Oberputz ist die äußerste Schicht eines mehrlagigen Putzsystems. Er wird auf den Unterputz aufgetragen und bestimmt Struktur, Optik und Farbe der Wand. Außen schützt er zusätzlich vor Regen, Frost und mechanischer Beanspruchung, innen dient er als gestaltete, oft glatte Oberfläche.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Oberputz ist die sichtbare Deckschicht über dem Unterputz und gibt der Wand Körnung, Struktur und Farbe.
- Es gibt mineralische Putze (Kalk, Kalkzement, Silikat, Lehm, Gips) und pastöse Putze (Kunstharz, Silikonharz), die gebrauchsfertig geliefert werden.
- Am Wärmedämmverbundsystem (WDVS) wird meist ein dünner pastöser Oberputz verwendet; sehr dunkle Farbtöne sind dort problematisch.
- Entscheidend für ein gutes Ergebnis sind trockener Untergrund, passendes Wetter und ein Arbeitsgang ohne sichtbare Ansätze.
Was ist ein Oberputz?
Ein Putzsystem besteht aus mehreren Lagen, die jeweils eine Aufgabe haben. Der Putzgrund (Mauerwerk, Beton oder eine Dämmplatte) wird bei Bedarf mit einem Spritzbewurf oder einer Haftbrücke vorbereitet. Darauf folgt der Unterputz, der Unebenheiten ausgleicht und die Hauptdicke liefert. Den Abschluss bildet der Oberputz. Er ist meist nur wenige Millimeter bis etwa 2 Zentimeter dick und enthält die Körnung, die die Oberflächenstruktur erzeugt. Optional folgt ein Anstrich.
Aufgaben und Eigenschaften
Der Oberputz erfüllt gestalterische und technische Aufgaben:
- Gestaltung: Struktur, Körnung, Farbe und Glanzgrad.
- Witterungsschutz: Er hält Regenwasser ab, ohne die Wand abzudichten. Wasserdampf aus dem Gebäude soll nach außen entweichen können.
- Mechanischer Schutz: Er schützt Unterputz und Dämmung vor Schlag und Abrieb.
- Trägerfunktion: Er dient als Untergrund für Farben und Lasuren.
- Feuchteverhalten: Mineralische Putze nehmen Feuchte auf und geben sie wieder ab. Kunstharzputze sind dichter und deutlich weniger diffusionsoffen.
Algen- und Pilzschutz wird bei vielen pastösen Putzen über Zusätze (Biozide) erreicht. Diese Zusätze werden mit der Zeit ausgewaschen. Der Schutz ist daher zeitlich begrenzt.
Arten von Oberputzen nach Bindemittel
| Putzart | Eigenschaften | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Kalk- und Kalkzementputz | Mineralisch, diffusionsoffen, alkalisch und dadurch schimmelhemmend | Innen und außen, Altbau, Sockelbereich (Zementanteil) |
| Silikatputz | Mineralisch gebunden (Wasserglas), sehr diffusionsoffen, wasserabweisend einstellbar | Fassaden, Altbau, mineralische Untergründe |
| Kunstharzputz | Pastös, elastisch, gebrauchsfertig, große Farbauswahl, weniger diffusionsoffen | WDVS und Fassaden, auch im Innenbereich |
| Silikonharzputz | Pastös, wasserabweisend und dennoch diffusionsoffen, schmutzunempfindlich | Fassaden und WDVS |
| Lehmputz | Natürlich, feuchteregulierend, nur geschützt vor Regen | Innenräume, Fachwerk, Altbau |
| Gipsputz | Glatt, leicht zu verarbeiten, nicht wetterfest | Nur trockene Innenräume |
Strukturen und Oberflächen
Die Struktur entsteht durch Korngröße und Bearbeitung. Geläufige Ausführungen:
| Struktur | Merkmale |
|---|---|
| Glattputz | Ebene, fein abgeriebene oder geglättete Fläche, empfindlich gegenüber Rissen und Unebenheiten |
| Reibeputz | Körnige Struktur, mit dem Reibebrett kreisend oder waagerecht abgerieben |
| Scheibenputz (Rillenputz) | Gleichmäßige Rillen durch das Verschieben der Körner mit der Kunststoffscheibe |
| Kratzputz | Nach dem Ansteifen wird die oberste Schicht mit einem Nagelbrett abgekratzt |
| Edelputz | Mineralischer Werkputz mit hochwertiger Körnung, etwa mit Marmorkörnern |
| Rollputz | Mit der Strukturrolle aufgetragen, für Innenräume und kleine Flächen gut geeignet |
| Spritzputz | Maschinell oder von Hand aufgespritzt, rustikale Oberfläche |
Anwendung in Bau und Renovierung
Fassade mit WDVS: Auf der Armierungsschicht eines Wärmedämmverbundsystems sitzt ein Dünnschicht-Oberputz. Er ist meist wenige Millimeter dick, die Körnung liegt oft bei 1,5 bis 3 Millimetern. Verwendet werden überwiegend Kunstharz-, Silikonharz- und Silikatputze.
Massive Außenwand: Hier folgt der Oberputz auf einen mineralischen Unterputz. Im Spritzwasserbereich am Sockel kommen spezielle Sockelputze zum Einsatz.
Innenräume: Je nach Wunsch Gipsputz, Kalkputz oder Lehmputz. Strukturputze lassen sich mit der Rolle auch von Heimwerkern verarbeiten. Allgemeine Hinweise zum gesamten System stehen im Eintrag zum Putz.
Altbau: Auf historischem Mauerwerk sollte der neue Putz nicht dichter und nicht fester sein als der Untergrund. Mineralische, diffusionsoffene Putze sind deshalb üblich.
Praxis-Tipps und typische Fehler
- Untergrund prüfen: Der Unterputz muss fest, sauber und trocken sein. Als Faustregel gilt eine Standzeit von etwa einem Tag je Millimeter Unterputzdicke, mindestens aber rund eine Woche. Die Herstellerangaben haben Vorrang.
- Grundierung beachten: Viele pastöse Putze verlangen eine passende Grundierung, die auch die Farbe des Putzes unterstützt.
- Wetter: Nicht bei Frost, starkem Wind, praller Sonne oder drohendem Regen arbeiten. Für Außenputze ist ein Temperaturbereich ab etwa 5 Grad Celsius üblich.
- Ohne Absetzen arbeiten: Eine Fläche wird in einem Zug fertiggestellt. Stoßstellen und Ansätze zeichnen sich sonst als Streifen ab. Ein Helfer ist bei großen Flächen sinnvoll.
- Gleiche Charge: Eimer verschiedener Chargen vorab mischen, damit Farbunterschiede nicht sichtbar werden.
- Farbtonwahl am WDVS: Sehr dunkle Fassaden heizen sich stark auf und erhöhen die thermische Spannung in der dünnen Putzschicht. Üblich ist ein Hellbezugswert von mindestens 20. Dunklere Töne nur mit ausdrücklicher Herstellerfreigabe verwenden.
- Algen an Nordseiten: Leichte Wärmedämmung und ausgekühlte Putzoberflächen bleiben nachts lange feucht. Ein ausreichender Dachüberstand und biozidarme, mineralische oder silikatische Systeme helfen.
- Risse: Haarrisse bleiben ein Schönheitsproblem. Größere Risse und hohle Stellen sollten ein Fachbetrieb beurteilen, damit keine Feuchte in die Wand gelangt.
Normen und Vorschriften
Mineralische Putzmörtel regelt DIN EN 998-1. Pastöse Putze auf Basis organischer Bindemittel, etwa Kunstharz- und Silikonharzputze, fallen unter DIN EN 15824. Planung und Ausführung beschreiben DIN EN 13914 mit der ergänzenden DIN 18550. Am WDVS gelten außerdem die Zulassungen und Systemvorgaben des Herstellers. Eine Putzfassade braucht in der Regel keine Genehmigung, Außenfarbe und Gestaltung können aber durch Ortssatzung, Gestaltungssatzung oder Denkmalschutz festgelegt sein.
Häufige Fragen zu Oberputz
Was ist der Unterschied zwischen Unterputz und Oberputz?
Der Unterputz gleicht Unebenheiten aus und bildet die tragende Putzlage. Der Oberputz ist die dünnere Deckschicht darüber, die Struktur und Farbe vorgibt und zusätzlich schützt.
Muss ein Oberputz gestrichen werden?
Nicht immer. Pastöse Putze sind meist durchgefärbt oder werden bereits abgetönt geliefert. Mineralische Oberputze werden oft zusätzlich mit Silikat- oder Kalkfarbe gestrichen, um Farbe und Widerstandsfähigkeit zu verbessern.
Welcher Oberputz eignet sich für die Außenfassade?
Für Fassaden werden meist Silikonharz-, Silikat-, Kalk- oder Kalkzementputze verwendet. Auf einem WDVS kommen vor allem Kunstharz- und Silikonharzputze zum Einsatz. Die Wahl hängt vom Untergrund, vom Systemaufbau und vom Standort ab.
Wie lange muss der Unterputz trocknen, bevor der Oberputz aufgetragen wird?
Als Faustregel etwa einen Tag je Millimeter Unterputzdicke, mindestens rund eine Woche. Bei kühlem, feuchtem Wetter dauert es länger. Verbindlich sind die Angaben des Putzherstellers.
Kann ich Oberputz selbst auftragen?
Kleine Flächen im Innenraum gelingen mit Rolle oder Traufel gut. Bei Fassaden ist das Gerüst, die Fläche ohne Absetzen und die Systemabstimmung anspruchsvoll. Dafür sollte ein Fachbetrieb beauftragt werden.
Verwandte Begriffe
Putz, Wärmedämmverbundsystem, Grundierung, Imprägnierung, Schimmel










