Leitungsschutzschalter (kurz LS-Schalter, umgangssprachlich Sicherungsautomat) ist ein selbsttätig schaltendes Schutzgerät im Stromkreisverteiler. Er trennt einen Stromkreis bei Überlast thermisch und bei Kurzschluss magnetisch ab und schützt damit vor allem die Leitung vor unzulässiger Erwärmung. Er lässt sich nach dem Auslösen wieder einschalten. Gefertigt wird er für Hausinstallationen nach DIN EN 60898-1.
Das Wichtigste in Kürze
- Der LS-Schalter schützt die Leitung, nicht den Menschen. Personenschutz bei Fehlerströmen leistet der FI-Schutzschalter.
- Die Kennung wie B16 nennt Auslösecharakteristik (B, C oder D) und Nennstrom in Ampere.
- Nennstrom und Leitungsquerschnitt müssen zusammenpassen. Ein stärkerer LS-Schalter als zulässig ist gefährlich.
- Wechsel, Nachrüstung und Änderungen im Zählerschrank oder Verteiler sind Sache der Elektrofachkraft.
Definition und Abgrenzung
Ein Leitungsschutzschalter ist ein mechanisches Schaltgerät, das Strom unter normalen Bedingungen ein- und ausschalten kann und bei Überstrom selbsttätig abschaltet. Überstrom entsteht durch zwei Ursachen. Bei einer Überlast fließt dauerhaft mehr Strom als vorgesehen, etwa wenn zu viele Verbraucher an einem Kreis hängen. Bei einem Kurzschluss berühren sich Leiter mit unterschiedlichem Potential, der Strom steigt dann sehr schnell auf ein Vielfaches des Nennstroms.
Wichtig ist die Abgrenzung zu verwandten Geräten. Die klassische Schmelzsicherung (Schraubsicherung, Diazed oder Neozed) erfüllt denselben Zweck, ist aber nach dem Ansprechen zerstört und muss ersetzt werden. Der FI-Schutzschalter (Fehlerstrom-Schutzeinrichtung, RCD) misst dagegen die Differenz zwischen hin- und zurückfließendem Strom und löst bei Fehlerströmen im Milliamperebereich aus. Er erkennt keine Überlast. Beide Geräte ergänzen sich. Es gibt auch Kombigeräte (FI/LS, international RCBO), die beide Funktionen in einem Gehäuse vereinen.
Vom Leitungsschutzschalter zu unterscheiden ist außerdem der Leistungsschalter nach DIN EN 60947-2. Er ist für Industrieanlagen gedacht und wird von Fachpersonal eingestellt. Für Wohngebäude kommt der LS-Schalter nach DIN EN 60898-1 zum Einsatz, der auch von elektrotechnischen Laien bedient werden darf (Wiedereinschalten nach dem Auslösen).
Aufbau und Funktion
Im Gehäuse arbeiten zwei Auslöser auf ein gemeinsames Schaltschloss. Der thermische Auslöser ist ein Bimetallstreifen. Er erwärmt sich bei anhaltend erhöhtem Strom, biegt sich durch und löst das Schloss aus. Er reagiert träge und ist für Überlast zuständig. Der magnetische Auslöser ist eine Spule mit beweglichem Anker. Bei sehr hohen Strömen zieht das Magnetfeld den Anker an und schaltet innerhalb von Millisekunden ab. Er ist für den Kurzschluss zuständig.
Beim Abschalten entsteht ein Lichtbogen zwischen den Kontakten. Eine Lichtbogenlöschkammer mit Blechen (Deion-Kammer) zerteilt und kühlt ihn. Je höher der Kurzschlussstrom am Einbauort, desto höher muss das Schaltvermögen des Geräts sein. In Wohngebäuden sind 6 kA (6.000 A) verbreitet. Die Angabe steht als Rahmen mit Zahl auf dem Gerät.
Die Schalterstellung zeigt das Gerät sichtbar an. Ein Leitungsschutzschalter fällt in eine mittlere oder untere Stellung, wenn er ausgelöst hat. Das Wiedereinschalten ist erst nach Beseitigung der Ursache sinnvoll. Löst er sofort erneut aus, liegt ein Fehler im Stromkreis vor, und der Fachbetrieb ist gefragt.
Arten und Varianten
Die Auslösecharakteristik beschreibt, bei welchem Vielfachen des Nennstroms (In) der magnetische Auslöser anspricht. Der thermische Bereich ist bei allen Typen gleich. Nach den gängigen Datenblättern löst er bei 1,13 x In innerhalb einer Stunde nicht aus und bei 1,45 x In innerhalb einer Stunde sicher aus.
| Charakteristik | Magnetische Auslösung | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| B | 3 bis 5 x In | Steckdosen- und Lichtkreise im Wohnbereich, lange Leitungen |
| C | 5 bis 10 x In | Verbraucher mit höherem Einschaltstrom, etwa Lampengruppen, Motoren, Transformatoren |
| D | 10 bis 20 x In | Sehr hohe Einschaltströme, etwa Schweißtransformatoren, große Motoren |
Daneben gibt es mehrpolige Ausführungen. Ein einpoliger LS-Schalter schaltet nur den Außenleiter, ein dreipoliger alle drei Phasen etwa für Herd oder Wärmepumpe. Selektive Hauptleitungsschutzschalter (SLS-Schalter) sitzen am Zählerplatz und sind kurzzeitverzögert, damit sie bei Fehlern hinter ihnen später auslösen als nachgeordnete Schalter und vor der Netzbetreiber-Sicherung.
Kennwerte, Bemessung, Normen
Gängige Nennströme sind 6, 10, 13, 16, 20, 25, 32, 40, 50 und 63 A. Für die Wahl gilt als Grundsatz: Der Betriebsstrom des Stromkreises darf den Nennstrom nicht übersteigen, und der Nennstrom darf die Strombelastbarkeit der Leitung nicht übersteigen. Die Strombelastbarkeit hängt von Querschnitt, Material, Verlegeart und Häufung ab. Die genauen Werte stehen in der Reihe DIN VDE 0100 (insbesondere Teil 430 und 520). Die aktuelle Fassung ist jeweils zu prüfen.
Eine zweite Bedingung betrifft die Abschaltzeit im Fehlerfall. Im TN-System (üblich in Wohngebäuden) muss bei einem Körperschluss die Schleifenimpedanz so niedrig sein, dass der LS-Schalter innerhalb der geforderten Zeit auslöst. Bei Endstromkreisen bis 32 A sind das nach DIN VDE 0100-410 höchstens 0,4 Sekunden bei 230 V. Deshalb eignet sich Typ B für lange Leitungen besonders. Er löst früher magnetisch aus als Typ C.
Selektivität bedeutet, dass im Fehlerfall nur das Schutzgerät unmittelbar vor der Fehlerstelle abschaltet und der Rest der Anlage in Betrieb bleibt. Zwischen Schmelzsicherung und nachgeschaltetem LS-Schalter gilt: Selektiv ist die Kombination, wenn der Durchlassstrom des LS-Schalters kleiner ist als der Schmelzwert der Vorsicherung. Hersteller geben dafür Selektivitätsgrenzwerte in Tabellen an. Sie sind bei der Planung zu beachten. Zwei gleich schnelle LS-Schalter hintereinander sind nur bedingt selektiv.
Anwendung in Neubau und Bestand
Im Neubau wird jeder Stromkreis einzeln abgesichert. Typisch sind 16-A-Kreise (Typ B) für Steckdosen und Licht, getrennte Kreise für Herd, Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler sowie ein eigener Kreis für Wärmepumpe oder Wallbox. Der Fachbetrieb legt Anzahl und Aufteilung nach dem Ausstattungswert der Wohnung fest.
Im Bestand finden sich oft noch Schraubsicherungen oder gemischte Verteiler. Wer modernisiert, tauscht den Verteiler meist komplett, zum Beispiel bei einer Kernsanierung oder bei Anschluss einer Wärmepumpe. Zusätzlich muss der Hausanschluss zum Bedarf passen. Zählerschrank und Anlagenteile vor dem Zähler gehören dem Netzbetreiber beziehungsweise dürfen nur von zugelassenen Fachbetrieben bearbeitet werden.
Wichtig: Arbeiten im Verteiler, das Austauschen oder Nachrüsten von Leitungsschutzschaltern und jede Änderung der Absicherung gehören in die Hand einer Elektrofachkraft. Dazu zählt auch das Prüfen der Schleifenimpedanz. Heimwerker dürfen keine Schutzgeräte eigenmächtig wechseln. Selbst das Auswechseln gegen einen Typ mit höherem Nennstrom kann zu Leitungsbränden führen.
Kosten
Als grober Richtwert kostet ein einzelner Leitungsschutzschalter im Handel einige Euro bis etwa zwanzig Euro. Kombischalter (FI/LS) liegen deutlich höher. Der Einsatz durch den Elektrofachbetrieb wird meist nach Aufwand oder Pauschale abgerechnet und ist abhängig von Region und Anfahrt. Ein kompletter Austausch des Verteilers kostet je nach Größe und Zählerschrank-Anforderung häufig mehrere tausend Euro. Die Preise schwanken regional stark. Angebote einholen und Leistungsumfang vergleichen.
Typische Fehler und Schäden
- Überbrücken oder Austauschen gegen einen höheren Nennstrom, um ständiges Auslösen zu vermeiden. Die Leitung kann überhitzen.
- Falsche Charakteristik. Typ C an sehr langen Leitungen löst im Fehlerfall zu spät aus.
- Locker sitzende Klemmschrauben. Sie erzeugen Wärme, Verfärbungen und im Extremfall Brand.
- Überlastete Mehrfachsteckdosen und Verlängerungen hinter einem Kreis, der ohnehin stark ausgelastet ist.
- Fehlende Selektivität zwischen Hauptsicherung und Untergruppen. Dadurch fällt bei einem Defekt die ganze Wohnung aus.
- Fehlende oder unleserliche Beschriftung der Kreise im Verteiler.
Wartung und Prüfung
Leitungsschutzschalter benötigen keine Wartung im engeren Sinn, wohl aber die Anlage. Sinnvoll ist eine regelmäßige Sichtprüfung durch den Fachbetrieb auf Verfärbung, lockere Klemmen und mechanische Beschädigung, ergänzt durch Messung von Schleifenimpedanz und Isolationswiderstand. Für Privathaushalte gibt es keine pauschale gesetzliche Frist. Häufig empfohlene Intervalle liegen bei etwa vier Jahren. Gewerblich genutzte Anlagen unterliegen den Prüfpflichten der Unfallverhütungsvorschriften. Eine Prüfung nach Umbau oder Erweiterung ist in jedem Fall angeraten. Die Dokumentation (Schaltplan, Stromkreisliste) erleichtert spätere Arbeiten.
Häufige Fragen zu Leitungsschutzschalter
Was bedeutet B16 auf dem Leitungsschutzschalter?
Der Buchstabe nennt die Auslösecharakteristik, hier B. Die Zahl ist der Nennstrom in Ampere, hier 16 A. Ein B16 löst magnetisch ungefähr zwischen 48 und 80 A aus.
Worin unterscheidet sich der Leitungsschutzschalter vom FI-Schutzschalter?
Der LS-Schalter schützt die Leitung vor Überlast und Kurzschluss. Der FI-Schutzschalter erkennt Fehlerströme gegen Erde und schützt Personen vor gefährlichen Körperströmen. Beide Geräte sind nötig. Kombigeräte vereinen sie in einem Gehäuse.
Wann nimmt man Typ B und wann Typ C?
Typ B ist im Wohnbereich Standard und eignet sich besonders für lange Leitungen. Typ C wird gewählt, wenn Geräte hohe Einschaltströme erzeugen, die B unnötig auslösen würden. Die Wahl trifft die Elektrofachkraft nach Abschaltbedingung und Leitungslänge.
Darf ich einen Leitungsschutzschalter selbst wechseln?
Nein. Arbeiten im Verteiler und am Zählerschrank dürfen nur Elektrofachkräfte durchführen. Fehlerhafte Absicherung kann zu Leitungsbränden oder Stromschlägen führen. Wiedereinschalten nach einem Auslösen ist dagegen auch für Laien erlaubt.
Warum löst der Schalter immer wieder aus?
Mögliche Ursachen sind Überlast, ein defektes Gerät, ein Kurzschluss oder ein gealterter Schalter. Wenn er trotz Entfernen aller Verbraucher sofort wieder auslöst, ist ein Fachbetrieb nötig. Auf keinen Fall darf ein größerer Schalter eingesetzt werden.
Was bedeutet Selektivität bei Sicherungen?
Selektivität heißt, dass im Fehlerfall nur das Schutzgerät direkt vor der Fehlerstelle auslöst. Der übrige Teil der Anlage bleibt unter Spannung. Sie wird bei der Planung mit Herstellertabellen geprüft.
Verwandte Begriffe
FI-Schutzschalter, Potentialausgleich, Hausanschluss, Kernsanierung, Wärmepumpe









