Gestapelte Baumaterialien und Profile auf einem Lagerplatz einer Baustoffhandlung

Baustoffe im Hochbau: Überblick, Eigenschaften, Einsatzgebiete

Kurz erklärt: Baustoffe im Hochbau lassen sich in mineralische Stoffe (Beton, Mörtel, Putz, Ziegel, Estrich), Holz, Metalle, Glas, Dämmstoffe, Naturstein und Kunststoffe einteilen. Entscheidend sind Kennwerte wie Druckfestigkeit, Rohdichte, Wärmeleitfähigkeit und Diffusionswiderstand. Welcher Baustoff passt, hängt von Funktion, Feuchtebelastung, Brandschutz, Kosten und der Verträglichkeit mit den Nachbarschichten ab.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mineralische Baustoffe (Beton, Mörtel, Putz, Mauerstein, Estrich) bilden Tragwerk, Wände und Böden und sind nicht brennbar.
  • Holz, Dämmstoffe und Kunststoffe punkten beim Wärmeschutz und Gewicht, brauchen aber Schutz vor Feuchte, Feuer oder UV-Strahlung.
  • Vier Kennwerte reichen für einen ersten Vergleich: Druckfestigkeit, Rohdichte, Wärmeleitfähigkeit und Wasserdampf-Diffusionswiderstand.
  • Es gibt keinen besten Baustoff. Jede Bauteilschicht hat eine Aufgabe, und die Schichten müssen zusammenpassen.
  • Die genannten Zahlen sind Richtwerte. Verbindlich sind Herstellerangaben, Nachweise und die Planung durch Fachleute.

Baustoffgruppen im Überblick

Ein Gebäude besteht aus vielen Schichten mit unterschiedlichen Aufgaben. Das Tragwerk leitet Lasten ab. Die Hülle schützt vor Kälte, Regen und Lärm. Der Ausbau sorgt für Nutzbarkeit und Oberfläche. Entsprechend lassen sich Baustoffe nach ihrer Herkunft und nach ihrer Funktion ordnen.

Nach der Herkunft unterscheidet man mineralische Baustoffe (Stein, Sand, Kalk, Zement, Ton), organische Baustoffe (Holz, Naturfasern, Kunststoffe), metallische Baustoffe und Glas. Nach der Funktion unterscheidet man tragende, dämmende, abdichtende, schützende und gestaltende Stoffe. Viele Baustoffe erfüllen mehrere Funktionen. Ein Hochlochziegel trägt und dämmt zugleich, Beton trägt und speichert Wärme.

Dieser Beitrag ist ein Fachüberblick. Er erklärt, was die Stoffe können und wo ihre Grenzen liegen. Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Selbermachen stehen in den verlinkten Praxis-Anleitungen des Blogs.

Mineralische Baustoffe

Mineralische Baustoffe werden aus Gestein, Sand, Kies, Kalk, Ton oder Gips hergestellt. Sie sind druckfest, nicht brennbar und sehr dauerhaft. Dafür leiten sie Wärme meist gut und sind bei Zug und Biegung empfindlich.

Zement und Beton

Zement ist ein hydraulisches Bindemittel. Er erhärtet nach Wasserzugabe auch unter Wasser und bleibt danach fest. Beton entsteht aus Zement, Gesteinskörnung (Sand, Kies, Splitt), Wasser und gegebenenfalls Zusatzmitteln. Das Verhältnis von Wasser zu Zement (Wasserzementwert) bestimmt Festigkeit und Dichtigkeit: Weniger Wasser ergibt festeren, dichteren Beton.

Normalbeton hat eine Rohdichte von etwa 2.000 bis 2.600 kg/m³ und hohe Druckfestigkeit. Seine Zugfestigkeit ist dagegen gering. Deshalb wird er für tragende Bauteile mit Stahl bewehrt. Der Stahl muss durch eine ausreichende Betondeckung vor Korrosion geschützt werden. Die Festigkeit wird in Klassen wie C20/25 oder C30/37 angegeben. Wie diese Klassen zu lesen sind, erklärt der Beitrag zu Betonsorten im Abschnitt Vertiefung.

Leichtbeton mit porösen Zuschlägen und Porenbeton erreichen deutlich geringere Rohdichten und dämmen besser, tragen aber weniger. Wer Beton selbst herstellen will, findet die Mischungsschritte in der Praxis-Anleitung zum Beton anmischen.

Mörtel und Putz

Mörtel ist ein Gemisch aus Bindemittel, Sand und Wasser ohne grobe Zuschläge. Er verbindet Steine (Mauermörtel), glättet Flächen (Putz) oder bildet Estrich. Als Bindemittel dienen Kalk, Zement, Gips oder Mischungen. Kalkhaltige Mörtel sind weicher und diffusionsoffener, Zementmörtel härter und wasserbeständiger. Die Wahl richtet sich nach dem Untergrund: Ein harter Mörtel auf weichem Altmauerwerk kann Spannungen und Risse verursachen.

Putz schützt Mauerwerk vor Witterung, gleicht Unebenheiten aus und gibt die Oberfläche vor. Man unterscheidet Unterputz und Oberputz sowie Innen- und Außenputz. Anleitungen zum Anrühren stehen in der Praxis-Anleitung zum Mörtel anmischen und in der Praxis-Anleitung zum Mörtel selbst mischen. Welcher Sand sich für welchen Zweck eignet, zeigt die Praxis-Anleitung zu Sandarten.

Mauerwerk

Mauerwerk besteht aus Steinen und Mörtel. Gängige Steinarten sind Ziegel, Kalksandsteine, Porenbeton und Leichtbeton. Ziegel werden aus Ton gebrannt. Kalksandstein entsteht aus Kalk, Sand und Wasser unter Dampfdruck. Er ist schwer und druckfest und eignet sich gut für den Schallschutz. Porenbeton ist leicht, dämmt gut und lässt sich einfach bearbeiten.

Siehe auch  Gipskarton fachgerecht montieren für perfekte Wände und Decken

Wärmedämmende Hochlochziegel und Porenbeton ermöglichen einschaliges Mauerwerk, das ohne zusätzliche Dämmung auskommen kann. Dichtere Steine wie Kalksandstein werden häufig mit einer Außendämmung kombiniert. Eine Faustregel gilt: Je höher die Rohdichte, desto höher Festigkeit, Schalldämmung und Wärmespeicherung, aber auch Wärmeleitfähigkeit.

Estrich

Estrich ist die lastverteilende Schicht im Fußboden, auf die der Belag kommt. Er wird als Verbundestrich, auf Trennlage oder schwimmend auf Dämmung verlegt. Als Bindemittel dienen Zement oder Calciumsulfat (Anhydrit). Zementestrich verträgt Feuchte besser. Calciumsulfatestrich ist ebener und eignet sich gut für Fußbodenheizungen, darf aber nicht dauerhaft nass werden. Wichtig sind die Trocknung vor dem Belegen und Bewegungsfugen.

Holz

Holz ist der wichtigste nachwachsende Baustoff. Es ist leicht, zugfest und lässt sich vielseitig bearbeiten. Nadelholz wie Fichte hat eine Rohdichte von etwa 400 bis 600 kg/m³ und eine Wärmeleitfähigkeit um 0,13 W/(m·K). Das ist deutlich besser als bei Beton oder Stein. Holz arbeitet jedoch: Es quillt und schwindet mit der Holzfeuchte, und dauerhaft hohe Feuchte führt zu Pilzbefall.

Konstruktiver Holzschutz hat Vorrang. Dazu zählen Abstand zum Boden, Abtropfkanten, Belüftung und Schutz vor Spritzwasser. Chemischer Holzschutz kommt erst danach. Im Brandfall brennt Holz, verkohlt aber an der Oberfläche gleichmäßig. Dadurch behalten dicke Querschnitte lange ihre Tragfähigkeit. Bei der Beschaffung hilft ein Herkunftsnachweis wie FSC als Hinweis auf nachhaltige Forstwirtschaft.

Holzwerkstoffe wie Spanplatten, OSB oder Brettsperrholz nutzen Holz effizienter und stabilisieren das Quell- und Schwindverhalten. Bei verklebten Platten lohnt ein Blick auf die Emissionen, etwa von Formaldehyd.

Metalle

Metalle sind fest, zäh und sowohl auf Zug als auch auf Druck belastbar. Baustahl hat eine Rohdichte von etwa 7.850 kg/m³ und eine Wärmeleitfähigkeit von rund 50 W/(m·K). Im Hochbau steckt Stahl als Bewehrung im Beton, als Träger und Stütze, als Anker und Verbinder. Betonstahl wird oft mit einer Streckgrenze von 500 N/mm² ausgeführt. Das ist ein Vielfaches der Zugfestigkeit von Beton.

Schwächen sind Korrosion und hohe Wärmeleitung. Stahlteile, die durch die Dämmebene ragen, wirken als Wärmebrücke. Im Brandfall verliert ungeschützter Stahl bei hohen Temperaturen rasch an Tragfähigkeit und braucht Brandschutzbekleidung. Rostschutz erfolgt durch Verzinken, Beschichten oder durch korrosionsbeständigen Edelstahl. Aluminium ist leichter, leitet Wärme noch besser und wird bei Fensterprofilen mit Dämmstegen thermisch getrennt. Kupfer und Zink dienen vor allem für Dachentwässerung und Eindeckungen.

Glas

Glas ist transparent, druckfest, aber spröde. Im Bauwesen ist Floatglas der Standard. Es hat eine Rohdichte von etwa 2.500 kg/m³ und leitet Wärme mit rund 1,0 W/(m·K) vergleichsweise gut. Den Wärmeschutz liefern erst Mehrscheiben-Isolierverglasungen mit Edelgasfüllung und Beschichtung. Ein einzelner Kennwert für das ganze Fenster ist der Uw-Wert, für die Verglasung allein der Ug-Wert.

Für Sicherheit gibt es Einscheibensicherheitsglas, das bei Bruch in kleine Krümel zerfällt, und Verbundsicherheitsglas, das durch eine Folie zusammenhält. Der Randverbund und die Einbaufuge sind für Dichtigkeit und Tauwasserfreiheit genauso wichtig wie die Scheibe selbst.

Dämmstoffe

Dämmstoffe senken den Wärmedurchgang durch Bauteile. Ihr Wirkprinzip ist eingeschlossene, ruhende Luft in sehr kleinen Poren oder Fasern. Die Wärmeleitfähigkeit liegt meist zwischen etwa 0,022 und 0,050 W/(m·K). Je kleiner der Wert, desto dünner kann bei gleicher Wirkung gedämmt werden. Die Wärmeleitfähigkeit ist deshalb der erste Vergleichswert.

  • Mineralische Dämmstoffe: Mineralwolle (Stein- und Glaswolle), Schaumglas, Calciumsilikat und Silikatschaum. Sie sind nicht brennbar oder schwer entflammbar.
  • Erdölbasierte Dämmstoffe: expandiertes Polystyrol (EPS), extrudiertes Polystyrol (XPS) und Polyurethan (PUR/PIR). Sie dämmen sehr gut bei geringer Dicke, sind aber brennbar und benötigen Brandschutzkonzepte.
  • Nachwachsende Dämmstoffe: Holzfaser, Zellulose, Hanf, Flachs, Kork und Schafwolle. Sie speichern Wärme besser und sind diffusionsoffen, haben aber meist etwas höhere Wärmeleitfähigkeit.

Neben der Wärmeleitfähigkeit zählen Druckfestigkeit (etwa unter Estrich oder Bodenplatte), Feuchteverhalten (Perimeterdämmung im Erdreich), Brandverhalten und der Einsatzort. Innendämmung, Aufsparrendämmung und Kerndämmung stellen jeweils eigene Anforderungen an Feuchteschutz und Dampfführung.

Siehe auch  Leicht, stabil, vielseitig: Die Vorteile von Doppelstegplatten für Carports und Terrassen

Naturstein

Naturstein ist ein gewachsenes Gestein, das gesägt, gespalten oder geschliffen wird. Granit, Basalt und Gneis sind hart und sehr druckfest. Granit erreicht Druckfestigkeiten von grob 130 bis 270 N/mm² und eine Rohdichte von etwa 2.600 bis 2.800 kg/m³. Sandstein und Kalkstein sind weicher und stark vom jeweiligen Vorkommen abhängig. Marmor ist dicht, aber säureempfindlich.

Natursteine eignen sich für Fassaden, Treppen, Bodenbeläge, Mauern und Fensterbänke. Sie sind langlebig, aber schwer, teuer und zeigen natürliche Streuung in Farbe und Festigkeit. Entscheidend sind Frostbeständigkeit im Außenbereich, Rutschhemmung und Saugverhalten. Poröse Steine nehmen Flecken leicht auf und werden daher oft imprägniert.

Kunststoffe

Kunststoffe sind im Bau vor allem als Rohre (PVC, PE, PP), Fensterprofile, Bodenbeläge, Dichtungsbahnen, Folien, Dichtstoffe und Dämmstoffe verbreitet. Sie sind leicht, korrosionsfrei, wasserfest und gut formbar. Ihre Wärmeleitfähigkeit ist mit etwa 0,2 bis 0,5 W/(m·K) niedrig, ihr Diffusionswiderstand meist hoch. Deshalb eignen sie sich für Dampfbremsen und Abdichtungen.

Nachteile sind Brennbarkeit, UV-Alterung, starke Wärmedehnung und teils geringe Steifigkeit. Reaktionsharze wie Epoxid sind sehr haftstark und chemisch beständig, brauchen aber exakte Verarbeitung. Transparente Kunststoffe wie Acrylglas ersetzen Glas, wo Bruchsicherheit und geringes Gewicht gefragt sind. Die Entsorgung und Recyclingfähigkeit sollte bei der Auswahl mitgedacht werden.

Die wichtigsten Kennwerte

Kennwerte machen Baustoffe vergleichbar. Vier davon genügen für den Einstieg.

Druckfestigkeit

Die Druckfestigkeit gibt an, welche Druckspannung ein Baustoff aushält, bevor er versagt. Sie wird in N/mm² (identisch mit MPa) angegeben. Bei Beton wird sie am Probekörper nach 28 Tagen ermittelt. Bei Mauersteinen gelten eigene Festigkeitsklassen. Hohe Druckfestigkeit bedeutet nicht automatisch hohe Zugfestigkeit: Beton und Naturstein halten viel Druck, aber kaum Zug aus.

Rohdichte

Die Rohdichte ist die Masse je Volumen einschließlich der Poren, angegeben in kg/m³. Sie beeinflusst Gewicht, Schallschutz, Festigkeit und Wärmeleitung. Dichte Stoffe sind schwer, fest und leiten Wärme gut. Poröse Stoffe sind leicht und dämmen besser.

Wärmeleitfähigkeit

Die Wärmeleitfähigkeit λ (Lambda) in W/(m·K) beschreibt, wie viel Wärme durch ein Meter dicken Baustoff bei einem Kelvin Temperaturdifferenz fließt. Kleine Werte stehen für gute Dämmung. Zusammen mit der Schichtdicke ergibt sich der Wärmedurchlasswiderstand und über alle Schichten der U-Wert des Bauteils. Die Speicherfähigkeit für Wärme ist eine eigene Größe. Sie sorgt zum Beispiel dafür, dass schwere Bauteile sommerliche Hitze abpuffern.

Wasserdampf-Diffusionswiderstand

Der Wasserdampf-Diffusionswiderstand zeigt, wie stark ein Stoff den Durchgang von Wasserdampf bremst. Die Kennzahl µ gibt an, um das Wievielfache er dichter ist als ruhende Luft. Für eine Schicht ergibt sich aus µ und Dicke der sd-Wert. Ein niedriger µ-Wert bedeutet diffusionsoffen, ein hoher diffusionsdicht. In Wänden sollte der Dampfwiderstand nach außen hin abnehmen, damit Feuchte austrocknen kann und kein Tauwasser im Bauteil ausfällt.

Vergleichstabelle der Baustoffe

Die Werte sind gerundete Richtwerte. Konkrete Produkte weichen teils deutlich ab, maßgeblich sind die Herstellerangaben.

Baustoff Rohdichte in kg/m³ Druckfestigkeit in N/mm² Wärmeleitfähigkeit in W/(m·K) µ-Wert (Richtwert)
Normalbeton 2.000 bis 2.600 ca. 12 bis 60 und mehr ca. 2,0 ca. 70 bis 150
Kalksandstein ca. 1.200 bis 2.000 ca. 12 bis 28 (Stein) ca. 0,5 bis 1,1 ca. 15 bis 25
Hochlochziegel, wärmedämmend ca. 600 bis 900 ca. 6 bis 12 (Stein) ca. 0,07 bis 0,14 ca. 5 bis 10
Porenbeton ca. 300 bis 700 ca. 2 bis 6 ca. 0,08 bis 0,18 ca. 5 bis 10
Nadelholz ca. 400 bis 600 ca. 30 bis 40 (in Faserrichtung) ca. 0,13 ca. 40 (Spanne 20 bis 50)
Baustahl ca. 7.850 Streckgrenze ab ca. 235 ca. 50 praktisch dampfdicht
Floatglas ca. 2.500 hoch, aber spröde ca. 1,0 dampfdicht
Mineralwolle ca. 15 bis 150 gering ca. 0,032 bis 0,040 ca. 1 bis 2
Polystyrol (EPS) ca. 15 bis 30 gering (nur Druckspannung) ca. 0,031 bis 0,040 ca. 20 bis 100
Granit ca. 2.600 bis 2.800 ca. 130 bis 270 ca. 2,8 sehr hoch
Siehe auch  Fermacell oder Rigips? – Die beiden Materialien im Vergleich
Wärmeleitfähigkeit typischer Baustoffe im VergleichBalkendiagramm mit logarithmischer Skala. Dämmstoff ca. 0,035, Nadelholz ca. 0,13, Glas ca. 1,0, Beton ca. 2,0, Granit ca. 2,8 und Stahl ca. 50 Watt pro Meter und Kelvin.Wärmeleitfähigkeit λ in W/(m·K), RichtwerteDämmstoffca. 0,035Nadelholzca. 0,13Glasca. 1,0Betonca. 2,0Granitca. 2,8Stahlca. 50Logarithmische Skala: Je kürzer der Balken, desto besser dämmt der Stoff.
Wärmeleitfähigkeit typischer Baustoffgruppen (Richtwerte, logarithmisch dargestellt). Ein Dämmstoff leitet Wärme etwa 60-mal schlechter als Beton.

Auswahlkriterien: So passt der Baustoff zur Aufgabe

Die Entscheidung folgt einer festen Reihenfolge. Zuerst wird die Funktion geklärt, dann werden die Randbedingungen geprüft.

  1. Funktion: Soll der Stoff tragen, dämmen, abdichten, schützen oder gestalten? Daraus folgen die maßgeblichen Kennwerte.
  2. Beanspruchung: Druck, Zug, Stoß, Verschleiß, Frost, Feuchte, Chemikalien. Außen gelten andere Anforderungen als innen.
  3. Wärme und Feuchte: Schichtaufbau, Wärmebrücken und Tauwasserrisiko prüfen. Die Anforderungen an den Wärmeschutz stehen in DIN 4108 und im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, seit 29.07.2026 Nachfolger des GEG).
  4. Brandschutz und Schallschutz: Baustoffklasse, Feuerwiderstand, Luft- und Trittschalldämmung.
  5. Verträglichkeit: Mörtel, Putz, Kleber und Dämmung müssen chemisch und mechanisch zum Untergrund passen.
  6. Dauerhaftigkeit und Pflege: Lebensdauer, Wartungsaufwand und Reparierbarkeit.
  7. Umwelt und Gesundheit: Herstellungsenergie, Herkunft, Schadstoffarmut, Rückbau und Recycling.
  8. Kosten und Verarbeitung: Materialpreis, Verarbeitungsaufwand, Verfügbarkeit und nötiges Fachwissen.

Typische Fehler bei der Baustoffwahl

  • Nur auf den Preis pro Quadratmeter schauen und Folgekosten durch Wartung, Heizkosten oder Schäden ignorieren.
  • Diffusionsdichte Schichten innen und außen kombinieren, sodass Feuchte im Bauteil eingeschlossen wird.
  • Harten Zementmörtel oder Zementputz auf weichem, historischem Mauerwerk verwenden.
  • Die Druckfestigkeit als alleinigen Qualitätsmaßstab betrachten und Zug, Biegung und Verformung vergessen.
  • Estrich oder Putz zu früh belegen oder beschichten, bevor die Restfeuchte ausreichend gesunken ist.
  • Stahl- oder Metallteile ohne thermische Trennung durch die Dämmebene führen.

Bei tragenden Bauteilen, Brandschutz und Bestandsgebäuden ersetzt dieser Überblick keine Planung. Statik, Nachweise und Genehmigungen gehören in die Hand von Tragwerksplanern, Energieberatern und Behörden.

Vertiefung

Die einzelnen Baustoffgruppen erklären diese Beiträge im Detail: Betonsorten und Festigkeitsklassen, Zementarten CEM I bis CEM V, Mörtelgruppen und Putzmörtel, Naturstein im Bau, Kies, Splitt und Körnungen und Glas im Bau. Für die Praxis helfen außerdem Beton anmischen, Mörtel anmischen und Sandarten und ihre Anwendung.

Häufige Fragen

Welche Baustoffe gelten als mineralisch?

Mineralisch sind Baustoffe, die aus Gestein, Sand, Kies, Kalk, Ton oder Gips bestehen. Dazu zählen Beton, Mörtel, Putz, Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton, Estrich und Naturstein. Sie sind in der Regel nicht brennbar und druckfest.

Was ist der Unterschied zwischen Zement und Beton?

Zement ist nur das Bindemittel, ein feines Pulver. Beton ist das fertige Gemisch aus Zement, Sand, Kies, Wasser und gegebenenfalls Zusatzmitteln. Erst durch die Gesteinskörnung entsteht ein tragfähiger, formstabiler Baustoff.

Welcher Baustoff dämmt am besten?

Dämmstoffe wie Polyurethan, Polystyrol und Mineralwolle haben die niedrigste Wärmeleitfähigkeit. Unter den tragenden Stoffen dämmen wärmedämmende Ziegel und Porenbeton am besten. Beton und Stahl leiten Wärme dagegen gut und brauchen eine zusätzliche Dämmschicht.

Warum reicht die Druckfestigkeit allein nicht zur Auswahl?

Ein Bauteil wird auch auf Zug, Biegung, Feuchte, Frost, Brand und Schall beansprucht. Ein sehr druckfester Stoff kann bei Zug versagen oder Wärme schlecht halten. Deshalb werden mehrere Kennwerte gemeinsam bewertet.

Was sagt der µ-Wert aus?

Der µ-Wert gibt an, wie stark ein Baustoff Wasserdampf im Vergleich zu ruhender Luft bremst. Niedrige Werte bedeuten diffusionsoffen, hohe Werte diffusionsdicht. Zusammen mit der Schichtdicke ergibt sich der sd-Wert, der für den Feuchteschutz im Bauteil wichtig ist.

Lassen sich Baustoffe beliebig kombinieren?

Nein. Schichten müssen mechanisch, chemisch und bauphysikalisch zusammenpassen. Ein zu harter Putz auf weichem Mauerwerk oder zwei dampfdichte Schichten übereinander führen häufig zu Rissen oder Feuchteschäden. Die Planung des Gesamtaufbaus ist entscheidend.

Weiterführende Lexikon-Begriffe

Wärmespeicherfähigkeit, U-Wert, DIN 4108, Wärmebrücke, Edelstahl, Kork, FSC, Fließestrich

Teile wenn es Dir gefällt!

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

Siehe auch

Tadelakt-wand

Tadelakt – Naturputz – Verarbeitung und Vorteile

Bei Tadelakt handelt es sich um eine Beschichtung, die auf Wänden, Fußböden und vielen anderen …

fermacell-vs-rigips

Fermacell oder Rigips? – Die beiden Materialien im Vergleich

Im Eigenheim stehen Umbaumaßnahmen im Innenbereich an? In diesem Fall sind Fermacell und Rigips für …

gipskartonplatten verarbeiten

Gipskarton fachgerecht montieren für perfekte Wände und Decken

Der Baustoff Gipskarton hat in den vergangenen drei Jahrzehnten einen beeindruckenden Siegeszug auf Baustellen aller …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert