Kalksandsteine (Kurzzeichen KS) sind Mauersteine aus Quarzsand, Kalk und Wasser. Die gepressten Rohlinge werden im Autoklav mit Wasserdampf gehärtet. Das Ergebnis ist ein schwerer, druckfester und sehr maßgenauer Stein, der vor allem für tragende Wände, Trennwände sowie für Schall- und Brandschutz eingesetzt wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Kalksandsteine bestehen aus natürlichen Rohstoffen und werden dampfgehärtet. Sie sind nicht brennbar (Baustoffklasse A1).
- Durch die hohe Rohdichte bieten sie guten Schallschutz und viel Wärmespeichermasse, dämmen aber kaum. Außenwände brauchen deshalb zusätzliche Dämmung.
- Es gibt Voll-, Loch- und Hohlblocksteine, Plansteine für Dünnbettmörtel, Großformate und frostbeständige Verblender.
- Die Steine sind schwer und scharfkantig. Beim Schneiden entsteht quarzhaltiger Feinstaub, Atemschutz ist nötig.
Was sind Kalksandsteine?
Ein Kalksandstein ist ein künstlich hergestellter Mauerstein. Als grober Richtwert besteht die Mischung aus rund 90 Prozent Quarzsand, 6 bis 7 Prozent Branntkalk und dem Rest Wasser. Der Branntkalk (gebrannter Kalk) reagiert mit dem Wasser zu Kalkhydrat. Die Mischung reift kurz in einem Behälter und wird dann in Pressen zu Rohlingen geformt.
Anschließend härten die Rohlinge im Autoklav, einem Druckbehälter, bei etwa 160 bis 220 Grad Celsius und rund 8 bis 16 bar Wasserdampfdruck über mehrere Stunden. Dabei verbindet sich der Kalk mit der Kieselsäure des Sandes zu Calciumsilikathydraten, die die Sandkörner fest verkitten. Die Werte sind Richtwerte und hängen vom Werk ab.
Eigenschaften
- Druckfestigkeit: Kalksandsteine gibt es in den Druckfestigkeitsklassen 12, 20 und 28 (Newton pro Quadratmillimeter). Für leichtere Rohdichteklassen kommt auch die Klasse 16 vor. Das reicht für mehrgeschossige Gebäude.
- Rohdichte: Je nach Rohdichteklasse liegt sie bei etwa 1,2 bis 2,2 Kilogramm pro Kubikdezimeter. Hohe Rohdichte bedeutet viel Masse und damit guten Luftschallschutz.
- Brandschutz: Der Stein brennt nicht. Wände aus Kalksandstein können hohe Feuerwiderstandsklassen erreichen.
- Wärmeschutz: Die Wärmeleitfähigkeit liegt je nach Rohdichte ungefähr zwischen 0,5 und 1,1 W/(m·K) und damit hoch. Der Stein leitet Wärme gut und dämmt schlecht. Dafür speichert er Wärme gut (Wärmespeicherfähigkeit).
- Maßhaltigkeit: Enge Toleranzen erlauben dünne Fugen und glatte Wandflächen.
- Feuchte: Der Stein ist kein Feuchteschutz. Gegen aufsteigende Nässe sind Abdichtung und Sperrschichten nötig.
Arten und Formate
| Art | Merkmale | Einsatz |
|---|---|---|
| Vollstein (KS) | Ohne Hohlräume, hohes Gewicht, hohe Tragfähigkeit | Tragende Wände, Keller, Schallschutzwände |
| Lochstein (KS L) | Mit Lochung, leichter, etwas geringere Wärmeleitung | Außen- und Innenwände |
| Hohlblockstein (KS-Hbl) | Große Kammern, geringes Gewicht | Tragende und nichttragende Wände |
| Planstein | Für Dünnbettmörtel, Fugen von etwa 2 Millimetern | Schnelles, präzises Mauern |
| Planelement | Großformat, wird mit Versetzgerät gesetzt | Rationeller Wohnungsbau |
| Verblender und Vormauerstein | Frostbeständig, sichtbare Fläche | Sichtmauerwerk, zweischalige Außenwände |
Das Format wird häufig in Dünnformaten (DF) angegeben. Ein DF-Stein misst 240 × 115 × 52 Millimeter, größere Steine sind Vielfache davon.
Anwendung in Bau und Renovierung
- Innenwände: Tragend oder nichttragend, besonders dort, wo es auf Ruhe ankommt, etwa zwischen Wohneinheiten oder neben Heizraum und Bad.
- Außenwände: Als Außenwand wird Kalksandstein mit einem Wärmedämmverbundsystem, einer hinterlüfteten Fassade oder als zweischaliges Mauerwerk mit Kerndämmung und Verblender kombiniert. Der erreichte U-Wert hängt vor allem von der Dämmung ab.
- Brandwände: Wegen der Nichtbrennbarkeit geeignet für Haustrennwände und Brandabschnitte.
- Keller: Mit Abdichtung gegen Bodenfeuchte und drückendes Wasser geeignet. Die Abdichtung ersetzt der Stein nicht.
- Renovierung: Neue Trennwände und Durchbrüche lassen sich gut mauern. Das Gewicht belastet Decken. Die Statik muss geprüft werden, bevor schwere Wände in Altbauten ergänzt werden.
Praxis-Tipps und typische Fehler
- Mörtel: Plansteine werden in Dünnbettmörtel gesetzt, Steine mit größeren Toleranzen in Normalmörtel. Die erste Lage braucht ein exakt waagerechtes Mörtelbett, sonst wirken sich Fehler auf die ganze Wand aus.
- Schneiden: Mit dem Steinknacker oder mit einer Säge mit Diamantblatt. Beim Trennen entsteht quarzhaltiger Feinstaub. Atemschutz (mindestens FFP2), Schutzbrille und Nassschnitt oder Absaugung sind sinnvoll.
- Gewicht: Einzelne Steine und erst recht Großformate sind schwer. Hebehilfen und sichere Standflächen verhindern Rückenschäden.
- Befestigungen: In Vollsteinen halten Dübel sehr gut. In Loch- und Hohlblocksteinen sind Dübel für Hohlkammern oder Injektionsanker erforderlich. Der Steintyp sollte vor dem Bohren bekannt sein.
- Fugen: Vollständig vermörtelte Stoß- und Lagerfugen vermeiden Undichtigkeiten und Schallbrücken. Bei Schallschutzwänden dürfen keine Hohlräume in den Fugen bleiben.
- Anschlüsse: Trennwand und Decke elastisch entkoppeln, damit sich Deckenverformungen nicht als Risse abzeichnen. Außenseitig vermeidet eine durchgehende Dämmung Wärmebrücken.
- Verputzen: Plansteinwände können dünn verputzt oder gespachtelt werden. Der Putzgrund sollte nach den Angaben des Putzherstellers vorbereitet werden.
Normen und Vorschriften
Die Produkteigenschaften regelt DIN EN 771-2 in Verbindung mit der Anwendungsnorm DIN 20000-402 (früher DIN V 106). Die Bemessung des Mauerwerks erfolgt nach Eurocode 6 (DIN EN 1996). Für Wärmeschutz und Schallschutz gelten die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und der DIN 4109. Die Statik tragender Wände muss ein Tragwerksplaner nachweisen.
Häufige Fragen zu Kalksandsteinen
Woraus bestehen Kalksandsteine?
Aus Quarzsand, Branntkalk und Wasser. Ein Zusatz künstlicher Bindemittel ist nicht nötig. Die Steine härten im Autoklav unter Druck und Wasserdampf aus.
Sind Kalksandsteine gute Dämmstoffe?
Nein. Sie leiten Wärme relativ gut und dämmen kaum. Sie speichern aber viel Wärme. Außenwände werden deshalb mit einem Wärmedämmverbundsystem, einer Kerndämmung oder einer vorgehängten Fassade kombiniert.
Wie gut ist der Schallschutz von Kalksandstein?
Sehr gut, weil die hohe Masse Luftschall dämmt. Deshalb werden Kalksandsteine häufig für Wohnungstrennwände und Haustrennwände verwendet. Entscheidend sind außerdem vollständig geschlossene Fugen und fachgerechte Anschlüsse.
Kann man Kalksandstein selbst vermauern?
Kleinformate mit Dünnbettmörtel lassen sich von geübten Heimwerkern setzen, etwa für nichttragende Trennwände. Tragende Wände und Großformate gehören in die Hand eines Fachbetriebs, und die Statik muss geprüft sein.
Ist Kalksandstein für den Keller geeignet?
Ja, wenn die Wand außen sachgerecht abgedichtet und gegen aufsteigende Feuchte durch Sperrschichten geschützt wird. Für erdberührte Flächen werden Abdichtungen nach den anerkannten Regeln der Technik gefordert.
Verwandte Begriffe
Wärmespeicherfähigkeit, Wärmedämmverbundsystem, U-Wert, Putz, Aufsteigende Feuchtigkeit










