Illustration: Wandquerschnitt mit Dämmung, Hinterlüftung und Fassadenbekleidung

Hinterlüftete Fassade

Hinterlüftete Fassade ist eine Außenwandbekleidung, bei der zwischen Wetterschutzschicht und Dämmung eine durchströmte Luftschicht liegt. Die Bekleidung hängt an einer Unterkonstruktion vor der Wand. Feuchte kann über die Luftschicht abtrocknen. Fachlich heißt sie auch vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) oder Vorhangfassade.

Das Wichtigste in Kürze

  • Aufbau: Außenwand, Dämmung, Unterkonstruktion, Hinterlüftung und Bekleidung als getrennte Schichten.
  • Die Luftschicht trocknet eindringende Feuchte ab und entlastet die Dämmung.
  • Brandschutz ist ein zentrales Planungsthema, vor allem ab Gebäudeklasse 4.
  • Gegenüber dem WDVS ist sie meist teurer, dafür langlebiger und flexibler in der Gestaltung.

Definition und Abgrenzung

Die Fassade übernimmt drei Funktionen, die konsequent getrennt werden: Die Wand trägt, die Dämmung dämmt, die Bekleidung schützt vor Wetter. Die Luftschicht dazwischen führt Feuchte ab. Das unterscheidet sie vom Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS), bei dem Dämmung und Putz fest miteinander verbunden sind. Eine einfache Holzverschalung ohne Dämmung ist ebenfalls hinterlüftet, aber keine Vorhangfassade mit dem vollen Aufbau.

Aufbau und Funktion

Schichtaufbau einer hinterlüfteten FassadeSchematischer Schnitt von außen nach innen: Bekleidung, Hinterlüftungsebene, Dämmung mit Unterkonstruktion, Außenwand.Außen (oben) bis innen (unten)BekleidungHolz, Faserzement, Metall, Naturstein, Keramik u. a.HinterlüftungLuftschicht mit Zu- und Abluft, Mindesttiefe beachtenDämmungMeist Mineralwolle, an Unterkonstruktion befestigtUnterkonstruktionHolzlatten oder Metallprofile, WandhalterAußenwandTragender Untergrund
Schematischer Aufbau einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade (nicht maßstäblich).

Unterkonstruktion

Die Unterkonstruktion trägt die Bekleidung und leitet Lasten ab. Sie besteht aus Holz-Lattungen oder Metallprofilen, etwa aus Aluminium oder verzinktem Stahl. Wandhalter bilden die Verbindung zur Wand. Je nach Dämmstärke werden sie mit thermischer Trennung ausgeführt, um Wärmebrücken zu begrenzen. Die Befestigung muss auf Tragfähigkeit des Mauerwerks geprüft werden.

Dämmung

Verwendet werden meist plattenförmige Mineralwolle-Dämmstoffe, die dicht gestoßen und vollflächig an der Wand befestigt werden. Sie sind nichtbrennbar und diffusionsoffen. Auch andere Dämmstoffe sind möglich, dann gelten Brandschutzauflagen. Die Dämmung erhält an der Außenseite oft eine Winddichtung oder ein Vlies, damit Zugluft die Dämmwirkung nicht schwächt.

Hinterlüftungsebene

Die Luftschicht entsteht durch Thermik: Warme Luft steigt auf und zieht kühlere Luft von unten nach. Zuluft- und Abluftöffnungen müssen ausreichend groß sein. Als Richtwert werden in Quellen Öffnungsquerschnitte von etwa 50 cm² je Meter genannt. Die Tiefe der Luftschicht liegt nach Angaben aus Fachquellen bei mindestens etwa 20 mm bei einfachen Verkleidungen, bei vielen Konstruktionen werden 40 mm und mehr empfohlen. Wichtig ist, dass die Luft ungehindert strömen kann. Bauteile wie Insektenschutzgitter dürfen den Querschnitt nicht verengen.

Bekleidung

Die Bekleidung bildet die Wetterhaut. Sie muss selbst nicht dicht sein. Offene Fugen sind möglich, solange dahinter eine Wasser ableitende Ebene vorhanden ist.

Arten und Varianten

Bekleidung Eigenschaften Hinweis
Holz Natürlich, leicht, brennbar Brandschutz ab Gebäudeklasse 4 beachten, Pflege der Oberfläche
Faserzement Wetterfest, vielfältige Formate Nichtbrennbare Varianten verfügbar
Metall (Aluminium, Zink, Stahl) Langlebig, schlank Hitzeausdehnung und Schalldämmung beachten
Naturstein, Keramik Hochwertig, schwer Aufwendige Befestigung
Schiefer, Ziegelplatten Traditionelle Optik Handwerkliche Verlegung
Glas, Photovoltaik-Module Moderne Optik, ggf. Energiegewinn Besondere Anforderungen

Kennwerte, Bemessung, Normen

Der Wärmeschutz folgt dem Aufbau: Die Bekleidung und die Luftschicht zählen rechnerisch nicht zur Dämmung, nur die Dämmschicht und die Wand. Wichtig ist der Zusammenhang mit dem U-Wert und der Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffs. Im Fassadenaufbau werden Befestigungspunkte, die die Dämmung durchdringen, über Zuschläge berücksichtigt. Planungsgrundlagen sind die Wärmeschutznormen, siehe DIN 4108, sowie Produktnormen und Verarbeitungsrichtlinien. Normtexte werden hier nicht zitiert. Verbindliche Zahlen stehen in Herstellerunterlagen und in der Statik.

Brandschutz

Brandschutz ist ein Kernthema, denn die Luftschicht wirkt wie ein Kamin. Ab Gebäudeklasse 4, also bei Gebäuden mit Oberkante Fußboden über 7 m, sind auch bei nichtbrennbaren Fassaden zusätzliche Maßnahmen üblich, etwa Brandsperren aus nichtbrennbarem Material. Sie unterbrechen die Luftschicht im Brandfall in definierten Abständen. Fachquellen nennen zudem Grenzen für die Tiefe der Luftschicht, bei Holzunterkonstruktion etwa höchstens 50 mm und bei Metall höchstens 150 mm, sofern die Brandschutzanforderungen so lauten. Die geltenden Landesbauordnungen und Verwaltungsvorschriften sind maßgeblich. Hier ist die Abstimmung mit Planer und Baubehörde nötig, siehe Baugenehmigung.

Vorteile und Nachteile gegenüber WDVS

  • Vorteile: Gute Feuchteabfuhr, hohe Lebensdauer der Bekleidung, große Gestaltungsvielfalt, einzelne Elemente austauschbar, meist nichtbrennbar mit Mineralwolle, Unabhängigkeit von Putzarbeiten.
  • Nachteile: Höhere Kosten, komplexere Planung, größere Aufbaudicke, Anschlüsse an Fenster und Sockel aufwendig, Brandschutzaufwand.

Im Vergleich dazu ist ein WDVS einfacher und günstiger, hat aber eine geschlossene Oberfläche, die bei Schäden komplett erneuert werden muss. Vergleiche auch den Eintrag Armierungsputz.

Anwendung in Neubau und Bestand

Im Neubau wird die Fassade zusammen mit der Wand geplant. Im Bestand eignet sie sich für Gebäude mit unebenem oder wenig tragfähigem Putz, weil die Unterkonstruktion Unebenheiten ausgleicht. Die Dämmstärke ist durch die Befestigung frei wählbar. Anschlüsse an Fenster, Dachüberstand und Sockel erfordern Vorarbeit. Bei denkmalgeschützten Bauten ist Denkmalschutz zu beachten.

Kosten

Die Kosten hängen stark von Bekleidung, Gerüst, Region und Dämmstärke ab. Fachquellen nennen für Holzfassaden Materialkosten von etwa 80 bis 150 Euro je Quadratmeter. Mit Einbau liegen vollständige Systeme oft deutlich höher und häufig über denen eines WDVS. Als grober Richtwert können 150 bis 350 Euro je Quadratmeter gelten, Natursteinfassaden darüber. Konkrete Angebote einholen.

Recht und Förderung

Das Gebäudemodernisierungsgesetz, siehe GModG, hat das Gebäudeenergiegesetz überarbeitet. Laut Berichten und der Anlage 7 gilt weiterhin ein Höchstwert von 0,24 W/(m²·K) für Außenwände, wenn Bekleidungen, Verschalungen oder Dämmschichten an einer bestehenden Wand neu angebracht oder der Außenputz erneuert wird, und mehr als 10 % der Fläche betroffen sind. Bei Erneuerung einer hinterlüfteten Fassade sind die Anforderungen im Einzelfall zu prüfen.

Förderung: Die BEG Gebäudehülle sieht eine Grundförderung von 15 % vor. Der iSFP-Bonus von 5 % gilt nur für den Kostenanteil über 30.000 Euro (Reform vom 21.07.2026). Aktuelle Konditionen prüfen.

Typische Fehler und Schäden

  • Zu geringe oder verstopfte Zu- und Abluftöffnungen.
  • Fehlende oder falsch angeordnete Brandsperren.
  • Wärmebrücken durch ungeeignete Wandhalter.
  • Lücken in der Dämmung oder nicht dicht gestoßene Platten.
  • Unzureichende Befestigung im Mauerwerk.
  • Fehlender Schutz der Holzunterkonstruktion vor Feuchte.
  • Falsche Detailausbildung am Sockel und an Fenstern.

Wartung und Prüfung

Die Fassade ist weitgehend wartungsarm. Zu prüfen sind Zu- und Abluftöffnungen, Befestigungen, Fugen und Oberflächen. Holz benötigt ggf. Pflege. Nach Sturm oder Hagel ist eine Sichtkontrolle sinnvoll. Bei Schäden an der Dämmung oder Anzeichen für Feuchte sollte ein Bausachverständiger hinzugezogen werden.

Häufige Fragen zu Hinterlüftete Fassade

Was ist eine hinterlüftete Fassade?

Eine vorgehängte Bekleidung mit Luftschicht vor der gedämmten Außenwand. Die Luft trocknet Feuchte ab, die Dämmung bleibt geschützt.

Wie breit muss die Hinterlüftung sein?

Die Tiefe hängt von Bekleidung und Brandschutz ab. Fachquellen nennen mindestens etwa 20 bis 40 mm. Verbindlich sind die Herstellerangaben und die Landesbauordnung.

Ist eine hinterlüftete Fassade besser als ein WDVS?

Sie ist feuchtetechnisch robuster und langlebiger, aber teurer und aufwendiger. Das WDVS ist günstiger. Welche Lösung passt, hängt von Budget, Gestaltung und Gebäude ab.

Was kostet eine hinterlüftete Fassade?

Grob können etwa 150 bis 350 Euro je Quadratmeter angesetzt werden. Bekleidung, Region und Gerüst verändern den Preis stark. Angebote vergleichen.

Gilt der U-Wert 0,24 auch für die Erneuerung?

Berichten zufolge gilt der Höchstwert, wenn mehr als 10 % der Wandfläche bei Erneuerung von Bekleidung oder Dämmung betroffen sind. Der Einzelfall sollte geprüft werden.

Ist eine hinterlüftete Fassade brandsicher?

Mit nichtbrennbarer Dämmung und Bekleidung sowie Brandsperren kann sie die Anforderungen erfüllen. Bei brennbaren Bekleidungen gelten strengere Regeln.

Verwandte Begriffe

Wärmedämm-Verbundsystem, U-Wert, Wärmebrücke, GModG, Kerndämmung

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

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