoffen und wirkt feuchteregulierend, hat aber nicht die gezielte Salzspeicherung und die Prüfung als System. Bei geringer Salzbelastung kann er genügen.
  • Normaler Zementputz: Er ist dicht und starr, daher für feuchte, salzhaltige Wände ungeeignet.

Allgemeine Hintergründe zu Putzen liefert der Eintrag Putz.

Aufbau und Wirkprinzip

Salze gelangen mit dem Wasser aus dem Boden oder Baugrund in das Mauerwerk. Verdunstet das Wasser an der Oberfläche, kristallisieren sie aus. Diese Kristalle nehmen mehr Platz ein als die gelöste Form und sprengen Putz und Oberflächen ab. Man nennt das Salzsprengung. Ausblühungen und abplatzende Farbe sind typische Zeichen.

Der Sanierputz greift in diesen Ablauf ein. Er ist wasserabweisend eingestellt, damit flüssiges Wasser nicht ungehindert nach außen wandert. Gleichzeitig hat er viele Luftporen. Wasserdampf kann diffundieren, Salze kristallisieren im Inneren der Poren und nicht an der Oberfläche. Das schützt die Oberfläche für eine begrenzte Zeit.

Aufbau eines SanierputzsystemsSchematischer Schnitt durch ein Sanierputzsystem von der Raumseite zum Mauerwerk: Anstrich, Sanierputz, Porengrundputz, Spritzbewurf, salzbelastetes Mauerwerk.Außen oder Raumseite (oben) bis Mauerwerk (unten)Diffusionsoffener AnstrichKein Dichtanstrich, kein KunstharzputzSanierputz (WTA)Hohes Porenvolumen, Salze lagern sich ein, mind. ca. 20 mmPorengrundputz (optional)Ausgleich bei Unebenheiten und hoher SalzlastSpritzbewurfHaftbrücke, nur teilflächig, ca. 50 bis 70 % DeckungMauerwerk mit SalzenFeuchte und Salze werden nicht entfernt
Schematischer Aufbau eines Sanierputzsystems (nicht maßstäblich). Die Schichtfolge gilt als Richtwert, Details legt der Systemhersteller fest.

Die Schichten im Einzelnen

  • Vorbereitung: Alter Putz wird großzügig entfernt, meist deutlich über die sichtbare Schadenszone hinaus. Fugen werden auf einige Zentimeter ausgekratzt. Salze werden mechanisch entfernt.
  • Spritzbewurf: Eine grobe, aufgespritzte Haftschicht. Sie deckt die Wand nur teilweise ab, als Richtwert etwa 50 bis 70 % der Fläche, damit Feuchte weiter abgeben kann.
  • Porengrundputz: Er dient als Ausgleichsputz bei unebenem Mauerwerk oder hoher Salzbelastung und vergrößert den Speicherraum. Er ist nicht in jedem System vorgesehen.
  • Sanierputz (Deckschicht): Er bildet die eigentliche Zielschicht. Die Gesamtdicke soll als Richtwert nicht unter etwa 20 mm liegen, sonst reicht die Speicherkapazität nicht.

Arten und Varianten

Element Aufgabe Hinweis
Spritzbewurf Haftung und Voranstrich Teilflächig, nicht vollflächig
Porengrundputz Ausgleich und Salzspeicher Optional, bei Bedarf
Sanierputz-Deckschicht Salzeinlagerung, Verdunstung Dicke systemabhängig, mind. ca. 20 mm gesamt
Sanierputz mit Feinputz Glattere Oberfläche Nur passende Systemkomponenten verwenden
Sanierputz für Innen und Außen Je nach Produkt Freigabe beachten

Kennwerte, Bemessung, Normen

Im Fokus stehen Porenvolumen, Wasseraufnahme und Wasserdampfdurchlässigkeit. Der Putz ist hydrophob (wasserabweisend), er verhindert so kapillares Aufsteigen in die Oberfläche. Der Diffusionswiderstand ist niedrig, siehe Wasserdampfdiffusionswiderstand. Genaue Grenzwerte sind in der WTA-Richtlinie und in den Datenblättern der Hersteller festgelegt.

Wichtig ist, dass alle Komponenten aus einem geprüften System stammen. Mischen verschiedener Produkte verliert die Eignung für die Sanierung.

Anwendung in Neubau und Bestand

Sanierputz ist ein Bestandsprodukt. Im Neubau wird eine Abdichtung gegen Bodenfeuchte geplant und eingebaut, sodass Sanierputz nicht nötig ist. Im Altbau, besonders in Kellern, Sockelzonen und historischen Gebäuden, tritt das Problem dagegen häufig auf.

Voraussetzungen

  • Die Ursache der Feuchte ist geklärt, siehe aufsteigende Feuchtigkeit.
  • Eine mögliche Abdichtung wurde geprüft, etwa eine Horizontalsperre oder Injektion.
  • Das Mauerwerk ist tragfähig und von losem Putz befreit.
  • Bei starker Durchfeuchtung ist eine Untersuchung der Salzgehalte sinnvoll.

Grenzen

Sanierputz entfeuchtet nicht. Bei dauerhaft hoher Feuchte mit zusätzlichem Wasserdruck reicht er nicht. Sind die Poren irgendwann mit Salz gesättigt, ist die Wirkung erschöpft. Dann muss der Putz entfernt und ersetzt werden. Eine Oberflächenbehandlung mit dichten Farben oder Tapeten hebt die Wirkung auf.

Salzbelastung einschätzen

Nicht jedes Salz verhält sich gleich. Häufig finden sich Sulfate, Chloride und Nitrate. Chloride und Nitrate sind hygroskopisch, sie ziehen Feuchte aus der Raumluft an und halten Wände dauerhaft feucht. Sulfate bilden dagegen kristalline Ausblühungen mit hohem Sprengdruck. Eine Laboruntersuchung von Mauerwerksproben liefert Salzart und Gehalt. Auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, ob ein Sanierputz mit Porengrundputz nötig ist, ob die Schichtdicke erhöht werden sollte oder ob der Untergrund vorab entsalzt werden kann, etwa durch Kompressen. Eine genaue Zuordnung der Schwellenwerte ist dem WTA-Merkblatt und den Herstellerangaben zu entnehmen.

Auch die Raumnutzung spielt eine Rolle. Ein selten genutzter, belüfteter Keller verträgt eine höhere Belastung als ein beheizter Wohnraum, in dem sich Feuchte und Raumluft ständig austauschen. Gerade bei Nutzungsänderungen, etwa vom Lagerkeller zum Hobbyraum, sollte der Sanierputz neu bewertet werden.

Kosten

Die Kosten hängen von Untergrund, Putzdicke, Zugänglichkeit und Region ab. Als grober Richtwert werden für ein komplettes Sanierputzsystem einschließlich Vorbereitung oft etwa 50 bis 100 Euro je Quadratmeter genannt. Hinzu kommen Kosten einer Abdichtung. Mehrere Angebote einholen.

Typische Fehler und Schäden

  • Sanierputz ohne Klärung der Feuchteursache eingesetzt.
  • Zu geringe Schichtdicke, dadurch schnell gesättigter Putz.
  • Vollflächiger Spritzbewurf statt teilflächiger Auftrag.
  • Auftrag auf nicht ausreichend vorbereitetem Untergrund oder auf Resten alten Putzes.
  • Dichte Anstriche, Fliesen oder Tapeten, welche die Diffusion blockieren.
  • Verwendung von Komponenten außerhalb des geprüften Systems.
  • Zu schnelles Beschichten vor dem Abtrocknen.

Wartung und Prüfung

Der Putz sollte regelmäßig auf Ausblühungen, Verfärbungen und Abplatzungen kontrolliert werden. Zeigen sich nach Jahren wieder Salzschäden, ist die Aufnahmefähigkeit meist erschöpft. Bei Unsicherheit hilft ein Bausachverständiger. Innen ist auf ausreichendes Lüften zu achten, vergleiche Schimmel.

Recht und Förderung

Sanierputz wird im Regelfall nicht gefördert. Wird er im Zuge einer umfassenden Sanierung eingesetzt, kann Denkmalschutz besondere Anforderungen stellen. Für einzelne Maßnahmen gilt: aktuelle Konditionen prüfen.

Häufige Fragen zu Sanierputz

Was ist Sanierputz?

Sanierputz ist ein offenporiger Spezialputz für feuchte und salzbelastete Mauern. Er speichert Salze im Putz und lässt Wasserdampf entweichen. Die Eignung wird nach WTA-Merkblatt 2-9 geprüft.

Entfeuchtet Sanierputz die Wand?

Nein. Er behandelt die Folgen, nicht die Ursache. Bei aufsteigender Feuchte ist zusätzlich eine Abdichtung nötig.

Wie dick muss Sanierputz sein?

Als Richtwert werden mindestens etwa 20 mm genannt. Die verbindliche Dicke legt der Hersteller des Systems fest.

Wie lange hält Sanierputz?

Das hängt von der Salzbelastung und der Feuchte ab. Sind die Poren gesättigt, lässt die Wirkung nach. Eine feste Standzeit kann nicht allgemein angegeben werden.

Was ist der Unterschied zu Dichtputz?

Dichtputz sperrt Wasser ab, Sanierputz lässt Dampf durch und speichert Salze. Auf salzbelasteten Wänden kann Dichtputz Schäden verlagern.

Reicht ein Kalkputz statt Sanierputz?

Bei geringer Salzbelastung kann Kalkputz genügen. Bei deutlicher Salzbelastung ist ein geprüftes Sanierputzsystem sinnvoller. Eine Einschätzung im Einzelfall ersetzt dieser Text nicht.

Verwandte Begriffe

Aufsteigende Feuchtigkeit, Horizontalsperre, Kalkputz, Injektionswand, Putz

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

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