Sturz ist der waagerechte Träger über einer Wandöffnung für Fenster, Tür oder Durchgang. Er fängt die Lasten aus Mauerwerk, Decken und Dach über der Öffnung auf und leitet sie über die seitlichen Auflager in die danebenliegenden Wandteile ab. Stürze bestehen aus Stahlbeton, Ziegel, Stahl oder Holz und sind meist vorgefertigt.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Sturz überbrückt die Öffnung und trägt die darüberliegende Last auf zwei Auflager rechts und links ab.
- Üblich sind Fertigstürze aus Stahlbeton oder Ziegel, im Wanddurchbruch auch Stahlträger. Als Richtwert gelten etwa 25 cm Auflager je Seite, verbindlich ist die Statik.
- Bei tragenden Wänden ist für Durchbrüche ein Tragwerksplaner nötig, dazu oft eine Genehmigung.
- Am Rollladenkasten entsteht schnell eine Wärmebrücke, die sich durch Dämmung und passende Sturzsysteme begrenzen lässt.
Definition und Abgrenzung
Der Sturz (Fenstersturz, Türsturz) ist ein Biegeträger. Er liegt am Ende beider Seiten auf dem Mauerwerk auf und überträgt Lasten per Biegung und Querkraft. Wichtig sind drei Begriffe. Die lichte Weite ist das Maß der Öffnung zwischen den Wandteilen. Das Auflager ist die Strecke, auf der der Sturz auf dem Mauerwerk aufliegt. Die Auflagerpressung ist die Druckspannung, die dort ins Mauerwerk eingeleitet wird.
Vom Sturz abzugrenzen ist der Überlagerungsbogen, eine historische Lösung aus gemauertem Bogen. Er trägt die Last durch reine Druckkräfte. Ebenfalls anders ist der Unterzug, der Deckenlasten trägt und meist unter einer Decke liegt. Ein Sturz liegt dagegen in der Wand. Der Sturz zählt zu den Bauteilen der tragenden Wand, sobald darüber Lasten wirken. Über nichttragenden Trennwänden genügt oft ein kleiner Sturz oder ein Fertigteil ohne große Last.
Aufbau und Wirkprinzip
Über einer Öffnung bildet sich im Mauerwerk eine Lastabtragung, die sich vereinfacht als Dreieck beschreiben lässt. Statisch wird häufig ein sogenanntes Lastdreieck angenommen: Nur das Mauerwerk innerhalb eines gleichschenkligen Dreiecks mit etwa 45 Grad über der Öffnung wird dem Sturz als Last zugeordnet. Die Wandteile darüber tragen sich durch Gewölbewirkung selbst ab. Treten Einzellasten oder Deckenlasten innerhalb des Dreiecks auf, werden sie zusätzlich angesetzt. Das Verfahren ist eine Näherung. Die genaue Last bestimmt der Tragwerksplaner.
Der Sturz erfährt Biegung. An der Unterseite entsteht Zug, an der Oberseite Druck. Deshalb liegt die Zugbewehrung bei Stahlbetonstürzen unten. Die Querkraft am Auflager wird über Bügel oder Schubbewehrung aufgenommen. Am Auflager muss das Mauerwerk die Last aufnehmen. Ist das Auflager zu kurz oder das Mauerwerk zu weich, drohen Abplatzungen und Risse.
Arten und Varianten
| Art | Material und Aufbau | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Fertigsturz aus Stahlbeton | Vorgefertigter Balken mit Bewehrung | Fenster und Türen im Massivbau |
| Flachsturz aus Ziegel | Ziegelschalen mit Bewehrung und Verguss | Ziegelwände, passende Wandstärke |
| Ortbetonsturz in U-Schale | U-Schale, Bewehrung, Beton vor Ort | Große Spannweiten, Sonderformen |
| Rollladenkastensturz | Sturz mit integriertem Kasten und Dämmung | Fenster mit Rollladen im Neubau |
| Stahlträger | Walzprofil, oft als Doppelträger beidseitig | Wanddurchbruch im Bestand |
| Holzsturz | Balken oder Bohle | Fachwerk, leichte Wände, Altbau |
| Gemauerter Bogen oder Segmentbogen | Mauerwerk unter Druck | Denkmal und Altbau |
Fertigstürze besitzen in der Regel eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder sind nach einer Produktnorm hergestellt. Vorgefertigte Stürze sind für bestimmte Lasten und Spannweiten gekennzeichnet. Die zulässige Last steht im Datenblatt des Herstellers und darf nicht ohne Nachweis überschritten werden.
Kennwerte, Bemessung und Normen
Die Bemessung von Stürzen in Stahlbeton richtet sich nach DIN EN 1992-1-1 (Eurocode 2). Die Einwirkungen kommen aus DIN EN 1991 (Eurocode 1). Mauerwerk wird nach DIN EN 1996-1-1 (Eurocode 6) nachgewiesen. Dort sind auch Hinweise zu Wandabschnitten über Öffnungen zu finden.
Als Richtwert für das Auflager gilt eine Länge von etwa 25 cm je Seite. Für kleine, leichte Stürze sind auch geringere Auflager möglich, wenn das System zugelassen ist. Das Auflager muss mindestens so lang sein, dass die Pressung das Mauerwerk nicht überlastet. Bei hochfesten Steinen genügt weniger, bei Porenbeton oder Leichtziegel kann mehr nötig sein. Das genaue Maß bestimmt die Statik. Die Gesamtlänge des Sturzes ergibt sich aus lichter Weite plus beidseitigem Auflager. Bei einer Öffnung von 1,00 m und 25 cm Auflager je Seite ergibt sich 1,50 m.
Zusätzliche Anforderungen betreffen den Brandschutz und den Wärmeschutz. Stahlträger müssen je nach Gebäudeklasse und Bauteilfunktion gegen Feuer bekleidet werden. Bei Außenwänden muss der Sturz in den Dämmverlauf einbezogen werden, damit keine ungedämmte Wärmebrücke entsteht. Beton leitet Wärme deutlich besser als Dämmziegel, weshalb der Sturz im Außenbereich gedämmt werden sollte.
Wichtig sind auch Durchbiegung und Rissbreite. Eine zu große Durchbiegung kann Fenster, Türzargen oder Putz belasten. Die zulässige Durchbiegung richtet sich nach Bauteil und Nutzung, wird von der Statik nachgewiesen und kann bei Fensteranschlüssen mit steifen Verglasungen besonders streng sein.
Anwendung in Neubau und Bestand
Neubau
Im Neubau sind Stürze fester Bestandteil der Rohbauplanung. Die Sturzhöhe bestimmt die Oberkante der Öffnung. Bei Fenstern ist sie oft einheitlich, sodass ein umlaufendes Band entsteht. Das erleichtert den Einbau und bringt gleichmäßige Lastverteilung. Bei bodentiefen Elementen und Türen wird die Öffnung nach dem Türmaß geplant. Dabei sind Zarge und Türblatt zu berücksichtigen. Ein Fertigsturz wird im Mörtelbett auf beiden Seiten aufgelegt und danach mit dem Mauerwerk überbaut.
Wanddurchbruch im Bestand
Der Wanddurchbruch ist die heikelste Anwendung. Wird in einer tragenden Wand eine Öffnung geschaffen, muss die Last über der Öffnung vor dem Abbruch gesichert werden. Dazu dienen Abfangungen, zum Beispiel Stützen oder Spieße mit Hilfsträgern. Anschließend wird der Sturz oder Stahlträger eingebaut und nach Aushärten des Mörtels und der Unterfütterung die Abstützung entfernt. Das Auflager wird in der Regel mit hochfestem Mörtel oder Unterguss hergestellt, damit die Last flächig übertragen wird. Wer ein Haus mit Satteldach und Kniestock besitzt, sollte den Lastverlauf von Dach und Decken besonders sorgfältig prüfen lassen.
Ein statischer Nachweis ist in tragenden Wänden unverzichtbar. Er legt Profil, Länge, Auflagerpressung und Abstützung fest. Je nach Land und Eingriff kann zusätzlich eine Baugenehmigung oder eine Anzeige nötig sein. Mehrfamilienhäuser und Eigentumswohnungen erfordern zudem die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft, weil tragende Wände Gemeinschaftseigentum sind. Ein Bausachverständiger kann den Bestand klären.
Rollladenkasten
Der Rollladenkasten ist ein typischer Schwachpunkt. Ältere Kästen sitzen im Sturzbereich und sind schlecht gedämmt. Das führt zu Zugluft, kalten Innenflächen und manchmal zu Schimmel. Moderne Systeme verwenden gedämmte Kästen oder Vorbaurollläden, die außen auf die Fassade gesetzt werden und den Sturz nicht schwächen. Der Austausch im Altbau ist mit dem Fensterwechsel zu planen. Die luftdichte Anbindung ist dabei wichtig.
Kosten
Preise schwanken regional und je nach Material. Ein einfacher Fertigsturz kostet je nach Länge und Ausführung grob einige Dutzend bis wenige Hundert Euro. Hinzu kommen Einbau und Mörtel. Ein Wanddurchbruch in einer tragenden Wand mit Stahlträger, Abfangung, Statik und Putzarbeiten liegt grob im Bereich von mehreren Tausend Euro. Das sind Richtwerte. Aktuelle Angebote von Fachbetrieben sind einzuholen.
Typische Fehler und Schäden
- Das Auflager ist zu kurz oder liegt auf Hohlräumen, sodass das Mauerwerk überlastet wird.
- Der Sturz wird ohne Statik eingebaut oder dimensioniert, besonders bei Wanddurchbrüchen.
- Fehlende oder falsche Abfangung beim Durchbruch führt zu Rissen oder Einsturzgefahr.
- Das Mauerwerk über dem Sturz wird zu früh belastet, bevor der Mörtel ausgehärtet ist.
- Ungedämmte Betonstürze bilden Wärmebrücken, mit Tauwasser und Schimmel an den Innenseiten.
- Unterschiedliche Verformungen zwischen Sturz und Wand führen zu Putzrissen an den Öffnungsecken.
- Falsche Lage der Bewehrung im Ortbetonsturz, etwa oben statt unten, mindert die Tragfähigkeit.
Prüfung und Wartung
Stürze sind wartungsfrei, solange sie trocken und intakt bleiben. Kontrolliert werden Risse in den Ecken der Öffnungen, Verformungen über den Fenstern und Rostfahnen an Stahlträgern. Diagonale Risse an den Auflagern oder deutliche Durchbiegung sind Warnzeichen. Dann sollte ein Tragwerksplaner den Zustand prüfen. Stahlträger im Feuchtebereich brauchen Korrosionsschutz.
Recht und Förderung
Eingriffe in tragende Bauteile sind in den Landesbauordnungen geregelt. Verfahrensfreiheit gilt nur eingeschränkt und unterscheidet sich je nach Bundesland. Förderungen gibt es nicht für den Sturz als solchen. Wird er im Zuge einer energetischen Fenstersanierung erneuert, können Kosten der Gebäudehülle Teil einer Förderung sein. Aktuelle Konditionen der BEG sind zu prüfen.
Häufige Fragen zu Sturz
Wie lang muss das Auflager eines Sturzes sein?
Als Richtwert gelten etwa 25 cm je Seite. Bei kleinen, zugelassenen Systemen sind kürzere Auflager möglich. Das verbindliche Maß legt die Statik oder die Zulassung des Herstellers fest.
Brauche ich für einen Wanddurchbruch einen Statiker?
In tragenden Wänden ja. Der Tragwerksplaner bestimmt Profil, Auflager und Abstützung. In nichttragenden Trennwänden ist der Eingriff einfacher, sollte aber dennoch geklärt werden.
Was ist ein Fertigsturz?
Ein Fertigsturz ist ein werkseitig hergestellter Balken aus Stahlbeton, Ziegel oder Verbundbauweise. Er wird auf die Wand gelegt und spart Schalungs- und Bewehrungsarbeit auf der Baustelle.
Kann ein Sturz eine Wärmebrücke sein?
Ja, vor allem ungedämmte Betonstürze und Rollladenkästen. Gedämmte Stürze und Vorbaurollläden begrenzen den Effekt. Entscheidend ist die lückenlose Dämmung im Anschlussbereich.
Wann ist ein Stahlträger statt eines Betonsturzes sinnvoll?
Stahlträger sind schlank und bei großen Spannweiten oder im Bestand praktisch, weil sie sich ohne Schalung einbauen lassen. Sie benötigen Brand- und Korrosionsschutz sowie eine sorgfältige Auflagerausbildung.
Woran erkenne ich einen überlasteten Sturz?
Hinweise sind Risse an den Öffnungsecken, sichtbare Durchbiegung und Absenkung oder Abplatzungen am Auflager. Bei solchen Anzeichen sollte ein Fachmann den Bereich prüfen.
Verwandte Begriffe
Ringanker, Tragende Wand, Zarge, Wärmebrücke, Baugenehmigung









