Ein Flachdach ist ein Dach mit sehr geringer Neigung, in der Regel bis etwa 10 Grad. Es wird mit einer geschlossenen Abdichtung gegen Regenwasser geschützt und über Abläufe oder Rinnen entwässert. Es lässt sich als Terrasse, Gründach oder Solardach nutzen und braucht regelmäßige Wartung.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Flachdach besteht aus Tragkonstruktion, Dämmung und einer dauerhaft dichten Abdichtung. Das Wasser muss geregelt abfließen.
- Als Regel gilt ein Gefälle von mindestens 2 Prozent. Die Fachregeln des Dachdeckerhandwerks (Flachdachrichtlinie) und die DIN 18531 beschreiben den Stand der Technik.
- Das Warmdach ist heute die übliche Bauweise. Das belüftete Kaltdach ist fehleranfällig und wird seltener gebaut.
- Regelmäßige Kontrolle von Abläufen, Anschlüssen und Abdichtung verlängert die Lebensdauer deutlich.
Was ist ein Flachdach?
Flachdächer findet man auf Garagen, Anbauten, Bungalows, Gewerbebauten und modernen Wohnhäusern. Die geringe Neigung spart Höhe und schafft nutzbare Fläche. Der Preis dafür: Wasser läuft langsam ab und bleibt bei Fehlern stehen. Deshalb ist die Abdichtung die wichtigste Schicht. Sie muss an Rändern, Durchdringungen und Türschwellen sauber ausgeführt sein. Dabei gilt: Ein Flachdach ist nicht grundsätzlich schadensanfälliger als ein geneigtes Dach, aber Planungs- und Ausführungsfehler wirken sich schneller aus.
Aufbau und Funktion
Der Aufbau hängt von der Bauweise ab. Beim Warmdach liegen alle Schichten übereinander, die Dämmung sitzt direkt unter der Abdichtung. Beim Umkehrdach liegt die Dämmung über der Abdichtung. Beim Kaltdach gibt es zwei Ebenen mit einem belüfteten Hohlraum dazwischen.
Die Dampfsperre verhindert, dass Wasserdampf aus dem Raum in die Dämmung wandert und dort als Tauwasser ausfällt. Bei Holzkonstruktionen ist das besonders wichtig. Die Abdichtung besteht aus Bitumenbahnen, Kunststoffbahnen oder Flüssigkunststoff. Eine Auflast aus Kies, Platten oder Begrünung schützt sie vor Sonne, Wind und Beschädigung.
Gefälle und Entwässerung
Das Gefälle sorgt dafür, dass Regenwasser abläuft. Nach der Flachdachrichtlinie und DIN 18531 gilt ein Mindestgefälle von 2 Prozent, also 2 cm pro Meter. Ausnahmen, zum Beispiel bei Bestandsgebäuden oder bei Intensivbegrünung, sind nur mit besonderen Maßnahmen zulässig. Das Gefälle kann durch die Tragkonstruktion oder durch Gefälledämmung (keilförmige Dämmplatten) entstehen.
Entwässert wird über Dachabläufe, Rinnen oder Speier. Zusätzlich ist in vielen Fällen ein Notüberlauf nötig. Er springt an, wenn ein Ablauf verstopft und Wasser sich staut. Auslegung und Anordnung folgen der Entwässerungsnorm für Gebäude (DIN 1986-100 und DIN EN 12056-3). Die Dachflächen müssen so geplant sein, dass die Tragkonstruktion die Last bei Stau aufnehmen kann.
Arten von Flachdächern
| Bauweise | Merkmal | Eigenschaft |
|---|---|---|
| Warmdach | Dämmung unter der Abdichtung, keine Belüftung | Üblich, einfacher Aufbau, Dampfsperre wichtig |
| Umkehrdach | Dämmung über der Abdichtung | Abdichtung gut geschützt, Auflast nötig |
| Kaltdach | Belüfteter Hohlraum zwischen Dach und Dämmung | Fehleranfällig bei Lüftung und Feuchte, selten |
| Gründach | Begrünung auf der Abdichtung | Rückhalt von Regenwasser, mehr Last |
| Nutzdach, Dachterrasse | Belag oder Platten auf der Abdichtung | Begehbar, höhere Anforderungen an Details |
Abdichtung
Die Abdichtung ist das Herzstück. Bitumenbahnen sind erprobt und werden mehrlagig verschweißt oder verklebt. Kunststoffbahnen, zum Beispiel aus Weich-PVC, Polyolefinen oder EPDM, werden einlagig verlegt und an den Nähten verschweißt oder verklebt. Flüssigkunststoff kommt bei komplizierten Formen und Detailanschlüssen zum Einsatz. Wichtig sind hochgezogene Anschlüsse an Wänden und Türen. Sie sollen laut Fachregeln in der Regel mindestens 15 cm über die Oberfläche der Auflast reichen. Bei bodentiefen Türen gelten besondere Regeln. Die Ausführung gehört in die Hand eines Fachbetriebs.
Wartung und Kontrolle
Die Instandhaltung von Dachabdichtungen beschreibt DIN 18531 Teil 4. Als Orientierung gilt: Das Dach sollte mindestens einmal im Jahr und nach Unwettern kontrolliert werden, sinnvoll ist eine Sichtung im Frühjahr und im Herbst.
- Abläufe und Rinnen von Laub, Moos und Schmutz befreien.
- Abdichtung auf Risse, Blasen, offene Nähte und Beschädigungen prüfen.
- Anschlüsse an Wände, Lichtkuppeln und Durchdringungen kontrollieren.
- Bewuchs durch Samenflug entfernen, da Wurzeln Abdichtungen durchdringen können.
- Stehendes Wasser dokumentieren und die Ursache klären lassen.
Wichtig für die Sicherheit: Beim Betreten des Dachs besteht Absturzgefahr. Das Dach darf nur mit Sicherung begangen werden. Wer unsicher ist, beauftragt einen Dachdecker.
Schritt für Schritt: Flachdach sanieren
- Zustand prüfen lassen: Feuchtemessung, Probeöffnung, Prüfung der Dämmung.
- Ziel klären: nur Abdichtung erneuern oder auch dämmen, begrünen, Photovoltaik montieren.
- Statik prüfen, wenn Auflast, Gründach oder Solaranlage vorgesehen sind.
- Alte Schichten bewerten. Teils lässt sich auf der alten Abdichtung aufbauen, nasse Dämmung muss entfernt werden.
- Gefälle herstellen, Dämmung und neue Abdichtung einbauen.
- Abläufe, Notüberläufe und Anschlüsse erneuern.
- Abnahme, gegebenenfalls Dichtheitsprüfung, und Wartungsplan festlegen.
Bei Altbauten können Dachbahnen, Klebstoffe oder Anstriche Schadstoffe enthalten, zum Beispiel Teer oder in älteren Materialien Asbest. Bei Verdacht ist vor Arbeiten ein Fachbetrieb zu beauftragen.
Kosten
Die Kosten hängen von Aufbau, Dämmung, Dachgröße, Zugänglichkeit und Region ab. Als grober Richtwert kostet eine neue Abdichtung häufig etwa 50 bis 150 Euro pro Quadratmeter, eine Sanierung mit Dämmung und Gefälle meist mehr. Gründach, Dachterrasse oder Solaranlage erhöhen den Aufwand. Preise schwanken regional und mit Marktlage, mehrere Angebote und eine genaue Leistungsbeschreibung sind ratsam. Die Lebensdauer einer Abdichtung liegt je nach Material und Pflege oft bei 20 bis 40 Jahren, sie ist aber ein Richtwert.
Typische Fehler
- Gefälle zu gering oder gar nicht vorhanden, sodass Wasser steht.
- Abläufe zu klein oder ohne Notüberlauf.
- Anschlusshöhen an Türen und Wänden zu niedrig.
- Dampfsperre fehlt oder ist beschädigt, Tauwasser durchfeuchtet die Dämmung.
- Abdichtung durch Arbeiten wie Solarmontage beschädigt.
- Keine regelmäßige Wartung, Abläufe verstopfen.
- Mischung unverträglicher Materialien, etwa Bitumen und manche Kunststoffbahnen.
Normen, Vorschriften und Energie
Maßgeblich sind die DIN 18531 (Abdichtung von Dächern) und die Fachregel des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks, die Flachdachrichtlinie. Sie wurde zuletzt überarbeitet und auf die aktuelle Norm abgestimmt. Beim Wärmeschutz greifen die Vorgaben des Gebäudeenergierechts. Bei einer Erneuerung oder Dämmung des Dachs müssen Bauteile die Mindestanforderungen an den U-Wert erfüllen. Für Flachdächer nennt das Gesetz in seiner bisherigen Fassung 0,20 W/(m²·K). Welche Fassung und welche Ausnahmen gelten, ist vor der Planung zu prüfen. Förderung für Dämmung gibt es über die BEG, die aktuellen Konditionen sollten geprüft werden. Dachbegrünung und Dachflächen für Solaranlagen werden in Gemeinden teils vorgeschrieben.
Häufige Fragen zu Flachdach
Welches Gefälle braucht ein Flachdach?
Nach Flachdachrichtlinie und DIN 18531 gilt ein Mindestgefälle von 2 Prozent. Ausnahmen sind in begründeten Fällen möglich, wenn eine gleichwertige Lösung geplant ist. Ein Dach ohne Gefälle ist ein erhöhtes Schadensrisiko.
Was ist der Unterschied zwischen Warmdach und Kaltdach?
Beim Warmdach liegt die Dämmung direkt unter der Abdichtung, es gibt keinen belüfteten Hohlraum. Beim Kaltdach sorgt ein Luftraum zwischen Dach und Dämmung für Belüftung. Das Warmdach ist heute verbreiteter.
Wie lange hält ein Flachdach?
Die Lebensdauer der Abdichtung hängt von Material, Ausführung, Sonneneinstrahlung und Pflege ab. Als Richtwert werden oft 20 bis 40 Jahre genannt. Regelmäßige Wartung kann sie verlängern.
Wie oft muss ein Flachdach gewartet werden?
Empfohlen wird mindestens eine Kontrolle pro Jahr sowie nach Unwettern. Dabei werden Abläufe gereinigt und Abdichtung und Anschlüsse geprüft. Eine Sicherung gegen Absturz ist dabei unerlässlich.
Kann ich ein Flachdach selbst abdichten?
Kleine Reparaturen wie das Reinigen der Abläufe sind für Eigentümer machbar. Die Abdichtung selbst gehört wegen Absturzgefahr, Brandgefahr beim Schweißen und Gewährleistung in die Hand eines Fachbetriebs.
Ist ein Flachdach genehmigungspflichtig?
Das Dach als Teil des Gebäudes ist Bestandteil der Baugenehmigung. Bei bestehenden Häusern ist eine Sanierung meist ohne eigene Genehmigung möglich, Aufbauten oder Nutzungsänderungen können aber Auflagen auslösen. Das Bauamt klärt es im Einzelfall.
Verwandte Begriffe
Dachdämmung, Satteldach, Dampfsperre, U-Wert, Oberflächenwasser








