Fenster mit Glasscheiben und Blick auf kahle Bäume

Floatglas

Floatglas ist ein klares, ebenes Flachglas aus Kalk-Natron-Silikatglas. Es entsteht im Floatverfahren, bei dem flüssiges Glas auf einem Bad aus geschmolzenem Zinn zu einem endlosen Band ausfließt. Floatglas ist das Basisglas für Fenster, Spiegel, Isolierglas und Sicherheitsglas.

Das Wichtigste in Kürze

  • Floatglas ist das Standardglas der Baubranche. Es ist verzerrungsfrei, planparallel und bis etwa 90 Prozent lichtdurchlässig.
  • Als reines Floatglas ist es spröde und bricht in große, scharfe Scherben. Für sicherheitsrelevante Bereiche wird es zu ESG oder VSG veredelt.
  • Floatglas kann man ritzen und brechen, ESG und Isolierglas dagegen nicht nachträglich schneiden.
  • Glas braucht eine elastische Lagerung und darf nie hart aufliegen.

Was ist Floatglas?

Der Name stammt vom englischen Wort für schwimmen. Das Verfahren wurde in den 1950er-Jahren von dem britischen Unternehmen Pilkington entwickelt (Patent 1953) und ersetzte das aufwendige Ziehen, Walzen und Polieren von Flachglas. Nach DIN EN 572 ist Floatglas ein Kalk-Natron-Silikatglas mit planparallelen, feuerpolierten Oberflächen.

Herstellung im Floatverfahren

Ablauf des FloatverfahrensVier Schritte: Schmelzofen mit etwa 1.100 Grad Celsius, Zinnbad, Kühlkanal und Zuschnitt. Floatverfahren in vier Schritten Schmelzofen ca. 1.100 °C Glas schmilzt Zinnbad Glas schwimmt auf flüssigem Zinn Kühlkanal ab ca. 600 °C kontrolliert kühlen Zuschnitt Glasband wird auf Maß geteilt Eine Schutzgasatmosphäre im Zinnbad verhindert die Oxidation des Zinns.
Das Glas fließt auf das Zinnbad, breitet sich eben aus, kühlt kontrolliert ab und wird zugeschnitten.

Das Gemenge aus Quarzsand, Soda, Kalk und weiteren Zusätzen wird bei rund 1.100 Grad Celsius geschmolzen. Die Schmelze fließt auf ein Bad aus flüssigem Zinn. Weil Glas leichter ist als Zinn, schwimmt es darauf und bildet durch Schwerkraft und Oberflächenspannung eine glatte, ebene Fläche. Die Dicke wird über die Zuggeschwindigkeit des Bandes eingestellt. Anschließend läuft das Band in einen Kühlkanal, in dem es kontrolliert und spannungsarm abkühlt. Danach wird es geschnitten. Eine Seite hat Kontakt zum Zinn (Zinnseite), die andere nicht (Luftseite). Das ist für Beschichtungen und Verklebungen wichtig.

Eigenschaften

  • Optik: Verzerrungsfrei und glatt. Die Lichttransmission liegt bei klarem 4-Millimeter-Glas bei rund 90 Prozent. Wegen Eisenoxid in den Rohstoffen wirkt die Kante bei dicken Scheiben grünlich.
  • Dicke: Üblich sind 2 bis 19 Millimeter, erhältlich bis etwa 25 Millimeter. Für Fenster sind 4 bis 6 Millimeter je Scheibe gängig.
  • Brandverhalten: Nicht brennbar (A1). Im Brandfall springt normales Floatglas aber früh durch Temperaturunterschiede.
  • Festigkeit: Hohe Druckfestigkeit, geringe Zugfestigkeit (siehe Zugfestigkeit). Auf Zug und Biegung reagiert Glas empfindlich. Oberflächenkratzer und Kantenfehler sind Ausgangspunkte für Brüche.
  • Temperaturwechsel: Als Richtwert hält normales Floatglas nur Temperaturunterschiede von etwa 40 Kelvin innerhalb der Scheibe aus. Teilweise beschattete, heiße Scheiben können deshalb springen.

Weiterverarbeitung zu anderen Glasarten

Glasart Entstehung Merkmal und Einsatz
ESG (Einscheibensicherheitsglas) Floatglas wird erhitzt und abgeschreckt Hohe Festigkeit, zerfällt in kleine Krümel, nachträglich nicht bearbeitbar
TVG (teilvorgespanntes Glas) Langsam abgekühlt Höhere Festigkeit als Floatglas, größere Bruchstücke
VSG (Verbundsicherheitsglas) Zwei oder mehr Scheiben mit Folie verbunden Bruchstücke bleiben haften, Überkopf und Absturzsicherung
Isolierglas Zwei oder drei Scheiben mit Randverbund und Gasfüllung Wärmeschutz in Fenstern (siehe U-Wert)
Beschichtetes Glas Dünne Metalloxidschichten Wärmeschutz, Sonnenschutz
Extraweißglas Eisenarme Schmelze Besonders farbneutral, z. B. für Möbel, Küchenrückwände
Getöntes, satiniertes, bedrucktes Glas Gefärbte Schmelze, Ätzung, Druck Sonnenschutz, Sichtschutz, Dekoration

Anwendung in Bau und Renovierung

Floatglas steckt in praktisch jedem Fenster, als Scheibe in Isolierglas oder als Einfachverglasung in Gartenhaus, Garage oder Innentür. Weitere Anwendungen sind Spiegel, Bilderrahmen, Möbel, Vitrinen und Duschkabinen. Für viele Anwendungen im Gebäude wird heute jedoch Sicherheitsglas gefordert oder empfohlen, etwa bei Überkopfverglasungen, Brüstungen, bodentiefen Fenstern und Duschwänden. Regeln dazu enthalten die Landesbauordnungen und technische Regeln wie TRLV (linienförmig gelagerte Verglasungen) und TRAV (absturzsichernde Verglasungen). Im Zweifel entscheidet ein Glaser oder Planer.

Praxis-Tipps und typische Fehler

  • Schneiden: Glas wird mit einem Glasschneider angeritzt und über eine Kante gebrochen. Die Schnittkanten sollten angeschliffen oder gebrochen werden, weil sie scharf sind. Handschuhe und Schutzbrille tragen.
  • Glasart prüfen: ESG und VSG sowie Isolierglas lassen sich nicht selbst zuschneiden. Sie werden fertig auf Maß bestellt.
  • Einbau: Scheiben liegen auf Klötzen und elastischen Dichtungen oder Dichtstoffen (siehe Silikon-Dichtstoff). Direkter Kontakt mit Metall, Stein oder Beton führt zu Spannungsbrüchen.
  • Transport und Lagerung: Hochkant auf Gummiunterlagen, abgedeckt gegen Feuchte. Zwischen gelagerten Scheiben können Feuchte und Stockflecken entstehen.
  • Reinigung: Mit Wasser und mildem Reiniger. Hartnäckige Flecken und Kalk lassen sich oft entfernen, siehe Grauschleier.
  • Entsorgung: Fensterglas und Spiegelglas gehören wegen anderer Zusammensetzung nicht in den Altglascontainer, sondern zu Wertstoffhöfen oder Glasereien.

Normen

DIN EN 572 legt Grundprodukte aus Kalk-Natronsilikatglas fest. Für Glas im Bauwesen gelten außerdem die Landesbauordnungen und die genannten technischen Regeln. Sicherheitsgläser und Isolierglas haben eigene Produktnormen.

Häufige Fragen zu Floatglas

Woher hat Floatglas seinen Namen?

Das Glas schwimmt (englisch to float) während der Herstellung auf einem Bad aus flüssigem Zinn. Dadurch wird es besonders eben und verzerrungsfrei.

Ist Floatglas dasselbe wie Fensterglas?

Fensterscheiben bestehen heute fast immer aus Floatglas, das zu Isolierglas verarbeitet wird. Floatglas ist der Ausgangsstoff, Fensterglas die Anwendung.

Ist Floatglas bruchsicher?

Nein. Es ist spröde und bricht in große, scharfe Splitter. Für Türen, Duschen, Brüstungen und Überkopfverglasung wird ESG oder VSG verwendet, das sicherer bricht oder die Bruchstücke hält.

Kann ich Floatglas selbst zuschneiden?

Ja, einfaches Floatglas lässt sich mit einem Glasschneider ritzen und brechen. Die Kanten müssen anschließend entschärft werden. Vorgespanntes und Verbundglas sowie Isolierglas können nicht nachträglich geschnitten werden.

Was bedeutet Zinnseite beim Floatglas?

Die Zinnseite ist die Seite, die im Herstellungsprozess auf dem Zinnbad lag. Sie kann sich bei Beschichtungen, Verklebung und Siebdruck anders verhalten. Mit UV-Licht lässt sie sich meist erkennen.

Verwandte Begriffe

Acrylglas, U-Wert, Silikon-Dichtstoff, Grauschleier, Zugfestigkeit

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

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