Ausgebauter Dachboden mit Dachfenstern und Holzleiter

Kniestock

Kniestock: Der Kniestock, auch Drempel genannt, ist der senkrechte Wandabschnitt oberhalb der obersten Geschossdecke, auf dem das schräge Dach aufliegt. Er bestimmt, wie hoch die Außenwand im Dachgeschoss ist, und damit, wie viel Stehhöhe und nutzbare Fläche unter den Dachschrägen entsteht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kniestock und Drempel sind zwei Namen für dasselbe Bauteil: die niedrige Wand zwischen Decke und Dachschräge.
  • Je höher der Kniestock, desto mehr Fläche mit nutzbarer Raumhöhe entsteht im Dachgeschoss.
  • Der Kniestock trägt Dachlasten ab, muss gedämmt und luftdicht ausgeführt werden und wird oft im Bebauungsplan begrenzt.
  • Nachträglich lässt er sich nur mit großem Aufwand erhöhen; Gauben sind oft die einfachere Alternative.

Was ist ein Kniestock?

Der Kniestock ist Teil der Außenwand im Dachgeschoss. Er beginnt an der Oberkante der Geschossdecke und endet dort, wo die Dachschräge ansetzt. Oben schließt meist eine Fußpfette oder Mauerlatte an, ein liegender Balken, auf dem die Sparren aufliegen. Der Begriff stammt von der Form: Wie ein angewinkeltes Knie stützt die kurze Wand das darüberliegende Dach. Kniestöcke gibt es vor allem bei Sattel-, Walm- und Pultdächern, nicht aber bei einem Flachdach.

Kniestock und anrechenbare WohnflächeQuerschnitt durch den Randbereich eines Dachgeschosses mit 0,5 m hohem Kniestock. Farbige Zonen zeigen, welche Flächen nach Raumhöhe voll, zur Hälfte oder nicht zur Wohnfläche zählen.1 m2 mKniestockFußboden Dachgeschossunter 1 m: 0 %1 bis 2 m: 50 %ab 2 m: 100 %Anrechnung als Wohnfläche
Beispiel: Kniestock von 0,5 m bei etwa 35 Grad Dachneigung (schematisch, Flächenanrechnung nach WoFlV).

Funktion und bauphysikalische Eigenschaften

  • Statik: Der Kniestock leitet die Lasten aus dem Dach (Eigengewicht, Schnee, Wind) in die Außenwand und die Decke ab. Er ist also tragend. Hohe Kniestöcke aus Mauerwerk müssen zusätzlich Windlasten aufnehmen und brauchen daher oft Ringanker, Ringbalken oder eine Verankerung. Ein statischer Nachweis ist Sache der Tragwerksplanung.
  • Dämmung: Der Kniestock gehört zur wärmeübertragenden Gebäudehülle. Er muss wie Wand und Dach gedämmt werden, sonst bildet der Übergang zwischen Wand und Dach eine Wärmebrücke.
  • Luftdichtheit: Die luftdichte Schicht des Dachs muss lückenlos an Kniestock und Decke anschließen. Undichte Anschlüsse führen zu Zugluft und können Feuchteschäden verursachen. Siehe auch Dampfsperre.

Kniestockhöhe und Nutzbarkeit

Kniestockhöhe (Richtwert) Wirkung im Dachraum
bis etwa 30 cm Kaum Stehhöhe an der Wand, meist nur Stauraum
etwa 50 bis 80 cm Eingeschränkt nutzbar, niedrige Möbel und Einbauschränke passen
etwa 100 bis 130 cm Gute Raumnutzung, Möbel stehen direkt an der Wand
ab etwa 150 cm Fast wie ein volles Geschoss, auch Fenster in der Kniestockwand möglich

Die Dachneigung wirkt mit: Bei flacher Neigung steigt die Raumhöhe mit dem Abstand zur Wand nur langsam an. Ein hoher Kniestock gleicht das aus. Als Beispiel: Bei einem Kniestock von 1,0 m und 45 Grad Neigung ist schon 1 m von der Wand entfernt die Raumhöhe von 2 m erreicht.

Anwendung in Bau und Renovierung

  • Wohnfläche: Nach der Wohnflächenverordnung zählen Flächen mit mindestens 2 m lichter Höhe voll, zwischen 1 m und 2 m zur Hälfte, unter 1 m gar nicht. Das ist für Miete und Verkauf relevant.
  • Neubau: Die Höhe wird früh festgelegt. Häufig liegt sie im Bereich von etwa 1,0 bis 1,3 m, je nach Dachneigung, Konstruktion und Bebauungsplan.
  • Bestand: Ein Kniestock lässt sich nachträglich nur durch Anheben des Dachs oder durch Aufmauern erhöhen. Das ist teuer, statisch anspruchsvoll und genehmigungspflichtig. Gauben oder Dachfenster schaffen oft mit weniger Aufwand mehr Platz.
  • Einrichtung: Niedrige Kniestöcke eignen sich für Einbauschränke, Schubladen und Stauraum entlang der Schräge.

Vor- und Nachteile hoher Kniestöcke

  • Vorteile: mehr nutzbare Fläche, bessere Möblierung, Platz für senkrechte Fenster, spürbar mehr Wohnkomfort.
  • Nachteile: höhere Außenwände, mehr Dämmaufwand, veränderte Proportionen des Hauses und mögliche Konflikte mit Festsetzungen zu Trauf- oder Gebäudehöhe.

Vorschriften

Der Kniestock selbst ist selten direkt geregelt. Bebauungspläne begrenzen aber häufig Traufhöhe, Firsthöhe oder ausdrücklich die Kniestockhöhe. Je nach Landesbauordnung kann ein ausgebautes Dachgeschoss bei bestimmter Höhe als Vollgeschoss gelten, was Folgen für Abstandsflächen und Genehmigung hat. Auch Mindesthöhen für Aufenthaltsräume sind Landesrecht. Für Neubau und Änderungen gelten die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes an Dämmung und Luftdichtheit. Vor der Planung bei der Bauaufsicht nachfragen; mehr zum Thema unter Baugenehmigung.

Häufige Fragen zu Kniestock

Ist Kniestock dasselbe wie Drempel?

Ja. Beide Begriffe meinen die niedrige Wand zwischen Geschossdecke und Dachschräge. Kniestock ist im Hausbau gebräuchlicher, Drempel wird häufig in Bauzeichnungen und beim Dachausbau verwendet.

Wie hoch sollte ein Kniestock sein?

Für ein gut nutzbares Dachgeschoss gelten etwa 1,0 bis 1,3 m als günstig. Entscheidend sind Dachneigung, Statik und Bebauungsplan. Niedrigere Kniestöcke sind möglich, schränken aber Stehhöhe und Möblierung ein.

Trägt der Kniestock das Dach?

Ja. Er nimmt die Lasten der Sparren über Fußpfette oder Mauerlatte auf und leitet sie in die Wand ab. Bei Eingriffen in den Kniestock sollte deshalb die Statik geprüft werden.

Wie wirkt sich der Kniestock auf die Wohnfläche aus?

Ein höherer Kniestock vergrößert den Bereich mit mehr als 2 m oder mehr als 1 m Raumhöhe. Dieser Anteil wird nach der Wohnflächenverordnung voll oder zur Hälfte angerechnet. Bei niedrigem Kniestock fällt mehr Fläche weg.

Kann ich einen Kniestock nachträglich erhöhen?

Nur mit hohem Aufwand: Das Dach muss angehoben oder umgebaut werden, die Statik ist nachzuweisen und meist ist eine Genehmigung nötig. Oft sind Gauben die wirtschaftlichere Lösung für mehr Platz.

Verwandte Begriffe

Satteldach, Wärmebrücke, Dampfsperre, Baugenehmigung, Kernsanierung

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

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