Kalkputz ist ein mineralischer Putz, dessen Bindemittel Kalk ist, entweder Luftkalk oder hydraulischer Kalk, gemischt mit Sand. Er ist diffusionsoffen, nimmt Feuchte auf und gibt sie wieder ab. Wegen dieser Eigenschaften und seiner Verträglichkeit mit altem Mauerwerk wird Kalkputz oft im Altbau und in der Denkmalpflege eingesetzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Kalkputz ist ein mineralischer Putz auf Kalkbasis und zählt zu den ältesten Putzarten.
- Luftkalk erhärtet langsam an der Luft, hydraulischer Kalk bindet zusätzlich mit Wasser ab und ist schneller belastbar.
- Kalkputz ist diffusionsoffen und kann Raumfeuchte puffern, er ist aber kein Ersatz für die Beseitigung von Feuchteursachen.
- Die Verarbeitung verlangt Erfahrung: Untergrund vornässen, in Lagen arbeiten, Frost und zu schnelles Trocknen vermeiden.
Was ist Kalkputz?
Ein Putz schützt Wände, glättet sie und bildet die Grundlage für Anstrich oder Beschichtung. Was Putz allgemein ist, steht im Eintrag Putz. Kalkputz ist eine bestimmte Putzart. Das Bindemittel stammt aus gebranntem Kalkstein. Hinzu kommen Sand als Zuschlag und Wasser. Häufig werden Zusätze eingesetzt, um Verarbeitung und Haftung zu verbessern. Die Zusammensetzung ist von Hersteller zu Hersteller verschieden.
Kalkputz wird innen und außen eingesetzt. Er war bis zur Verbreitung des Zements im 19. Jahrhundert die vorherrschende Putzart. Viele Altbauten, Fachwerkhäuser und denkmalgeschützte Gebäude haben ursprünglich Kalkputz. Der Eintrag zum Oberputz beschreibt die äußere Putzlage, die Kalkputz ebenfalls bilden kann.
Aufbau und Funktion: Wie Kalk bindet
Kalkstein besteht aus Calciumcarbonat. Er wird gebrannt und verliert dabei Kohlendioxid. Es entsteht Branntkalk. Beim Löschen mit Wasser wird daraus Löschkalk, das ist Calciumhydroxid. Im Putz nimmt der Kalk später Kohlendioxid aus der Luft auf und wird wieder zu Calciumcarbonat, also zu Kalkstein. Dieser Vorgang heißt Carbonatisierung. Er läuft von der Oberfläche nach innen und dauert, je nach Dicke und Feuchte, Wochen bis Monate.
Arten: Luftkalk und hydraulischer Kalk
Luftkalk erhärtet nur an der Luft durch Carbonatisierung. Hydraulischer Kalk enthält zusätzlich hydraulische Bestandteile, die mit Wasser abbinden. Bei natürlichem hydraulischem Kalk, kurz NHL, stammen sie aus tonhaltigem Kalkstein. Die Kennzahlen NHL 2, 3,5 und 5 stehen für steigende Festigkeit, geregelt in DIN EN 459-1.
| Merkmal | Luftkalkputz | Hydraulischer Kalkputz (NHL) |
|---|---|---|
| Erhärtung | Langsam, durch Kohlendioxid der Luft | Schneller, auch durch Wasser |
| Festigkeit | Weich bis mittel | Höher, nach NHL-Klasse |
| Verarbeitung | Aufwendig, Nachbehandlung wichtig | Einfacher, schneller belastbar |
| Einsatz | Denkmalpflege, Innenräume, Kalkfarbe | Altbau innen und außen, Sockelbereiche |
| Feuchtebelastung | Gering | Höher, je nach Produkt |
Fertigputze nach DIN EN 998-1 tragen Kürzel wie GP für Normalputzmörtel und CS für die Druckfestigkeitsklasse. Viele Fertigprodukte enthalten Zusätze, die Verarbeitung und Haftung verbessern. Wer auf ein rein mineralisches System Wert legt, sollte Datenblatt und Zusätze genau prüfen.
Eigenschaften und Feuchteregulierung
Kalkputz ist offenporig. Er lässt Wasserdampf leicht durch, was sich in einem niedrigen Wasserdampfdiffusionswiderstand zeigt. Dadurch kann Mauerwerk Feuchte abgeben. Der Putz selbst kann Raumfeuchte aufnehmen, speichern und später wieder abgeben. Das puffert Schwankungen der Luftfeuchte und kann das Raumklima ausgleichen.
Kalkputz ist stark alkalisch. Der hohe pH-Wert erschwert Pilz- und Schimmelwachstum auf der Oberfläche. Das ersetzt aber nicht die Beseitigung der Ursachen. Bei Schimmel sind Feuchtequelle und Lüftung zu klären. Wegen der Alkalität sind Handschuhe und Schutzbrille bei der Verarbeitung nötig.
Kalkputz im Altbau
Im Altbau passen Putz und Mauerwerk zusammen, wenn beide ähnlich diffusionsoffen sind. Dichte Zementputze oder Dispersionsfarben sperren Feuchte im Mauerwerk ein, die dann im Stein bleibt. Kalkputz lässt sie entweichen. Daher ist er bei Fachwerk, Ziegel und Naturstein häufig die erste Wahl.
Bei aufsteigender Feuchtigkeit und Salzen kommen besondere Sanierputzsysteme infrage. Sie sind nach WTA-Merkblättern geregelt. Reiner Kalkputz ist hier nicht immer geeignet. Bei Denkmalschutz sind Material und Technik häufig mit der Behörde abzustimmen. Wer von innen dämmt, sollte die Putzwahl mit der Innendämmung abstimmen.
Praxis: Verarbeitung Schritt für Schritt
Kalkputz ist für geübte Heimwerker machbar, verlangt aber Sorgfalt. Der Ablauf im Überblick.
- Untergrund prüfen: tragfähig, sauber, staubfrei, ohne lose Altputze. Salz- und Feuchteschäden klären.
- Untergrund gleichmäßig vornässen, damit er dem Putz nicht zu viel Wasser entzieht.
- Spritzbewurf oder Haftbrücke auftragen, wenn das Datenblatt es verlangt.
- Unterputz in Lagen auftragen, mit der Latte abziehen und aufrauen.
- Standzeit zwischen den Lagen nach Herstellerangabe einhalten.
- Oberputz oder Feinputz aufziehen und filzen, glätten oder abreiben.
- Nachbehandeln: Putz mehrere Tage leicht feucht halten, vor Zugluft, Sonne und Frost schützen.
- Erst nach ausreichender Trocknung streichen, mit kalkverträglicher, diffusionsoffener Farbe.
Als Faustregel gilt: nicht bei Frost verarbeiten. Die Untergrundtemperatur sollte nach vielen Herstellerangaben über etwa 5 Grad Celsius liegen. Genaue Werte stehen im Datenblatt.
Kosten
Die folgenden Zahlen sind grobe Richtwerte. Sie hängen von Region, Untergrund, Putzdicke und Aufwand ab. Aktuelle Konditionen prüfen.
- Putzmaterial: je nach Produkt grob etwa 5 bis 20 Euro je Quadratmeter bei üblicher Dicke.
- Putzarbeiten durch den Fachbetrieb: oft grob etwa 25 bis 60 Euro je Quadratmeter inklusive Material, im Altbau und bei mehrlagigem Aufbau auch mehr.
- Untergrundvorbereitung, Gerüst, Ausbesserungen und Anstrich werden zusätzlich berechnet.
- Kalkputz ist oft teurer als Gips- oder Zementputz, weil die Verarbeitung aufwendiger ist.
Typische Fehler
- Untergrund nicht vorgenässt, der Putz verbrennt und wird mürbe.
- Zu schnelles Trocknen durch Zugluft oder Sonne, Risse und Absanden.
- Verarbeitung bei Frost oder zu kalter Witterung.
- Zu dicke Lagen in einem Arbeitsgang.
- Dichte, nicht diffusionsoffene Farben auf dem Kalkputz.
- Zementhaltiger oder zu fester Putz auf weichem Altbaumauerwerk.
- Feuchteursachen bleiben ungeklärt, Putz wird nur überdeckt.
Normen und Vorschriften
Für Putzmörtel gilt DIN EN 998-1. Kalke sind in DIN EN 459-1 geregelt. Putzarbeiten im Bauvertrag unterliegen der VOB/C, dort sind sie in einer Putzarbeiten-Norm beschrieben. Bei Außenwänden sind Wärmebrücken und Energievorgaben nach Gebäudeenergiegesetz zu beachten. Eine Baugenehmigung ist für reinen Putzersatz meist nicht nötig, bei Denkmalen oder Änderungen der Fassade kann es Genehmigungspflichten geben. Das sollte vorab geklärt werden.
Häufige Fragen zu Kalkputz
Was ist der Unterschied zwischen Luftkalk und hydraulischem Kalk?
Luftkalk erhärtet nur durch Kohlendioxid aus der Luft und ist langsam. Hydraulischer Kalk bindet zusätzlich mit Wasser ab, ist früher belastbar und fester. Die NHL-Klassen 2, 3,5 und 5 beschreiben die Festigkeit.
Ist Kalkputz schimmelhemmend?
Er ist stark alkalisch und offenporig, was Schimmelwachstum auf der Oberfläche erschwert. Er ist aber kein Ersatz für die Beseitigung der Feuchteursache. Bei Schimmelbefall sollte die Ursache geklärt werden.
Kann man Kalkputz auf alte Wände auftragen?
Ja, wenn der Untergrund tragfähig, sauber und salzfrei ist. Lose Altputze müssen entfernt werden. Bei Feuchte oder Salzen kann ein spezielles Sanierputzsystem nötig sein.
Wie lange dauert es, bis Kalkputz durchgetrocknet ist?
Je nach Dicke, Witterung und Kalkart dauert die Trocknung und Carbonatisierung Wochen bis Monate. Gestrichen wird erst nach ausreichender Trocknung, nach Herstellerangabe.
Worin unterscheidet sich Kalkputz von normalem Putz?
Putz ist der Oberbegriff für Wandbeschichtungen aus Mörtel. Kalkputz ist eine Putzart mit Kalk als Bindemittel. Gips- oder Zementputz unterscheiden sich in Bindemittel, Diffusionsfähigkeit und Feuchteverhalten.
Was kostet Kalkputz?
Grob etwa 25 bis 60 Euro je Quadratmeter durch den Fachbetrieb, Material inklusive, je nach Aufwand und Region. Aktuelle Angebote sollten eingeholt werden.
Verwandte Begriffe
Putz, Oberputz, Innendämmung, Aufsteigende Feuchtigkeit, Denkmalschutz









