Regentropfen auf einer Fensterscheibe vor unscharfem grünem Hintergrund

Taupunkt

Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist und Feuchtigkeit als Wasser ausfällt. Kühlt sich Luft an einer Oberfläche bis zu dieser Temperatur ab, bildet sich Kondensat. Der Taupunkt hängt von Lufttemperatur und relativer Luftfeuchte ab und ist der Schlüssel zum Verständnis von Schimmel und Tauwasser.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei 20 °C Raumtemperatur und 50 % relativer Luftfeuchte liegt der Taupunkt bei etwa 9,3 °C.
  • Je wärmer und feuchter die Raumluft, desto höher der Taupunkt und desto eher entsteht Kondensat an kalten Flächen.
  • Schimmel kann schon bei etwa 80 % relativer Feuchte an der Oberfläche wachsen, also bevor sichtbares Wasser auftritt.
  • Wärmebrücken, zu wenig Lüften und Möbel an Außenwänden sind die häufigsten Auslöser.

Was ist der Taupunkt?

Luft kann Wasserdampf aufnehmen, aber nur in begrenzter Menge. Warme Luft nimmt deutlich mehr auf als kalte. Die relative Luftfeuchte gibt an, wie viel Prozent der maximal möglichen Menge bei der aktuellen Temperatur gerade enthalten ist. Kühlt die Luft ab, steigt die relative Feuchte, obwohl die Wassermenge gleich bleibt. Bei 100 % ist die Luft gesättigt. Die dazugehörige Temperatur heißt Taupunkttemperatur.

Alltägliche Beispiele sind die beschlagene Brille beim Betreten eines warmen Raumes, ein Glas mit kalten Getränken im Sommer oder die Tropfen an der Fensterscheibe im Winter. In allen Fällen trifft feuchte, warme Luft auf eine Fläche, die kälter ist als der Taupunkt.

Taupunkt in der Praxis

Im Gebäude entsteht Kondensat an den kältesten Flächen eines Raumes. Das sind Fensterscheiben, Fensterlaibungen, Ecken von Außenwänden, Rollladenkästen oder Flächen hinter Schränken. Dort ist die Oberflächentemperatur niedriger als im restlichen Raum. Unterschreitet sie den Taupunkt der Raumluft, fällt Wasser aus. Dauerhaft feuchte Flächen sind eine Grundlage für Schimmelwachstum.

Taupunkt bei 20 Grad RaumtemperaturBalkendiagramm: Taupunkt bei 40, 50, 60 und 70 Prozent relativer Luftfeuchte bei 20 Grad Celsius.Taupunkt bei 20 °C RaumtemperaturKältere Flächen als dieser Wert beschlagen. Werte gerundet.40 % rF6,0 °C50 % rF9,3 °C60 % rF12,0 °C70 % rF14,4 °CrF = relative Luftfeuchte. Je höher die Feuchte, desto früher beschlagen kühle Flächen.
Taupunkt bei 20 °C Lufttemperatur in Abhängigkeit von der relativen Luftfeuchte (gerundete Richtwerte).

Tabelle: Taupunkt nach Temperatur und Feuchte

Raumtemperatur Relative Feuchte Taupunkt (gerundet)
20 °C 40 % 6,0 °C
20 °C 50 % 9,3 °C
20 °C 60 % 12,0 °C
20 °C 70 % 14,4 °C
18 °C 50 % 7,4 °C
22 °C 50 % 11,1 °C
24 °C 50 % 12,9 °C

Die Werte stammen aus der gängigen Näherung nach Magnus und sind Richtwerte. Für exakte Messungen gibt es Hygrometer mit Taupunktanzeige und Taupunktrechner.

Kondensat, Schimmel und Wärmebrücken

Schimmelsporen sind überall in der Luft. Sie keimen, wenn an einer Oberfläche über längere Zeit genug Feuchtigkeit vorhanden ist. In der Praxis wird dafür häufig eine relative Feuchte von etwa 80 % an der Oberfläche über mehrere Tage als kritisch angesehen. Dieser Wert liegt unterhalb von 100 %. Es muss also nicht einmal sichtbares Wasser entstehen, damit Schimmel wächst.

Die Norm DIN 4108-2 für den Wärmeschutz verlangt deshalb eine Mindest-Oberflächentemperatur an Innenseiten. Als Orientierung dient ein Temperaturfaktor von 0,70. Bei den Normrandbedingungen von 20 °C innen und minus 5 °C außen entspricht das einer inneren Oberflächentemperatur von etwa 12,6 °C. An dieser Stelle schrumpft der Abstand zum Taupunkt, wenn die Raumluft feucht ist.

Besonders gefährdet sind Wärmebrücken. Das sind Stellen, an denen Wärme schneller nach außen fließt, zum Beispiel Gebäudeecken, auskragende Balkonplatten oder ungedämmte Rollladenkästen. Dort ist die Oberfläche innen kälter. Ein guter U-Wert der Fläche allein reicht nicht, wenn Anschlüsse schlecht gedämmt sind.

Taupunkt in Bauteilen

Kondensat entsteht nicht nur an Oberflächen, sondern auch im Inneren von Wänden, Dächern und Decken. Wasserdampf wandert durch Baustoffe von der warmen zur kalten Seite, weil dort der Dampfdruck niedriger ist. Wie leicht ein Stoff Dampf durchlässt, beschreibt der Wasserdampfdiffusionswiderstand. Liegt die Taupunktebene an einer Stelle, an der der Stoff Wasser nicht verträgt, kann der Bauteilaufbau Schaden nehmen.

Das klassische Rechenverfahren dazu ist das Glaser-Verfahren nach DIN 4108-3, das für einfache Aufbauten Tauwasser und Rücktrocknung abschätzt. Für komplexere Aufbauten werden instationäre Simulationen eingesetzt. Typische Fälle sind die Innendämmung und das Dach. Eine Dampfsperre oder Dampfbremse soll verhindern, dass zu viel Raumluftfeuchte in die Konstruktion gelangt. Die Planung gehört in die Hände von Fachleuten, weil Fehler sich oft erst nach Jahren zeigen.

Erkennen und Messen

  • Beschlagene Fenster, Wasserperlen an Rahmen oder Laibungen deuten auf Kondensat hin.
  • Dunkle Verfärbungen in Ecken, hinter Schränken oder an Rollladenkästen können auf Schimmel hinweisen.
  • Ein Thermo-Hygrometer zeigt Temperatur und Feuchte, viele Geräte rechnen den Taupunkt aus.
  • Ein Infrarot-Thermometer misst die Oberflächentemperatur. Liegt sie nahe am Taupunkt, besteht Handlungsbedarf.

Vorgehen: Schritt für Schritt

  1. Raumtemperatur und relative Feuchte an mehreren Orten messen.
  2. Den Taupunkt aus Tabelle, Rechner oder Messgerät ermitteln.
  3. Oberflächentemperaturen an Ecken, Fenstern und Außenwänden vergleichen.
  4. Bei geringem Abstand zum Taupunkt die Feuchte senken, etwa durch gezieltes Lüften und Möbelabstand.
  5. Bei wiederkehrenden Problemen eine Fachperson oder einen Bausachverständigen einbinden.

Lüften und Heizen richtig abstimmen

Kurzes, kräftiges Stoßlüften mit weit geöffneten Fenstern tauscht feuchte gegen trockenere Außenluft aus, ohne Wände stark auszukühlen. Kalte Außenluft enthält absolut weniger Wasser, auch wenn sie draußen als feucht empfunden wird. Gekippte Fenster lüften schlecht und kühlen die Laibung aus. Räume sollten nicht dauerhaft stark unterheizt werden. Die Wände kühlen aus, und die Oberflächentemperatur sinkt in Richtung Taupunkt. Auch das Verhalten bei der Nachtabsenkung spielt eine Rolle. Zu starkes Absenken in schlecht gedämmten Räumen begünstigt Kondensat. Bei Dauerproblemen kann eine Wohnraumlüftung helfen.

Kosten

Ein Thermo-Hygrometer kostet grob wenige Euro bis rund 30 Euro, ein Infrarot-Thermometer einige zehn Euro. Gutachten, Messungen und Sanierungen sind regional sehr unterschiedlich und hängen von Umfang und Ursache ab. Ein Sachverständigenbesuch kostet häufig mehrere hundert Euro. Verbindliche Zahlen gibt es nur über Angebote.

Typische Fehler

  • Fenster dauerhaft kippen, statt kurz und kräftig zu lüften.
  • Möbel dicht an kalte Außenwände stellen, sodass keine Luft zirkuliert.
  • Schlafzimmer oder selten genutzte Räume stark auskühlen lassen.
  • Nasse Wäsche in der Wohnung ohne ausreichende Lüftung trocknen.
  • Nur die Oberfläche überstreichen, ohne Ursache und Feuchtequelle zu klären.
  • Innendämmung ohne Fachplanung anbringen.

Normen und Hinweise

Für den Feuchteschutz sind vor allem DIN 4108-2 (Mindestwärmeschutz) und DIN 4108-3 (klimabedingter Feuchteschutz) relevant. Für Lüftungskonzepte gilt DIN 1946-6. Ob Schimmel im Mietverhältnis ein Mangel ist und wer ihn zu verantworten hat, hängt vom Einzelfall ab. Rechtliche Bewertungen gehören zur Beratung vor Ort. Gesundheitliche Fragen klärt ein Arzt.

Häufige Fragen zum Taupunkt

Wie hoch ist der Taupunkt bei 20 °C und 50 % Luftfeuchte?

Er liegt bei etwa 9,3 °C. Flächen im Raum, die kälter sind, werden feucht. Der Wert ändert sich mit Temperatur und Feuchte.

Wann wächst Schimmel?

Schimmel braucht Feuchte an der Oberfläche. In der Praxis gelten etwa 80 % relative Feuchte an der Oberfläche über mehrere Tage als kritisch. Temperatur, Nährboden und Dauer spielen mit.

Warum beschlagen Fenster im Winter?

Die Scheibe ist innen kälter als der Taupunkt der Raumluft. Die Luft kühlt an der Scheibe ab, und Wasser kondensiert. Ältere Verglasungen sind dafür anfälliger als moderne.

Hilft Heizen gegen Kondensat?

Wärmere Wände liegen weiter über dem Taupunkt. Heizen allein genügt aber nicht, wenn die Luftfeuchte zu hoch bleibt. Wirksam sind Lüften und das Beseitigen von Wärmebrücken.

Was ist die Taupunktebene in einer Wand?

Das ist die Stelle im Bauteil, an der die Temperatur den Taupunkt der durchströmenden Luft erreicht. Dort kann Tauwasser entstehen. Der Aufbau muss so geplant sein, dass es unschädlich bleibt.

Wie messe ich den Taupunkt selbst?

Ein Thermo-Hygrometer misst Temperatur und Feuchte, viele Geräte zeigen den Taupunkt direkt an. Alternativ hilft eine Tabelle oder ein Online-Rechner. Zusätzlich lohnt der Vergleich mit der Oberflächentemperatur.

Verwandte Begriffe

Schimmel, Wärmebrücke, Wohnraumlüftung, Innendämmung, Dampfsperre

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

Siehe auch

Terrassenueberdachung-Baugenehmigung

Terrassenüberdachung Baugenehmigung: Was Eigentümer beachten müssen

Eine überdachte Terrasse verlängert die nutzbare Zeit im Freien erheblich. Regen verliert seinen Schrecken, Gartenmöbel …

Sommerlicher Hitzeschutz im Wintergarten

Wintergarten vor Überhitzung schützen: So bleibt es auch im Sommer angenehm

Ein Wintergarten lebt von Licht. Große Glasflächen öffnen den Blick in den Garten, lassen Räume …

schlafzimmer-im-altbau-renovieren

Schlafzimmer im Altbau renovieren: Wände, Dielen, Elektrik und Schallschutz richtig angehen

Hohe Decken, alte Holzdielen, breite Fensterlaibungen und massive Wände verleihen einem Schlafzimmer im Altbau einen …