Kelle mit frischem Putzmörtel vor einer verputzten Wand

Putz

Putz ist eine Schicht aus Bindemittel, Zuschlag (meist Sand) und Wasser, die auf Wände und Decken aufgetragen wird. Er gleicht Unebenheiten des Mauerwerks aus, schützt außen vor Regen, Frost und Schmutz und bildet innen die glatte Grundlage für Anstrich, Tapete oder Fliesen. Man unterscheidet Innenputz und Außenputz sowie mineralische und organisch gebundene Putze.

Das Wichtigste in Kürze

  • Putz besteht je nach Art aus Kalk, Zement, Gips, Lehm, Kunstharz oder Silikat und wird meist in mehreren Lagen aufgebaut.
  • Außenputz muss wasserabweisend und gleichzeitig dampfdurchlässig sein, Innenputz soll vor allem eben, tragfähig und feuchteausgleichend sein.
  • Der Untergrund entscheidet über die Haltbarkeit: Er muss tragfähig, sauber, trocken genug und mit passender Saugfähigkeit vorbereitet sein.
  • Die wichtigsten Regelwerke sind DIN EN 998-1 (Produkteigenschaften) und DIN EN 13914 (Planung und Ausführung).

Was ist Putz?

Putz ist ein Mörtel, der als Schicht auf Mauerwerk, Beton, Dämmstoffe oder Holzwolleplatten aufgetragen wird. Er erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig. Er schafft eine ebene Fläche, schließt Fugen und Poren und schützt das Bauteil. Außen hält er Schlagregen vom Mauerwerk fern. Innen sorgt er für ein gleichmäßiges Raumklima, weil mineralische Putze Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können. Zudem trägt Putz zum Brandschutz und zum Schallschutz bei, weil er Fugen luftdicht schließt und Masse in die Wand bringt.

Im Alltag wird oft nicht sauber zwischen Putz und Spachtelmasse getrennt. Der Unterschied liegt in der Schichtdicke und in der Aufgabe. Putz wird in Dicken von mehreren Millimetern bis zu etwa zwei Zentimetern aufgetragen und gleicht den Rohbau aus. Eine Spachtelmasse ist dagegen für dünne Schichten gedacht, die einen bereits ebenen Untergrund veredeln. Die oberste, sichtbare Lage eines Putzsystems heißt Oberputz.

Putze werden nach ihrem Bindemittel eingeteilt. Kalk, Zement und Gips binden mineralisch ab. Kunstharzputze enthalten Kunststoffdispersionen als Bindemittel, Silikatputze Kaliwasserglas, Silikonharzputze eine Silikonharz-Emulsion. Lehmputz härtet nicht chemisch aus, sondern trocknet nur. Er lässt sich deshalb später wieder anfeuchten und verarbeiten.

Aufbau und Funktionsweise eines Putzsystems

Ein Putzsystem besteht fast nie aus einer einzigen Schicht. Jede Lage hat eine eigene Aufgabe, und die Lagen müssen aufeinander abgestimmt sein. Als Grundregel gilt: Von innen nach außen, also vom Untergrund zur Oberfläche, nimmt die Festigkeit der Schichten nicht zu. Eine harte, dichte Schicht auf einem weichen, saugenden Untergrund reißt oder löst sich ab, weil sich die Schichten bei Temperatur und Feuchte unterschiedlich bewegen.

Typischer Aufbau außen auf mineralischem Mauerwerk:

  • Spritzbewurf: eine dünne, grobe Vorspritzschicht als Haftbrücke, besonders auf glatten oder ungleichmäßig saugenden Flächen.
  • Unterputz: die dickste Lage. Sie gleicht Unebenheiten aus und nimmt Spannungen auf.
  • Oberputz: die Deckschicht mit Struktur und Wetterschutz, etwa als Kratzputz, Rillenputz oder Reibeputz.
  • Anstrich: optional als Farbgebung und zusätzlicher Schutz.

Putz arbeitet über Kapillarwirkung. Poren im Putz nehmen Wasser auf und geben es wieder ab. Ein guter Außenputz saugt Regenwasser nicht stark auf und trocknet danach schnell aus. Wichtig ist dabei die Wasserdampfdurchlässigkeit, die über den Wasserdampfdiffusionswiderstand beschrieben wird. Ist der Putz zu dicht, bleibt Feuchtigkeit im Mauerwerk stecken, und es kommt zu Frostschäden oder Algenbewuchs.

Querschnitt eines Außenputzsystems Schichtaufbau von innen nach außen: Mauerwerk, Spritzbewurf als Haftbrücke, Unterputz, Oberputz und Anstrich. Wandkern Witterung Mauerwerk Spritzbewurf (Haftbrücke) Unterputz (ebnet, trägt) Oberputz (Struktur, Schutz) Anstrich (Farbe, Schutz)
Schichtaufbau eines mehrlagigen Außenputzes im Querschnitt. Die Dicken der Lagen sind schematisch dargestellt.

Putzarten im Überblick

Die Wahl der Putzart richtet sich nach Einsatzort, Untergrund und Anspruch. Die Tabelle zeigt die gängigen Varianten mit ihren typischen Eigenschaften.

Putzart Bindemittel Einsatz Eigenschaften
Kalkputz Kalk innen, außen, Altbau diffusionsoffen, feuchteregulierend, leicht alkalisch, schimmelhemmend
Kalk-Zement-Putz Kalk und Zement innen und außen fest, wetterbeständig, Standard im Neubau
Zementputz Zement Sockel, Keller, Nassbereiche sehr fest und dicht, wenig flexibel
Gipsputz Gips nur innen, trockene Räume glatte Oberfläche, schnell, nicht feuchtebeständig
Lehmputz Lehm innen sehr gute Feuchteregulierung, nicht wasserfest
Kunstharzputz Kunststoffdispersion außen, WDVS flexibel, wasserabweisend, geringe Dampfdurchlässigkeit
Silikatputz Kaliwasserglas außen, WDVS diffusionsoffen, alkalisch, algenhemmend
Silikonharzputz Silikonharz außen, WDVS stark wasserabweisend, gut dampfdurchlässig
Sanierputz mineralisch, porös feuchte, salzbelastete Wände speichert Salze, trocknet schnell, kein Ersatz für Abdichtung

Nach der älteren deutschen Einteilung werden mineralische Mörtel in Putzmörtelgruppen sortiert. P I steht für Kalk- und Wasserkalkmörtel, P II für Kalk-Zement-Mörtel, P III für Zementmörtel mit oder ohne Kalkzusatz. Die europäische Norm DIN EN 998-1 ordnet Putzmörtel heute über Druckfestigkeitskategorien (CS I bis CS IV) ein. Welche Kategorie für welche Anwendung passt, steht in den Produktdatenblättern der Hersteller.

Innenputz und Außenputz

Innenputz

Innenputz bleibt trocken und ist keinem Wetter ausgesetzt. Üblich sind Gipsputz, Kalk-Gips-Putz, Kalkputz und Lehmputz. Gipsputz wird oft maschinell in einer Lage aufgetragen und geglättet. Die typische Dicke liegt bei etwa 10 bis 15 Millimetern. In Küchen und Bädern ist Gipsputz nur mit geeignetem Abdichtungsaufbau sinnvoll. Wo regelmäßig Spritzwasser auftritt, sind Kalk-Zement-Putz oder Zementputz die robustere Wahl.

Außenputz

Außenputz muss Frost, Regen, Hitze und Schmutz aushalten. Er wird meist zweilagig aufgebaut und erreicht eine Gesamtdicke von etwa 15 bis 25 Millimetern. Im Sockelbereich, wo Spritzwasser und Schnee anliegen, kommen besonders dichte, wasserabweisende Sockelputze zum Einsatz. Auf Dämmplatten wird ein Putzsystem aus Armierungsschicht mit Gewebe und dünnem Oberputz verwendet, siehe Wärmedämmverbundsystem (WDVS).

Verarbeitung Schritt für Schritt

Die folgende Reihenfolge gilt für einen mineralischen Innenputz in Handverarbeitung. Bei Maschinenputz übernimmt eine Putzmaschine das Mischen und Spritzen. Die Herstellerangaben im Datenblatt haben immer Vorrang.

  1. Untergrund prüfen: Er muss tragfähig, frei von Staub, Fett, Salzen und losen Teilen sein. Mit der Wischprobe und dem Kratztest lässt sich die Festigkeit grob prüfen.
  2. Saugfähigkeit ausgleichen: Stark saugende Flächen erhalten eine Grundierung, glatte Betonflächen einen Haftvermittler oder Spritzbewurf. Manche Hersteller verlangen stattdessen ein Vornässen.
  3. Anschlüsse vorbereiten: Kanten werden mit Putzprofilen geschützt, Anschlüsse an Fenstern und Türen mit Anputzleisten abgedichtet, Materialwechsel mit Gewebestreifen überdeckt.
  4. Putzlehren setzen: Putzprofile oder Lehren legen die Putzdicke und die Ebene fest.
  5. Mörtel anmischen und auftragen: Das Mischungsverhältnis aus dem Datenblatt einhalten. Der Putz wird aufgebracht und mit einer Latte abgezogen.
  6. Anziehen lassen und glätten: Sobald der Putz leicht angezogen hat, wird er je nach Putzart gefilzt, geglättet oder strukturiert.
  7. Trocknen lassen: Zu schnelles Austrocknen durch Zugluft oder Sonne führt zu Schwindrissen. Als grobe Faustregel gilt etwa ein Tag Trocknungszeit je Millimeter Schichtdicke, bei Zement- und Kalkputz etwa ein bis zwei Wochen vor dem Überstreichen. Das Datenblatt nennt die genauen Werte.

Bei Außenputz kommen Witterungsvorgaben hinzu. Verarbeitet wird in der Regel nur bei Temperaturen zwischen etwa 5 und 30 Grad. Frischer Putz darf weder Frost noch starkem Regen oder praller Sonne ausgesetzt sein. Gerüst und Planen schützen die Fläche in den ersten Tagen.

Putz erkennen und beurteilen

Bei Altbauten stellt sich oft die Frage, welcher Putz an der Wand sitzt und ob er noch trägt. Hinweise geben Klopfprobe und Sichtprüfung. Klingt der Putz beim Abklopfen hohl, hat er sich vom Untergrund gelöst. Netzrisse deuten auf Spannungen oder Schwindung, Risse entlang von Materialübergängen auf fehlende Armierung. Weiße, kristalline Ausblühungen sind Salze und weisen auf Feuchteprobleme hin. Weitere Hinweise zur Ursache finden sich unter aufsteigende Feuchtigkeit.

Ob ein Putz Kalk, Zement oder Gips enthält, lässt sich vor Ort grob unterscheiden. Gipsputz ist weich und lässt sich mit einem Nagel ritzen, Zementputz ist hart und grau, Kalkputz eher hell und mäßig hart. Eine sichere Bestimmung liefert nur eine Laboranalyse. In Gebäuden aus der Zeit vor den 1990er-Jahren können Putze, Spachtel und Kleber Schadstoffe wie Asbest enthalten. Bei Verdacht sollte vor Schleif- und Abbrucharbeiten ein Fachbetrieb prüfen.

Putz im Altbau

Alte Gebäude haben oft Kalkputze auf Ziegel oder Naturstein. Diese Putze sind diffusionsoffen und weich. Wird darauf ein dichter Zement- oder Kunstharzputz aufgetragen, kann Feuchtigkeit nicht mehr entweichen, und Schäden entstehen am Mauerwerk statt am Putz. Für Altbauten sind deshalb Kalkputze oder spezielle Sanierputze sinnvoll.

Sanierputz wird bei feuchtem und salzbelastetem Mauerwerk eingesetzt. Er hat große Poren, in denen sich Salze ablagern, ohne dass die Oberfläche geschädigt wird. Er ersetzt keine Abdichtung. Die Ursache der Feuchte, etwa eine fehlende Horizontalsperre oder ein undichter Sockel, muss separat behoben werden. Für Messung und Planung empfiehlt sich ein Bausachverständiger, siehe Bausachverständiger.

Kosten

Die Preise hängen stark von Region, Auftragsmenge, Gerüst, Untergrund und Putzart ab. Als grobe Richtwerte für einen Innenputz mit Material und Arbeit werden häufig etwa 15 bis 35 Euro pro Quadratmeter genannt. Außenputz mit Unter- und Oberputz liegt meist höher, grob bei 30 bis 70 Euro pro Quadratmeter, bei Gerüst und Armierung entsprechend mehr. Wer selbst verputzt, spart die Lohnkosten, braucht aber Werkzeug, Übung und Zeit. Bei Außenfassaden sind Gerüstkosten und Arbeitssicherheit ein eigener Posten. Konkrete Preise liefern nur Angebote vor Ort, am besten von mehreren Betrieben mit aufgeschlüsselter Leistungsbeschreibung.

Typische Fehler

  • Ungeeigneter oder nicht vorbereiteter Untergrund: Staub, Trennmittel oder ungleich saugende Flächen verhindern die Haftung.
  • Zu harter Putz auf weichem Untergrund: Der Putz reißt oder hohlt sich ab.
  • Zu dichter Putz auf feuchtem Altbaumauerwerk: Die Feuchte staut sich.
  • Falsches Mischungsverhältnis oder zu viel Wasser: Die Festigkeit sinkt, es bilden sich Schwindrisse.
  • Zu schnelle Trocknung durch Sonne, Wind oder Heizgebläse.
  • Fehlende Armierung an Fensterecken, Materialwechseln und Rollladenkästen.
  • Zu frühes Überstreichen oder Tapezieren auf noch feuchtem Putz.
  • Verarbeitung bei Frost oder direkt danach.

Normen und Vorschriften

Die Produktnorm DIN EN 998-1 legt Anforderungen an werkmäßig hergestellte Putzmörtel und deren CE-Kennzeichnung fest. Sie regelt unter anderem Druckfestigkeit, Wasseraufnahme und Wasserdampfdurchlässigkeit. Planung und Ausführung von Putzarbeiten beschreibt die DIN EN 13914, getrennt für Außen- (Teil 1) und Innenputz (Teil 2). Ergänzend gelten in Deutschland die Regeln der Reihe DIN 18550. Gipsputze richten sich nach DIN EN 13279. Für Putze auf Dämmplatten gelten zusätzlich die Zulassungen und Vorgaben des jeweiligen Dämmsystems.

Putzarbeiten gehören im Regelfall zu den Leistungen nach VOB/C (ATV DIN 18350). Bei Werkverträgen gelten die vereinbarten Regeln der Technik. Fassadenarbeiten können genehmigungspflichtig sein, wenn sich das Erscheinungsbild eines Denkmals oder Ensembles ändert. Im Zweifel hilft die Bauaufsicht, siehe Baugenehmigung.

Förderung und Energieeffizienz

Ein reiner Putz ohne Dämmung wird in der Regel nicht gefördert. Wird die Fassade im Zuge einer Dämmung neu verputzt, kann das Putzsystem Teil einer förderfähigen Maßnahme an der Gebäudehülle sein. Nach der BEG-Reform vom Juli 2026 liegt die Grundförderung für Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle bei 15 Prozent. Der iSFP-Bonus von 5 Prozent gilt nur noch für den Kostenanteil über 30.000 Euro. Die technischen Anforderungen, etwa der U-Wert der Außenwand von 0,24 W/(m²·K), und die aktuellen Konditionen sollten vor Antragstellung geprüft werden. Wichtig: Der Antrag wird in der Regel vor Auftragsvergabe gestellt.

Häufige Fragen zu Putz

Wie dick muss Putz sein?

Innenputz liegt meist bei etwa 10 bis 15 Millimetern, Außenputz bei etwa 15 bis 25 Millimetern in zwei Lagen. Genaue Mindestdicken legen Norm und Hersteller fest. Zu dünne Schichten reißen und halten nicht, zu dicke Schichten brauchen mehrere Arbeitsgänge.

Wie lange muss Putz trocknen, bevor man streichen darf?

Das hängt von Putzart, Dicke und Raumklima ab. Als grobe Faustregel gilt etwa ein Tag je Millimeter Schichtdicke, bei Kalk- und Zementputz oft mehrere Wochen bis zur vollständigen Durchtrocknung. Das Datenblatt des Herstellers nennt die verbindliche Wartezeit.

Was ist der Unterschied zwischen Putz und Spachtelmasse?

Putz gleicht den Rohbau aus und wird in Schichten von einigen Millimetern bis zu etwa zwei Zentimetern aufgetragen. Spachtelmasse wird dünn aufgetragen und glättet einen schon ebenen Untergrund. Sie ersetzt keinen Putz.

Welcher Putz eignet sich für Bad und Küche?

Für spritzwasserbelastete Bereiche sind Kalk-Zement-Putz oder Zementputz mit geeigneter Abdichtung die übliche Wahl. Gipsputz ist in feuchten Bereichen nur mit entsprechendem Schutz geeignet. Unter Fliesen sollte der Untergrund fest und eben sein.

Darf man Altputz überputzen?

Das geht, wenn der Altputz fest, sauber und tragfähig ist. Hohlstellen werden entfernt, glatte oder stark saugende Flächen vorbehandelt. Bei salz- oder feuchtebelastetem Altputz ist ein Sanierputzsystem nötig, und die Ursache der Feuchte muss geklärt sein.

Wann lohnt sich ein Fachbetrieb?

Bei Außenfassaden, großen Flächen, Maschinenputz, Sanierputz und Feuchteschäden ist ein Fachbetrieb sinnvoll. Kleine Innenflächen und Ausbesserungen lassen sich mit Übung selbst erledigen.

Verwandte Begriffe

Oberputz, Spachtelmasse, Grundierung, Wärmedämmverbundsystem (WDVS), Aufsteigende Feuchtigkeit

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

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