Gipskarton bezeichnet Gipskartonplatten: Bauplatten aus einem Gipskern, der beidseitig mit festem Karton ummantelt ist. Sie werden im Trockenbau auf Ständerwerk oder direkt auf Untergründen als Wand-, Decken- und Dachbekleidung verwendet. Je nach Typ (GKB, GKBI, GKF, GKFI) sind sie für normale Räume, feuchte Räume oder den Brandschutz ausgelegt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Standardplatte GKB ist für trockene Räume gedacht. GKBI ist imprägniert und für Räume mit erhöhter Feuchte geeignet, GKF und GKFI erhöhen den Feuerwiderstand.
- Gängig sind Plattenbreiten von 1250 mm und Dicken von 12,5 mm. Dünnere und dickere Varianten existieren für Bögen und Brandschutz.
- Fugen und Schraubstellen werden nach Q1 bis Q4 verspachtelt. Die Stufe richtet sich nach dem späteren Anstrich oder Belag.
- Gipskarton ist kein Ersatz für eine Abdichtung. In Duschen braucht es eine Verbundabdichtung und geeignete Platten.
Definition und Abgrenzung
Gipskartonplatten sind genormte Bauplatten. Maßgeblich sind in Deutschland die Plattennorm DIN 18180 und die europäische Norm EN 520. Der Kern besteht aus abgebundenem Gips (Calciumsulfat-Dihydrat), der Karton sorgt für Zugfestigkeit und Biegesteifigkeit. Der Begriff Gipskarton wird im Alltag auch für die Platte, die Wand oder den Trockenbau insgesamt verwendet. Fachlich ist die Platte das Bauprodukt, der Trockenbau das Bauverfahren, bei dem solche Platten auf Unterkonstruktionen montiert werden.
Abzugrenzen ist die Gipsfaserplatte. Sie hat keinen Kartonmantel, sondern besteht aus Gips mit eingebetteten Zellulosefasern und wird unter hohem Druck gepresst. Sie ist dichter, härter, schwerer und weniger empfindlich gegen Feuchte. Dafür ist sie teurer und schwerer zu verarbeiten. Gipskartonplatten sind leicht schneidbar und preisgünstig, ihre Oberfläche nimmt Spachtel und Farbe gut an.
Plattentypen und Varianten
Die Kürzel bezeichnen die Eigenschaften der Platte:
| Kürzel | Bezeichnung | Eigenschaft | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| GKB | Gipskarton-Bauplatte | Standard, Typ A nach EN 520 | Wand und Decke in trockenen Räumen |
| GKBI | Bauplatte imprägniert | Reduzierte Wasseraufnahme, grüner Karton | Küche, Bad außerhalb Spritzwasser, bis etwa 70 % Dauerluftfeuchte |
| GKF | Feuerschutzplatte | Kern mit Glasfasern, höherer Feuerwiderstand | Brandschutzwände, Schachtverkleidung, Stahlbekleidung |
| GKFI | Feuerschutz imprägniert | Brandschutz plus verminderte Wasseraufnahme | Feuerwiderstand in Feuchträumen |
Daneben gibt es Sonderplatten: Lochplatten für Akustikdecken, Biegeplatten für gewölbte Flächen, Platten mit Dämmschicht, Verbundplatten und Platten mit Bleifolie für Strahlenschutz. Sie werden nach Herstellerangabe eingesetzt.
Kennwerte, Maße und Normen
Standardplatten sind 1250 mm breit. Daneben gibt es 600 mm breite Platten. Üblich sind Längen von 2000 mm bis 3000 mm, Sonderlängen sind erhältlich. Die Dicke beträgt häufig 12,5 mm, ebenso kommen 9,5 mm, 15 mm und 18 mm vor. Das Flächengewicht der 12,5-mm-Platte liegt grob bei 8 bis 10 kg/m². Für GKBI nennen Hersteller eine Wärmeleitfähigkeit von etwa 0,21 W/(m·K) und eine Rohdichte ab etwa 680 kg/m³. Zum Vergleich der Dämmwirkung siehe Wärmeleitfähigkeit.
Die Plattennorm legt in eigenen Worten gefasst Anforderungen an Maße, Biegefestigkeit, Brandverhalten und Wasseraufnahme fest. Gipskartonplatten erreichen im Brandverhalten in der Regel die Baustoffklasse A2 (nicht brennbar bei geringem Kartonanteil). Der Feuerwiderstand eines Bauteils wird dagegen über das Gesamtsystem aus Platten, Ständern, Dämmung und Befestigung bestimmt, etwa als F30 oder F90. Dazu sind geprüfte Systemaufbauten der Hersteller maßgeblich. Typisch ist: mehr Lagen und dickere Platten erhöhen den Feuerwiderstand.
Brandschutz, Schallschutz und Feuchtigkeit
Brandschutz entsteht durch das im Gips gebundene Kristallwasser, das bei Hitze verdampft und das dahinterliegende Bauteil kühlt. GKF-Platten enthalten zusätzlich Glasfasern, die den Kern bei Brand zusammenhalten. Für Schallschutz zählt die Masse, die Schalen-Entkopplung und der Hohlraum. Doppelte Beplankung, eine Mineralwolle-Füllung und getrennte Ständer verbessern das Schalldämm-Maß deutlich. Anforderungen an den Wohnungsbau regelt die DIN 4109. Für Trittschall bei Decken siehe Trittschall.
Gipskartonplatten nehmen Feuchtigkeit auf und verlieren dann ihre Festigkeit. In Bädern genügt GKBI nicht gegen dauernden Wasserkontakt. In Duschbereichen sind eine Abdichtung im Verbund und zusätzlich geeignete Plattenträger nötig. Siehe Verbundabdichtung. Der Karton kann bei Dauerfeuchte schimmeln, weshalb bei Feuchteschäden ein Austausch nötig ist.
Verarbeitung auf Ständerwerk
Die Platten werden mit Schnellbauschrauben auf Metallprofilen (CW- und UW-Profile) oder Holzlattung befestigt. Die Platte wird im Fugenbereich ohne Randbeschädigung angesetzt, die Kartonkante bleibt unbeschädigt. Richtwerte: Der Achsabstand der Ständer liegt bei Wänden häufig bei 625 mm. Der Schraubenabstand beträgt grob 25 cm, bei Decken geringer. Bei mehrlagigen Aufbauten werden die Fugen der Lagen versetzt. Die Verarbeitung soll nur bei trockenen Bauteilen und angemessener Raumtemperatur erfolgen. Bei mehr als eine Etage hohen Wänden oder besonderen Anforderungen sind Planung und Ausführung Sache einer Fachfirma.
Spachtelqualität Q1 bis Q4
Die Spachtelstufen beschreiben die Oberflächengüte:
- Q1: Fugen und Schraubenköpfe sind gefüllt. Reicht, wenn später gefliest oder verkleidet wird.
- Q2: Standard. Zusätzlich sind Übergänge geglättet. Für grobe Tapeten oder Strukturputz.
- Q3: Fugen breit ausgezogen, Poren geschlossen. Für feine Anstriche und glatte Tapeten.
- Q4: Vollflächige Spachtelung für glatte, streiflichtunempfindliche Flächen und Lacke.
Passende Materialien sind unter Spachtelmasse beschrieben.
Anwendung in Neubau und Bestand
Im Neubau und Ausbau dienen Gipskartonplatten für nichttragende Trennwände, Vorsatzschalen, abgehängte Decken und Dachschrägen. Im Bestand werden sie zum Begradigen von Wänden, zum Verkleiden von Installationen oder für Dachgeschossausbauten genutzt. Vorwandinstallationen für Sanitär werden mit speziellen Platten beplankt, siehe Vorwandinstallation. Tragfähigkeit ist begrenzt. Schwere Lasten wie Hängeschränke benötigen geeignete Dübel oder eine verstärkte Unterkonstruktion.
Kosten
Als grober Richtwert kostet die Standardplatte GKB bei Großhändlern oft etwa 4 bis 5 Euro pro Quadratmeter, GKBI etwa 6 bis 7 Euro. Brandschutzplatten liegen darüber. Der Preis einer fertigen Trockenbauwand inklusive Profilen, Dämmung, Spachtelung und Montage bewegt sich im Handwerkerangebot häufig im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich pro Quadratmeter, abhängig von Anforderungen.
Typische Fehler und Schäden
- Falscher Plattentyp in feuchten Räumen, dadurch Aufweichen oder Schimmel.
- Zu große Schraubenabstände oder Schrauben, die den Karton durchstoßen.
- Kreuzfugen und fehlender Versatz der Lagen, die später als Risse sichtbar werden.
- Fehlende Bewegungsfugen bei großen Flächen oder an Anschlüssen. Siehe Bewegungsfuge.
- Zu frühes Spachteln auf feuchtem Untergrund, Rissbildung an Fugen.
- Lagerung im Freien oder hochkant auf feuchtem Boden, wodurch Platten verformt werden.
Entsorgung und Recycling
Gipshaltige Bauabfälle sollen getrennt erfasst werden. Sie dürfen nicht mit Bauschutt gemischt werden, weil Gips im Gemisch Probleme verursacht. Recyclinghöfe und Entsorger nehmen Gipskartonreste getrennt an. Aus sortenreinem Abbruch lässt sich Gips zurückgewinnen und neuen Platten zumischen. Beschichtete oder verunreinigte Platten sind anders zu behandeln. Mengen und Kosten klärt man mit dem örtlichen Entsorger.
Häufige Fragen zu Gipskarton
Was bedeuten GKB, GKBI, GKF und GKFI?
GKB ist die Standardplatte, GKBI die imprägnierte Variante für feuchtere Räume, GKF eine Feuerschutzplatte und GKFI eine Feuerschutzplatte mit Imprägnierung.
Ist Gipskarton für das Badezimmer geeignet?
Imprägnierte Platten eignen sich für Räume mit erhöhter Luftfeuchte. In Spritzwasserbereichen braucht es zusätzlich eine Abdichtung im Verbund und geeignete Untergründe, die der Hersteller freigibt.
Welche Dicke ist üblich?
Im Wohnungsbau ist 12,5 mm am häufigsten. Für zweilagige Beplankungen und Brandschutz werden auch 15 mm und 18 mm verwendet.
Was ist der Unterschied zwischen Gipskarton und Gipsfaserplatte?
Gipskarton hat einen Kartonmantel, die Gipsfaserplatte ist durchgehend aus Gips und Zellulosefasern gepresst. Sie ist härter, schwerer und feuchteunempfindlicher, aber teurer.
Wie entsorge ich Gipskartonreste?
Gipshaltige Abfälle gehören getrennt vom Bauschutt in die dafür vorgesehene Sammlung. Wertstoffhöfe und Entsorger nehmen sie meist gegen Gebühr an.
Welche Spachtelstufe brauche ich?
Das hängt von der Oberfläche ab. Unter Fliesen genügt Q1, für Raufasertapete meist Q2, für glatte Anstriche Q3 und für Lack oder Streiflicht Q4.
Verwandte Begriffe
Trockenbau, Spachtelmasse, DIN 4109, Trittschall, Verbundabdichtung









