Silikatschaum ist ein mineralischer, nicht brennbarer Dämmstoff, der aus einer aufgeschäumten Mischung aus Quarzmehl, Kalkhydrat, Zement und Wasser besteht. Er ist diffusionsoffen und verrottet nicht. Eingesetzt wird er vor allem zum Dämmen von Hohlräumen im Altbau und, in verwandter Form als Kalziumsilikat, für die Innendämmung.
Das Wichtigste in Kürze
- Silikatschaum ist mineralisch, nicht brennbar (Baustoffklasse A1) und verrottungsfest.
- Der Begriff wird uneinheitlich verwendet: gemeint ist teils loser Schaum zum Einblasen, teils Dämmplatten aus Kalziumsilikat.
- Die Platten regulieren Feuchte und kommen bei Innendämmung oft ohne Dampfbremse aus.
- Beim Zuschneiden entsteht mineralischer Staub, Atemschutz ist nötig.
Was ist Silikatschaum?
Silikate sind Verbindungen von Silizium und Sauerstoff, wie sie in Sand und Quarz vorkommen. Silikatschaum entsteht, indem ein mineralischer Brei aufgeschäumt wird und aushärtet. Es bleiben feine Poren, die Luft einschließen und damit dämmen. Die Mischung ähnelt Porenbeton.
Je nach Hersteller und Verwendung gibt es zwei Erscheinungsformen:
- Loser Schaum und Schüttung: feine mineralische Kügelchen, die in Hohlräume eingeblasen oder geschüttet werden.
- Platten aus Kalziumsilikat: feste Dämmplatten, meist 20 bis 120 mm dick, mit mineralischem Kleber auf die Wand geklebt.
Die Zuordnung von Produktnamen ist nicht immer eindeutig. Vor dem Kauf deshalb Zusammensetzung, Wärmeleitfähigkeit und Zulassung im Datenblatt prüfen.
Eigenschaften
- Nicht brennbar: Baustoffklasse A1 beziehungsweise A2, je nach Produkt.
- Wärmeleitfähigkeit: Richtwert etwa 0,04 bis 0,10 W/(m·K). Platten dämmen schlechter als Polystyrol oder Mineralwolle, daher sind dickere Schichten nötig.
- Diffusionsoffen: μ-Wert nach Herstellerangaben grob 3 bis 20, siehe Wasserdampfdiffusionswiderstand.
- Kapillaraktiv: Platten können Feuchte aufnehmen und wieder abgeben. Das puffert Kondensat an der kalten Wand.
- Alkalisch: Der hohe pH-Wert erschwert Schimmelwachstum auf dem Material.
- Verrottungsfest: Kein Schädlingsbefall, keine Fäulnis.
- Schall: Die poröse Struktur kann Schall dämpfen. Als Schallschutzlösung ersetzt sie keine Planung.
Vergleich mit anderen Dämmstoffen
| Dämmstoff | Brandverhalten | Diffusion | Innendämmung |
|---|---|---|---|
| Silikatschaum, Kalziumsilikat | nicht brennbar (A1) | offen, kapillaraktiv | gut, oft ohne Dampfbremse |
| Mineralwolle | nicht brennbar (A1) | sehr offen | nur mit Dampfbremse |
| Polystyrol (EPS/XPS) | brennbar (B1 bis B2) | gebremst | nur mit Planung, Feuchteproblem |
| PUR/PIR | brennbar | dicht | nur mit Fachplanung |
| Holzfaser | brennbar (B2) | offen | mit Dampfbremse |
Anwendung in Bau und Renovierung
Innendämmung im Altbau
Wenn die Fassade denkmalgeschützt oder gegliedert ist, kommt nur eine Dämmung von innen in Frage. Kalziumsilikatplatten reduzieren dabei das Risiko von Kondensat zwischen Dämmung und Wand. Ein Beispiel für die Wärmeverluste von Bauteilen zeigt der U-Wert.
Hohlraumdämmung
In zweischaligem Mauerwerk mit Luftschicht wird loser Schaum durch kleine Bohrungen eingeblasen. Das ist eine nachträgliche Dämmung ohne Eingriff in Fassade oder Innenraum. Das Verfahren muss zum Aufbau passen. Vorher sollten Hohlraumbreite und Zustand von einem Fachbetrieb geprüft werden.
Brandschutz
Bauteile aus nicht brennbarem Silikat werden bei erhöhten Brandschutzanforderungen eingesetzt. Für Brandschutzkonstruktionen zählt aber das geprüfte Gesamtsystem, nicht nur die Materialklasse.
Verarbeitung und Praxis-Tipps
- Untergrund prüfen: Fest, trocken, ohne Salzausblühungen. Ausblühungen und Feuchte vorher beseitigen. Bei aufsteigender Feuchtigkeit erst die Ursache beheben.
- Vollflächig kleben: Mineralischer Kleber, ohne Lufträume zwischen Platte und Wand.
- Zuschneiden mit Staubschutz: Mit Handsäge oder Spezialsäge, dabei Staubmaske tragen und gut lüften.
- Passendes Putzsystem: Kalk- oder Silikatputz. Dichte Beschichtungen nehmen dem System die Feuchtepufferung.
- Wärmebrücken beachten: An Deckenauflagern und einbindenden Wänden bleibt ein Rest kalter Fläche. Prüfen, ob Dämmkeile nötig sind, siehe Wärmebrücke.
- Befestigungen: Regale und Leuchten nur mit Dübeln, die der Hersteller für das System freigibt.
- Feuchträume: Für dauerhaft nasse Bereiche wie die Dusche sind die Platten ohne zusätzliche Abdichtung nicht ausgelegt.
Die Kosten liegen meist über denen von Standarddämmstoffen. Angebote und Systemaufbau sollten vor dem Kauf verglichen werden.
Häufige Fragen zu Silikatschaum
Ist Silikatschaum brennbar?
Nein. Mineralische Silikatdämmstoffe zählen zu den nicht brennbaren Baustoffen der Klasse A1 oder A2, je nach Produkt. Für Brandschutznachweise zählt die Zulassung des Herstellers.
Braucht Silikatschaum eine Dampfsperre?
Bei Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten meist nicht, weil die Platten Feuchte aufnehmen und abgeben können. Die Planung sollte trotzdem prüfen, ob für den konkreten Aufbau eine Dampfbremse nötig ist.
Wie gut dämmt Silikatschaum?
Weniger gut als Polystyrol oder Mineralwolle. Die Wärmeleitfähigkeit liegt je nach Produkt grob zwischen 0,04 und 0,10 W/(m·K). Für den gleichen U-Wert sind dickere Schichten nötig.
Ist Silikatschaum für Heimwerker geeignet?
Platten lassen sich mit Kleber und Säge verarbeiten. Staubschutz, Untergrundvorbereitung und das passende Putzsystem erfordern Sorgfalt. Das Einblasen in Hohlräume gehört in die Hand von Fachbetrieben.
Verwandte Begriffe
Dampfsperre, Wasserdampfdiffusionswiderstand, Wärmebrücke, Schimmel, U-Wert










