leiterrecht

Renovierungsarbeiten: Wann dürfen Nachbarn aufs Grundstück?

In vielen Fällen gestaltet sich das Problem, dass Nachbargrundstücke zu nah aneinander gebaut sind. Wenn dann Reparatur- oder Renovierungsarbeiten durchgeführt werden müssen, ist häufig das Betreten des Nachbargrundstücks notwendig. In vielen Fällen führt dies auch zu Ärger und so stellt sich die Frage, wann das Recht besteht fremde Grundstücke für Handwerksarbeiten zu betreten. Fakt ist, dass man ein Betreten nicht immer verhindern kann. Grundstücksbesitzer können sich auf das Hammerschlags- und Leiterrecht berufen. Der Gesetzgeber hat somit genau geregelt, wann ein Betreten zu dulden ist und wann nicht.

Voraussetzungen für das Hammerschlags- und Leiterrecht

hammerschlagsrecht

Die Situation ist rechtlich in jedem Bundesland etwas anders geregelt. Dennoch regeln die Normen allgemein die Rechtslage beim Betreten eines Nachbargrundstücks im Falle von Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten. Die Voraussetzung in jedem Bundesland ist, dass es keine andere Möglichkeit gibt, um die Arbeiten außerhalb des Nachbargrundstücks vorzunehmen, beispielsweise über den Zaun.

Zudem muss es sich um notwendige Arbeiten handeln und nicht nur um Verschönerungsarbeiten. Wer sich somit beispielsweise einfach eine größere Terrasse oder den Umbau einer bestehenden wünscht, ohne dass dies notwendig ist, den muss der Nachbar nicht auf sein Grundstück lassen. Auch das Gesetz kann einem hierbei nicht helfen. Selbst ein Kostenersparnis stellt keinen ausreichenden Grund für die Verwendung des Nachbargrundstücks dar. Demnach müssen zunächst alle Optionen ausgeschöpft werden, bei denen eine Renovierung oder Sanierung auch ohne das Betreten von fremdem Boden möglich ist.

In vielen Fällen hängt die Situation aber auch vom Einzelfall ab. So ist einem Bauherren beispielsweise kein stark überhöhter Aufwand zuzumuten. Müsste demnach beispielsweise ein Kran gemietet werden, nur um über das Nachbargrundstück zu reichen und würde dies die Kosten für die gesamte Sanierung verdoppeln oder sogar verdreifachen, könnte sich der Bauherr auch hierbei auf das Hammerschlags- und Leiterrecht beruhen. Es muss zudem nicht immer zu rechtlichen Streitigkeiten kommen. Häufig gestatten einem Nachbarn auch das Betreten des eigenen Grundstücks.

Möglicher Schadensanspruch für den Nachbarn

nachbarsgarten

Es gilt zu bedenken, dass das Hammerschlags- und Leiterrecht nur dann geltend gemacht werden kann, wenn der Nachbar auch rechtzeitig über die notwendigen Arbeiten informiert worden ist. Wichtig hierbei ist, dass dieser über die genaue Art der Arbeiten, die Dauer und die Beeinträchtigung in Kenntnis gesetzt wurde. Dies gibt dem Nachbarn nämlich die Möglichkeit zu überprüfen, ob die Arbeiten, beispielsweise durch Einsatz eines Baggers oder eines Gerüstes wirklich geduldet werden können oder nicht. Auch könnte der Nachbar selbst Renovierungsarbeiten geplant haben. In diesem Fall müsste man einen Zeitplan erstellen, mit dem beide Nachbarn zufrieden sind. Wie lange der Nachbar im Voraus von den geplanten Arbeiten wissen muss, ist je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Die Frist beläuft sich jedoch auf rund zwei Wochen bis zwei Monate vor dem Beginn der Arbeiten. Der Nachbar hat auch die Möglichkeit die Arbeiten zu verschieben. Wird dieser hingegen jedoch nicht in Kenntnis über die anstehenden Arbeiten gesetzt und wird sein Grundstück einfach betreten, steht ihm ein Schadensanspruch zu. Das Hammerschlags- und Leiterrecht greift somit nicht automatisch.

Vorsicht bei unerlaubtem Betreten

Es gibt aber auch Fälle, in denen der Nachbar, selbst bei einer Notwendigkeit der Arbeiten, ein Betreten seines Grundstücks ablehnt. Selbst wenn das Recht hierbei auf der Seite des Bauherren ist, darf dieser das Grundstück in diesem Fall nicht einfach betreten. Dies fällt nämlich unter die Kategorie Hausfriedensbruch. Im Streitfall ist es somit notwendig sich seine Recht einzuklagen. Erst mit einem gerichtlichen Urteil muss der Nachbar die Arbeiten dulden und einem den Zutritt zu seinem Grundstück gewähren. Solch ein Rechtsstreit ist jedoch nicht nur mit Zeit, sondern auch mit weiteren Kosten verbunden. Es ist dennoch empfehlenswert sich außergerichtlich mit dem Nachbarn zu einigen.

Hinzukommt, dass bei den Arbeiten unbedingt schonen vorgegangen werden muss. So darf der Rasen des Nachbarn beispielsweise nicht mutmaßlich und absichtlich zerstört werden. Auch müssen die Arbeiten zu den vorgegebenen Zeiten durchgeführt werden. Sollten diese länger als benötigt dauern, muss auch dies zunächst von dem Nachbarn beziehungsweise dem Gericht genehmigt werden. Wer somit die Arbeiten in Eigenregie durchführen möchte, der sollte die mögliche Dauer im Voraus genau berechnen.

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Ausnahmen im Notfall

Handelt es sich um einen Notfall, beispielsweise bei Überschwemmungen oder bei Bränden, dann gestattet einem das Gesetz ein sofortiges Handeln, ohne vorherige Genehmigung durch den Nachbarn oder ein Gericht. Wichtig ist, dass durch das Betreten des Nachbargrundstücks versucht wird, die Schäden am eigenen Haus zu reduzieren oder komplett zu verhindern. Hierbei greift somit das Betretungsrecht ein. Ausgeschlossen sind natürlich Schäden, die bereits länger bestehen. Es muss sich somit um einen spontan eingetroffenen Schadensfall handeln.

Gute Nachbarschaft; Streitigkeiten verhindern

Es ist immer ratsam von Gesetz keinen Gebrauch zu machen, wenn es um Nachbarschaftatgelegenheiten geht. Viele Menschen sind überrascht zu erfahren, dass die meisten Nachbarn einem den Zugang zum eigenen Grundstück für Sanierungsarbeiten durchaus gestatten würden, wenn man ihnen die Notwendigkeit dieser Arbeiten darlegt. Sich die Erlaubnis einzuholen, ohne dabei das Gericht einzuschalten, sorgt für mehr Harmonie und auch für eine zukünftig bessere Nachbarschaft.

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