Kerndämmung bezeichnet die Dämmung des Hohlraums (Kerns) zwischen Innen- und Außenschale eines zweischaligen Mauerwerks. Im Bestand wird der Dämmstoff nachträglich durch kleine Bohrlöcher eingeblasen, im Neubau meist als Platte eingebaut. Die Ansicht der Fassade bleibt unverändert, der Wärmeverlust der Außenwand sinkt spürbar.
Das Wichtigste in Kürze
- Kerndämmung füllt den Hohlraum zweischaliger Wände und ist im Bestand meist die günstigste Form der Außenwanddämmung.
- Voraussetzung ist ein ausreichend breiter, sauberer Hohlraum, der vorab durch Bohrung und Endoskop geprüft wird.
- Der Dämmstoff muss wasserabweisend sein. Schlagregen und eine undichte Außenschale zählen zu den Hauptrisiken.
- Gesetzliche Anforderungen und Förderung ändern sich laufend, daher aktuelle Konditionen prüfen.
Definition und Abgrenzung
Ein zweischaliges Mauerwerk besteht aus einer tragenden Innenschale und einer vorgemauerten Außenschale. Die Innenschale besteht häufig aus Kalksandstein, Ziegel oder Beton. Die Außenschale ist meist ein Verblend- oder Klinkermauerwerk, das auch als Vormauerschale bezeichnet wird. Zwischen beiden Schalen liegt ein Hohlraum. Er ist bei Bestandsbauten oft 4 bis 12 cm breit. Beide Schalen sind mit Drahtankern verbunden.
Ursprünglich diente der Hohlraum als Luftschicht. Eindringendes Regenwasser sollte innen an der Außenschale ablaufen und über Öffnungen am Fuß der Wand austreten. Ruhende Luft dämmt in einem solchen Spalt nur mäßig, weil sich die Luft durch Wärmeunterschiede bewegt. Genau diesen Raum füllt die Kerndämmung. Gleichbedeutend werden die Begriffe Hohlraumdämmung und Einblasdämmung verwendet, wobei Einblasdämmung strenggenommen das Verfahren beschreibt.
Abzugrenzen ist die Kerndämmung von anderen Dämmarten der Außenwand:
- Beim Wärmedämmverbundsystem wird die Dämmung außen auf die Wand geklebt und verputzt. Die Optik der Fassade ändert sich.
- Die hinterlüftete Fassade hat eine bewusst belüftete Luftschicht hinter der Bekleidung. Die Dämmung liegt vor der tragenden Wand.
- Die Innendämmung wird raumseitig angebracht und verkleinert den Raum.
Die Kerndämmung ist nur bei Wänden mit Hohlraum möglich. Massives einschaliges Mauerwerk hat keinen Kern. Auch zweischalige Wände mit bereits gefülltem oder sehr schmalem Hohlraum eignen sich nicht.
Aufbau und Wirkprinzip
Die Dämmwirkung beruht auf der Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffs. Sie wird als Lambda-Wert in W/(m·K) angegeben. Je kleiner der Wert, desto besser dämmt das Material. Mehr dazu steht im Eintrag Wärmeleitfähigkeit. Granulate und Flocken schließen viel ruhende Luft in kleinen Zellen oder Zwischenräumen ein. Dadurch wird die Luftbewegung im Hohlraum unterbunden und die Wärme muss durch den Dämmstoff wandern.
Für die Wand als Ganzes zählt der U-Wert. In einem häufig genannten Rechenbeispiel sinkt der U-Wert einer Wand aus 24 cm Innenschale, 10 cm Hohlraum und 12,5 cm Außenschale durch Füllung mit EPS-Granulat von etwa 1,06 auf etwa 0,26 W/(m²·K). Das ist ein Beispiel, kein Garantiewert. Das tatsächliche Ergebnis hängt von Hohlraumbreite, Füllgrad, Mauerwerk und Dämmstoff ab.
Die Dämmung liegt im Kern der Wand. Deshalb bleibt die Außenschale kälter als vor der Dämmung und trocknet nach Regen langsamer. Dieser Effekt ist der Grund, warum die Dichtheit der Außenschale und ein wasserabweisender Dämmstoff so wichtig sind. Die Drahtanker durchdringen den Dämmstoff weiterhin. Sie bleiben kleine Wärmebrücken, die rechnerisch berücksichtigt werden.
Arten und Varianten
Für das nachträgliche Einblasen sind mehrere Dämmstoffe üblich. Sie müssen eine Zulassung für diesen Einsatz besitzen und wasserabweisend (hydrophob) ausgerüstet sein.
| Dämmstoff | Form | Eigenschaften | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Perlite | Granulat aus expandiertem Vulkangestein | nicht brennbar, rieselfähig, hydrophobiert erhältlich | Lambda-Wert meist etwas höher als bei EPS, Herstellerangabe maßgeblich |
| EPS-Granulat | Kügelchen aus expandiertem Polystyrol | sehr leicht, gute Dämmwirkung, wasserabweisend | brennbar, teils mit Bindemittel verklebt |
| Mineralwolle-Granulat | Flocken aus Stein- oder Glaswolle | nicht brennbar, diffusionsoffen, hydrophobiert | gleichmäßiges Einblasen erfordert Erfahrung |
| PUR-Ortschaum | Zweikomponenten-Schaum, der im Hohlraum aufschäumt | härtet aus, füllt Unebenheiten | Füllgrad und Aushärtung schwer kontrollierbar |
| Dämmplatten im Neubau | Platten aus Mineralwolle oder Hartschaum | werden beim Hochmauern eingebaut | meist mit schmaler Restluftschicht oder voll gedämmt |
Im Neubau wird die Kerndämmung beim Aufmauern als Plattenlage eingebaut. Die Schalen sind dann mit Edelstahlankern verbunden. Der Schalenabstand kann größer ausfallen als im Bestand, so dass hohe Dämmdicken möglich sind.
Voraussetzungen und Prüfung vor dem Einbau
Vor jeder Planung muss klar sein, ob und wie breit der Hohlraum ist. Dazu wird an einer unauffälligen Stelle ein kleines Loch durch die Außenschale gebohrt. Ein Endoskop, also eine kleine Kamera an einem dünnen Schlauch, zeigt den Zustand des Spalts. Zusätzlich wird die Breite mit einem Maßband oder Messstab bestimmt. Kontrolliert werden unter anderem:
- Breite und Durchgängigkeit des Hohlraums
- Mörtelbrücken, Schutt und Mörtelreste, die das Einblasen behindern
- vorhandene Dämmung, zum Beispiel Platten oder frühere Füllungen
- Zustand der Fugen und Risse in der Außenschale
- Feuchte an der Innenseite der Außenschale
- Lage der Entwässerungs- und Lüftungsöffnungen am Wandfuß
Eine Thermografie kann Hinweise auf Hohlräume und Fehlstellen liefern, ersetzt die Endoskopie aber nicht. Bei Unsicherheit hilft ein unabhängiger Bausachverständiger oder ein Energieberater.
Kennwerte, Bemessung und Normen
Die Dämmstoffe für den Hohlraum haben je nach Produkt Wärmeleitfähigkeiten im Bereich von etwa 0,035 bis 0,050 W/(m·K). Maßgeblich sind immer die Angaben aus Zulassung oder Leistungserklärung des gewählten Produkts. Die erreichbare Dämmdicke ist durch die Hohlraumbreite begrenzt. Frühere Mauerwerksnormen begrenzten den Schalenabstand auf etwa 15 cm. Im Bestand liegt die nutzbare Breite häufig zwischen 4 und 12 cm.
Der Wärmeschutz von Gebäuden wird in der Normenreihe DIN 4108 geregelt. Sie beschreibt unter anderem Mindestanforderungen und den Feuchteschutz. Nachträglich eingeblasene Dämmstoffe benötigen in der Regel eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder eine europäische technische Bewertung. Diese regelt Brandverhalten, Wasseraufnahme und Verarbeitung. Die Normtexte selbst sind urheberrechtlich geschützt und werden hier nicht wiedergegeben.
Beim Gebäudeenergiegesetz (nach der Überarbeitung 2026 als GModG geführt) bleibt die U-Wert-Anforderung für die Außenwand bei 0,24 W/(m²·K), sobald mehr als 10 % der Wandfläche geändert werden. Für Hohlraumdämmungen bestehen nach bisheriger Systematik Erleichterungen, wenn der vorhandene Hohlraum vollständig gedämmt wird. Ob und wie diese Regel aktuell gilt, sollte ein Energieberater im Einzelfall prüfen.
Anwendung in Neubau und Bestand
Im Bestand ist die Kerndämmung vor allem bei Reihenhäusern, Siedlungshäusern und Einfamilienhäusern mit Klinkerfassade verbreitet. Zweischalige Wände sind besonders in Norddeutschland und in Küstenregionen häufig, weil sie dort den Schlagregen gut abhalten. Für diese Gebäude ist die Kerndämmung oft die einzige Möglichkeit, die Fassade zu erhalten und trotzdem zu dämmen. Eine sinnvolle Ergänzung sind Fenstertausch, Dachdämmung und die Dämmung des Sockels, damit keine neuen Schwachstellen entstehen.
Im Neubau ist die Kerndämmung ein planmäßiger Teil des Wandaufbaus. Die Dämmplatten werden mit dem Mauerwerk hochgeführt, die Anker sind Teil der Statik. Mit der Kerndämmung kann der Energiestandard erreicht werden, ohne dass die Wand sehr dick wird. Eine Ausführung ganz ohne Luftschicht ist verbreitet, wenn die Dämmplatten wasserabweisend sind und die Fugen sauber gearbeitet werden.
Nach der Maßnahme verbessert sich meist auch der Wert im Energieausweis. Bei denkmalgeschützten Gebäuden kann die Kerndämmung die Fassade erhalten, braucht aber trotzdem die Abstimmung mit der Behörde (siehe Denkmalschutz).
Kosten
Die Kerndämmung gilt als die preiswerteste nachträgliche Außenwanddämmung. Als grober Richtwert werden häufig 20 bis 50 Euro je Quadratmeter Wandfläche genannt, teils auch ab etwa 15 Euro. Bei einem Einfamilienhaus mit 120 bis 150 m² Fassade ergibt das etwa 3.000 bis 9.000 Euro brutto. Die Preise hängen von Dämmstoff, Hohlraumbreite, Gebäudehöhe, Zugänglichkeit und Region ab. Hinzu kommen die Voruntersuchung mit Endoskopie und gegebenenfalls ein Gerüst bei hohen Gebäuden. Die Angaben sind Richtwerte, Angebote mehrerer Fachbetriebe einholen.
Typische Fehler und Schäden
- Die Wand hat gar keinen Hohlraum oder er ist zu schmal, die Prüfung wurde nicht gemacht.
- Der Hohlraum ist durch Mörtelbrücken oder Schutt blockiert, es entstehen ungedämmte Fehlstellen.
- Der Dämmstoff ist nicht wasserabweisend, und Feuchte sammelt sich im Kern.
- Die Außenschale hat Risse oder offene Fugen, Schlagregen gelangt in die Dämmung.
- Entwässerungsöffnungen am Wandfuß werden verschlossen, Wasser kann nicht mehr ablaufen.
- Es bleiben Lücken an Fensterlaibungen, Rollladenkästen oder Ecken, dort entstehen Wärmebrücken und Tauwasser, im ungünstigen Fall Schimmel.
- Der Dämmstoff setzt sich oder rieselt aus, weil er nicht verdichtet oder die Bohrungen nicht geschlossen wurden.
Wartung und Prüfung
Nach der Arbeit sollte der Betrieb ein Protokoll mit Dämmstoff, Menge und Verfüllgrad übergeben. Die Bohrlöcher werden mit passendem Fugenmörtel verschlossen. Eine Thermografie nach dem Einbau zeigt Fehlstellen. Danach genügt die normale Fassadenpflege: Fugen und Risse der Außenschale kontrollieren und schadhafte Stellen ausbessern. Eine zusätzliche Hydrophobierung der Außenschale sollte nur nach fachlicher Prüfung erfolgen, weil sie die Trocknung verändert. Die Unterlagen sind auch für die Gewährleistung wichtig.
Recht und Förderung
Die Dämmung der Außenwand kann über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) in der Einzelmaßnahme Gebäudehülle gefördert werden. Stand 2026 gilt eine Grundförderung von 15 %. Ein Bonus von 5 % für einen individuellen Sanierungsfahrplan wird seit der Reform vom 21.07.2026 nur für den Kostenanteil über 30.000 Euro gewährt. Antragstellung, Fachplaner und Zeitpunkt der Beauftragung unterliegen Regeln, die sich ändern können. Aktuelle Konditionen prüfen, bevor ein Auftrag erteilt wird.
Vermieter können Kosten der Modernisierung unter Umständen über die Modernisierungsumlage umlegen, abzüglich erhaltener Fördermittel. Eine rechtliche Beratung im Einzelfall ersetzt dieser Eintrag nicht.
Häufige Fragen zu Kerndämmung
Wie erkenne ich, ob mein Haus eine Kerndämmung zulässt?
Ein zweischaliges Mauerwerk erkennt man oft an Klinker- oder Verblendfassade, an Wandstärken ab etwa 35 cm und an Entwässerungsöffnungen im Sockel. Sicherheit gibt nur die Bohrung mit Endoskop. Bauunterlagen helfen als erster Hinweis.
Welcher Dämmstoff ist für die Kerndämmung geeignet?
Üblich sind hydrophobierte Granulate aus Perlite, EPS und Mineralwolle sowie Ortschaum. Die Wahl hängt von Hohlraumbreite, Brandschutz und Feuchtebelastung ab. Wichtig sind eine Zulassung für den Einsatz im Hohlraum und ein wasserabweisendes Produkt.
Wie viel spart eine Kerndämmung?
Der U-Wert einer Wand kann sich je nach Ausgangszustand und Hohlraumbreite stark verbessern, in Rechenbeispielen von etwa 1,0 auf etwa 0,3 W/(m²·K). Die tatsächliche Heizkostenersparnis hängt vom Gesamtgebäude ab. Ein Energieberater kann sie einschätzen.
Kann Kerndämmung Feuchteschäden verursachen?
Ja, wenn Außenschale undicht ist oder der Dämmstoff Wasser aufnimmt. Bei intakter Außenschale und wasserabweisendem Dämmstoff gilt das Risiko als beherrschbar. Eine Prüfung vorab und Dokumentation reduzieren es.
Was kostet eine Kerndämmung?
Als grober Richtwert werden 20 bis 50 Euro je Quadratmeter genannt. Bei einem Einfamilienhaus ergeben sich häufig einige tausend Euro. Die Preise schwanken regional, Angebote vergleichen.
Wird die Kerndämmung gefördert?
Als Teil der Gebäudehülle kann sie über die BEG förderfähig sein, Stand 2026 mit 15 % Grundförderung. Die Bedingungen ändern sich, daher aktuelle Konditionen prüfen und vor der Beauftragung klären.
Verwandte Begriffe
Wärmedämmverbundsystem, Hinterlüftete Fassade, U-Wert, Wärmeleitfähigkeit, Innendämmung









