Satteldach: Ein Satteldach ist eine Dachform aus zwei gegeneinander geneigten Dachflächen, die sich oben im First treffen und an den Längsseiten des Hauses in der Traufe enden. Die beiden Schmalseiten werden von Giebelwänden abgeschlossen. In Deutschland ist es die häufigste Dachform bei Wohnhäusern und wird deshalb auch Giebeldach genannt.
Das Wichtigste in Kürze
- Zwei geneigte Flächen, ein First in der Mitte: einfache, bewährte und vergleichsweise günstige Konstruktion.
- Üblich sind Dachneigungen von etwa 30 bis 45 Grad; die Mindestneigung hängt von der Dacheindeckung ab.
- Der Dachraum lässt sich gut ausbauen, besonders mit ausreichend hohem Kniestock und Gauben.
- Viele Bebauungspläne legen Dachform und Dachneigung verbindlich fest.
Was ist ein Satteldach?
Die Seitenansicht eines Satteldachs erinnert an ein umgedrehtes V. Folgende Bauteile und Begriffe gehören dazu:
- First: die waagerechte Linie am höchsten Punkt, an der beide Dachflächen zusammentreffen.
- Traufe: die untere Kante der Dachfläche, an der das Regenwasser abläuft, meist mit Dachrinne.
- Ortgang: der seitliche Dachabschluss an der Giebelwand.
- Giebel: die dreieckige Wandfläche unter dem Dach an den Stirnseiten.
- Sparren: die schräg verlaufenden Hölzer, die die Dachhaut tragen.
- Dachneigung: der Winkel der Dachfläche gegenüber der Waagerechten, angegeben in Grad.
Aufbau und Konstruktion
Das Tragwerk besteht meist aus Holz. Je nach Hausbreite und Nutzung werden drei Bauarten unterschieden:
- Sparrendach: Sparrenpaare bilden mit dem Deckenbalken ein Dreieck. Es braucht keine Innenstützen und eignet sich für schmale Häuser.
- Kehlbalkendach: Ein zusätzlicher Balken (Kehlbalken) steift die Sparren aus und erlaubt größere Spannweiten.
- Pfettendach: Waagerechte Pfetten tragen die Sparren und leiten die Last über Stützen oder Wände ab. Es ist bei breiteren Häusern und ausgebautem Dachgeschoss verbreitet.
Auf den Sparren liegen Unterspannbahn oder Unterdach, Dachlattung und Eindeckung. Die Dämmung sitzt zwischen den Sparren, auf den Sparren (Aufsparrendämmung) oder unter den Sparren. Eine luftdichte Ebene verhindert, dass warme Raumluft in die Konstruktion strömt und dort Feuchte bildet. Mehr dazu unter Dampfsperre.
Varianten des Satteldachs
| Variante | Merkmal |
|---|---|
| Symmetrisches Satteldach | Beide Dachflächen sind gleich groß und gleich geneigt. |
| Asymmetrisches Satteldach | Die Flächen sind unterschiedlich steil oder der First sitzt außermittig. |
| Satteldach mit Schleppdach | Eine Dachfläche ist tiefer heruntergezogen, zum Beispiel über einen Anbau oder Carport. |
| Satteldach mit Gauben | Aufbauten bringen zusätzliche Kopffreiheit und Tageslicht ins Dachgeschoss. |
| Krüppelwalmdach | Verwandte Form: Die Giebelspitze ist durch eine kleine, abgewalmte Fläche ersetzt. |
Abzugrenzen sind Pultdach (eine geneigte Fläche), Walmdach (alle Seiten abgeschrägt) und Mansarddach (Dachflächen mit Knick). Sie sind eigene Dachformen.
Dachneigung und Eindeckung
Die Dachneigung beeinflusst Optik, Raumangebot, Wasserablauf und die Wahl der Eindeckung. Steile Dächer bieten mehr Platz im Dachraum, brauchen aber mehr Material und Gerüstaufwand. Ab etwa 60 Grad wird bei der Schneelast nach Eurocode keine Schneelast mehr angesetzt, flachere Dächer müssen mehr Schnee tragen können.
| Eindeckung | Richtwert Mindestneigung |
|---|---|
| Falzziegel, Betondachsteine | ab etwa 22 Grad |
| Biberschwanz (Flachziegel) | ab etwa 30 Grad |
| Stehfalzblech (Metall) | deutlich flacher möglich |
Die Zahlen sind Richtwerte. Maßgeblich sind die Herstellerangaben und das Regelwerk des Dachdeckerhandwerks. Bei geringerer Neigung sind zusätzliche Maßnahmen wie ein regensicheres Unterdach nötig. Weitere gängige Deckungen sind Schiefer, Faserzement und Photovoltaik-Module.
Anwendung in Bau und Renovierung
- Dachgeschossausbau: Nach der Wohnflächenverordnung zählt Fläche mit mindestens 2 m lichter Höhe voll, zwischen 1 m und 2 m zur Hälfte und unter 1 m gar nicht. Ein höherer Kniestock oder Gauben vergrößern die anrechenbare Fläche.
- Dämmung: Wird ein Dach erneuert oder saniert, gelten die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes. Für Dächer wird dort ein U-Wert von höchstens 0,24 W/(m²K) genannt. Aktuelle Vorgaben vor der Planung prüfen.
- Solarenergie: Die Flächen lassen sich gut mit Photovoltaik belegen. Süd-, Ost- und Westseiten sind je nach Ziel geeignet; Neigungen um 30 bis 35 Grad gelten als günstiger Richtwert.
- Dachfenster und Gauben: Sie bringen Licht, verändern aber Statik und Dämmung und sollten fachgerecht eingeplant werden.
Praxis-Tipps und typische Fehler
- Neigung und Eindeckung vor dem Kauf der Ziegel abstimmen; zu flache Dächer mit Ziegeln sind eine häufige Ursache für Undichtigkeiten.
- Luftdichtheit und Anschlüsse an Schornstein, Dachfenster und Giebel sorgfältig ausführen. Hier entstehen die meisten Feuchteschäden.
- Dachüberstand und Dachrinnen so planen, dass Wasser sicher abgeführt wird und die Fassade geschützt bleibt.
- Holzbalken auf Schädlingsbefall und Feuchte prüfen, bevor gedämmt oder ausgebaut wird.
- Statik bei Eingriffen in Sparren, Pfetten und Kehlbalken von einer Fachperson prüfen lassen.
Vorschriften und Bebauungsplan
Gemeinden können im Bebauungsplan Dachform, Dachneigung, Traufhöhe und Firstrichtung festsetzen. Auch örtliche Gestaltungssatzungen nach Landesrecht regeln das Dach. Wo es keinen Bebauungsplan gibt, muss sich ein Neubau nach § 34 Baugesetzbuch in die Umgebung einfügen. Für Neubau, Dachausbau oder Änderungen der Dachform ist je nach Bundesland eine Baugenehmigung oder ein vereinfachtes Verfahren nötig. Die zuständige Bauaufsicht gibt Auskunft.
Häufige Fragen zu Satteldach
Welche Dachneigung ist bei einem Satteldach üblich?
Bei Wohnhäusern sind etwa 30 bis 45 Grad üblich. Die Untergrenze richtet sich nach der Eindeckung, bei Ziegeln liegt sie je nach Typ bei etwa 22 bis 30 Grad. Steilere Dächer schaffen mehr Raum im Dachgeschoss.
Was ist der Unterschied zwischen Satteldach und Walmdach?
Das Satteldach hat zwei Dachflächen und senkrechte Giebelwände. Das Walmdach ist an allen vier Seiten abgeschrägt und hat keine Giebel. Das Satteldach ist einfacher zu bauen und meist günstiger.
Lässt sich unter einem Satteldach gut wohnen?
Ja, wenn Dachneigung und Kniestock genug Stehhöhe lassen. Fläche unter niedrigen Schrägen wird bei der Wohnfläche nur teilweise oder gar nicht angerechnet. Gauben und Dachfenster verbessern Licht und Raumhöhe.
Darf ich ein Satteldach auf ein anderes Dach ändern?
Das hängt vom Bebauungsplan und der Landesbauordnung ab. Dachform und Neigung sind oft verbindlich festgelegt, Änderungen können genehmigungspflichtig sein. Vorher bei der Gemeinde oder Bauaufsicht nachfragen.
Eignet sich ein Satteldach für Photovoltaik?
Ja. Die geneigten Flächen sind für Solarmodule gut geeignet, besonders bei Südausrichtung. Eine Ost-West-Belegung bringt gleichmäßigere Erträge über den Tag. Die Statik des Dachs sollte vorher geprüft werden.
Verwandte Begriffe
Kniestock, Dampfsperre, U-Wert, Baugenehmigung, Kernsanierung










