Die Bitumendickbeschichtung (PMBC) ist eine nahtlose, polymermodifizierte Abdichtung erdberührter Bauteile nach DIN 18533. Entscheidend sind Trockenschichtdicke, Voranstrich, Hohlkehle und Schutzschicht.

Bitumendickbeschichtung

Die Bitumendickbeschichtung, kurz PMBC (Polymer Modified Bituminous Coating), ist eine kunststoffmodifizierte, spachtel- oder spritzbare Abdichtung auf Bitumenbasis für erdberührte Bauteile. Sie wird in zwei Lagen aufgetragen, härtet zu einer nahtlosen Schicht aus und dichtet nach DIN 18533 je nach Wassereinwirkungsklasse gegen Bodenfeuchte und Wasser ab.

Das Wichtigste in Kürze

  • PMBC ist eine nahtlose, zweikomponentige oder einkomponentige Abdichtung, die in mehreren Lagen aufgebracht wird und die Mindestschichtdicke im trockenen Zustand erreichen muss.
  • Die Norm DIN 18533 ordnet PMBC bestimmten Wassereinwirkungsklassen zu. Für drückendes Wasser gelten strengere Vorgaben.
  • Untergrundvorbereitung, Voranstrich, Hohlkehle und Schutzschicht entscheiden über die Dauerhaftigkeit.
  • Typische Mängel sind zu geringe Schichtdicke, zu frühe Beanspruchung und fehlende Schutzschicht.

Definition und Abgrenzung

Bitumen ist ein klebriges, wasserabweisendes Gemisch aus Erdölrückständen. In der Dickbeschichtung wird es mit Kunststoffen (Polymeren) und Zuschlägen wie Polystyrolkügelchen vermischt. Dadurch wird die Schicht elastisch, rissüberbrückend und standfest. Der frühere Begriff KMB (kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtung) wird seit der Normenreihe DIN 18533 durch PMBC ersetzt.

Abzugrenzen ist die Dickbeschichtung von Bitumenbahnen, die als Bahnen vorgefertigt und verklebt oder verschweißt werden, und von dünnen Bitumenanstrichen, die nur als Voranstrich oder Schutzanstrich dienen. Auch die Schwarze Wanne nutzt meist Bahnen. Die Weiße Wanne kommt ganz ohne aufgebrachte Abdichtung aus.

Aufbau und Wirkprinzip

Die Dickbeschichtung wird als pastöse Masse mit Kelle, Traufel oder Spritzgerät aufgebracht. Sie härtet physikalisch durch Verdunstung des Wassers bzw. Lösemittels oder reaktiv durch Zusatzkomponenten aus. Dabei schrumpft die Masse. Aus der nassen wird die trockene Schicht. Dieser Unterschied ist zentral: Maßgeblich ist die Trockenschichtdicke, also die Dicke der fertig ausgehärteten Schicht, nicht die Nassschichtdicke beim Auftragen.

Ein typischer Aufbau an einer Kellerwand von innen nach außen:

  1. Untergrund: Mauerwerk oder Beton, fest, eben, tragfähig, ohne Grate und offene Fugen.
  2. Voranstrich: Bitumenemulsion oder Haftbrücke, bindet Staub und regelt das Saugverhalten.
  3. Hohlkehle: Ausrundung an Wand-Boden-Anschlüssen, meist als Mörtelkehle.
  4. Erste Lage PMBC, nach Herstellerangabe mit Gewebeeinlage bei Rissgefahr.
  5. Zweite Lage PMBC, nass in nass oder nach Durchtrocknung.
  6. Schutzschicht oder Perimeterdämmung, die die Beschichtung vor Verfüllung und Verformung schützt.

Wassereinwirkungsklassen und Schichtdicken

DIN 18533 teilt die Beanspruchung erdberührter Bauteile in Klassen ein. Für die PMBC sind vor allem diese relevant:

Klasse Einwirkung PMBC-Anforderung (Richtwert)
W1-E Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser Mindesttrockenschichtdicke 3 mm, entspricht etwa 4 bis 5 mm Nassschicht je nach Produkt
W2-E Drückendes Wasser (mäßige Einwirkung) Höhere Mindestdicke, Verstärkungseinlage, nur mit Eignungsnachweis des Herstellers
W3-E Nicht drückendes Wasser auf erdüberschütteten Decken Mindesttrockenschichtdicke 4 mm
W4-E Spritzwasser und Bodenfeuchte am Sockel Schichtdicke nach Herstellerangabe, Schutz gegen UV und Spritzwasser

Die Angaben sind Richtwerte aus Herstellerunterlagen und Normauszügen. Maßgeblich sind die aktuelle DIN 18533-3 und die Produktdatenblätter. Die Nassschichtdicke wird mit einem Messkamm geprüft. Die Trockenschichtdicke ergibt sich aus dem Trockenanteil des Produkts. Das Datenblatt nennt Umrechnungsfaktor und Mindesttrockenzeit.

Aufbau einer BitumendickbeschichtungSchnitt durch eine Kellerwand mit Hohlkehle: Betonwand, Voranstrich, zwei Lagen Dickbeschichtung, Schutzschicht und Erdreich. Eine Maßangabe zeigt die Mindesttrockenschichtdicke von 3 Millimetern bei Bodenfeuchte.BetonVoranstrichPMBC, 2 LagenSchutzschichtErdreichHohlkehleMindest-TrockenschichtW1-E: 3 mmNassschicht ist dickerMesskamm prüft nass,Trocknung abwarten
Aufbau einer Bitumendickbeschichtung an der Kellerwand mit Hohlkehle und Schutzschicht (schematisch).

Arten und Varianten

Variante Merkmal Hinweis
Einkomponentig Gebrauchsfertig, trocknet physikalisch Trocknungszeit stark von Temperatur und Feuchte abhängig.
Zweikomponentig Reaktive Aushärtung durch Zusatzkomponente Schneller belastbar, genaue Mischung erforderlich.
Mit Gewebeeinlage Glasfasergewebe in der Schicht Erhöht Rissüberbrückung, nötig an Stößen und bei höherer Beanspruchung.
Spachtelbar / spritzbar Auftragsart Spritzen erfordert besonders sorgfältige Dickenkontrolle.

Verarbeitung

Die Verarbeitung beginnt mit dem Untergrund. Dieser muss tragfähig, frei von Trennmitteln und ausreichend trocken sein. Offene Fugen im Mauerwerk werden verschlossen, Mörtelgrate entfernt. Dann folgt der Voranstrich. Er sorgt für eine gleichmäßige Haftung. Der Auftrag der ersten Lage erfolgt in einer Dicke, die nach dem Trocknen zur Hälfte der Mindestdicke führt. Die zweite Lage wird nach dem Anziehen der ersten aufgebracht.

Wichtige Randbedingungen:

  • Verarbeitungstemperatur nach Datenblatt, häufig nicht unter +5 °C.
  • Kein Regen und kein Frost während der Trocknung.
  • Mindesttrockenzeit abwarten, bevor verfüllt oder gedämmt wird.
  • Gewebeeinlage an Rissen, Fugen und Ecken nach Herstellerangabe.

Die Hohlkehle am Übergang von Wand zu Bodenplatte nimmt Bewegungen auf und vermeidet scharfe Knicke. Auf dem Sockel wird die Abdichtung über die Geländeoberkante hochgezogen und mit der Sockelabdichtung verbunden. Nur so bleibt der Übergang zur Bodenplatte dicht.

Schutzschicht und Perimeterdämmung

PMBC ist nach dem Trocknen mechanisch empfindlich. Eine Schutzschicht verhindert Beschädigungen durch Steine und Verfüllung. In der Praxis wird sie oft mit der Perimeterdämmung kombiniert, die als Dämm- und Schutzfunktion eingeklebt wird. Der Kleber muss mit der Beschichtung verträglich sein. Für Spritzwasserbereiche gibt es zusätzlich einen Schutz durch Putz oder Platten. Verfüllung erfolgt erst nach vollständiger Trocknung, in lagenweisem Verdichten.

Anwendung in Neubau und Bestand

Im Neubau ist PMBC ein Standard für Kellerwände in Bodenfeuchte oder nicht drückendem Wasser. Die Beschichtung wird direkt auf Mauerwerk oder Beton aufgebracht. Bei Hanglage oder Stauwasser ist zusätzlich eine Drainage zu prüfen.

Im Bestand wird PMBC bei der Außenabdichtung freigelegter Kellerwände eingesetzt. Der Altputz wird abgeschlagen, der Untergrund ausgebessert. Alte Bitumenanstriche müssen geprüft werden, ob sie als Untergrund taugen. Bei starker Durchfeuchtung oder hohem Wasserdruck reicht PMBC allein nicht. Hier sind Bahnenabdichtung oder andere Systeme vorzuziehen, siehe Schwarze Wanne. In Kombination mit einer Horizontalsperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit entsteht ein Gesamtkonzept. Mehr zu den Ursachen im Beitrag aufsteigende Feuchtigkeit.

Kosten

Die Kosten hängen von Fläche, Zugänglichkeit, Untergrund und Region ab. Als grober Richtwert liegen die Materialkosten im Bereich von einigen Euro bis rund zehn Euro je Quadratmeter, bei Gesamtleistung inklusive Vorbereitung und Schutzschicht je nach Aufwand deutlich höher. Freilegen und Wiederverfüllen verursachen oft den größeren Teil der Gesamtkosten. Ein Angebot nach Aufmaß klärt den Preis.

Typische Fehler und Schäden

  • Mindestdicke unterschritten, besonders an Kanten und in Ecken.
  • Auftrag in einer zu dicken Lage, dadurch Blasen und nicht durchgetrocknete Schicht.
  • Fehlender Voranstrich oder staubiger Untergrund.
  • Keine Hohlkehle, daher Risse am Wand-Boden-Anschluss.
  • Zu frühe Verfüllung oder Beanspruchung durch Regen.
  • Schutzschicht fehlt oder ist nicht verträglich.
  • Verwendung bei höherer Wassereinwirkungsklasse, als das Produkt zulässt.
  • Offene Fugen im Mauerwerk nicht verschlossen.

Folgen sind Feuchtigkeit in Wand und Boden sowie Schimmel. Spätere Nachbesserungen erfordern Freilegen.

Wartung und Prüfung

Die Qualitätssicherung erfolgt während der Arbeit: Nassschichtdicke mit Messkamm messen, Protokoll führen, Fotos anfertigen. Nach dem Verfüllen ist die Beschichtung nicht mehr zugänglich. Im Sockelbereich sollte die Abdichtung regelmäßig auf Risse, Abplatzungen und Spritzwasserschäden geprüft werden. Eine Dokumentation hilft bei späteren Streitigkeiten. Hinweise zur Haftung bietet der Beitrag Gewährleistung.

Häufige Fragen zur Bitumendickbeschichtung

Was bedeutet PMBC?

PMBC steht für Polymer Modified Bituminous Coating, also polymermodifizierte Bitumendickbeschichtung. Der Begriff ersetzt die frühere Abkürzung KMB. Er wird in DIN 18533 verwendet.

Wie dick muss die Bitumendickbeschichtung sein?

Bei Bodenfeuchte und nicht drückendem Wasser (W1-E) gilt als Richtwert eine Mindesttrockenschichtdicke von 3 mm. Bei erdüberschütteten Decken (W3-E) sind es 4 mm. Das Produktdatenblatt nennt die Nassschichtdicke.

Was ist der Unterschied zwischen Nass- und Trockenschichtdicke?

Die Nassschichtdicke wird beim Auftragen gemessen. Die Trockenschichtdicke bleibt nach dem Aushärten übrig, weil Wasser oder Lösemittel verdunsten. Maßgeblich für die Norm ist die Trockenschichtdicke.

Ist PMBC für drückendes Wasser geeignet?

Nur eingeschränkt und mit Eignungsnachweis des Herstellers. Bei höherem Wasserdruck sind Bahnen oder die Weiße Wanne üblich. Die Entscheidung trifft der Planer nach Wasserstand.

Wann darf nach dem Auftrag verfüllt werden?

Erst nach vollständiger Durchtrocknung. Die Zeit hängt von Produkt, Temperatur und Schichtdicke ab. Das Datenblatt gibt Mindestwerte vor.

Braucht PMBC eine Schutzschicht?

Ja, die Schicht ist mechanisch empfindlich. Eine Perimeterdämmung oder Schutzplatte schützt vor Beschädigung durch Verfüllung. Ohne Schutz drohen Löcher und Risse.

Verwandte Begriffe

Schwarze Wanne, Weiße Wanne, Perimeterdämmung, Horizontalsperre, Drainage

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

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