Illustration: Farbeimer mit Silikatfarbe vor einer mineralischen Wand

Silikatfarbe

Silikatfarbe ist eine mineralische Anstrichfarbe, deren Bindemittel Kaliwasserglas ist. Auf mineralischen Untergründen wie Putz oder Beton reagiert sie chemisch und verbindet sich fest mit dem Untergrund (Verkieselung). Der Anstrich ist stark diffusionsoffen, nicht filmbildend und eignet sich für Fassaden und Innenwände.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bindemittel ist Kaliwasserglas, gewonnen aus Quarzsand und Pottasche; der Anstrich verkieselt mit mineralischem Untergrund.
  • Es gibt reine Silikatfarbe als Zweikomponentensystem und Dispersionssilikatfarbe mit einem begrenzten organischen Anteil.
  • Die Farbe ist sehr wasserdampfdurchlässig, hoch alkalisch und hemmt Schimmel- und Algenwuchs.
  • Geeignet sind saugende, mineralische Untergründe; auf Dispersionsanstrichen, Kunststoffputz oder Holz haftet sie nicht.

Definition und Abgrenzung

Silikatfarbe zählt zu den mineralischen Beschichtungen. Ihr Bindemittel ist Kaliwasserglas, eine wässrige Lösung von Kaliumsilikat. Auf kalk- oder zementhaltigem Untergrund reagiert es mit dem Untergrundmaterial und bildet unlösliche Kieselverbindungen. Dieser Vorgang heißt Verkieselung. Die Farbe wird damit Teil des Untergrunds und bildet keinen Film, der abplatzen kann.

Von der Dispersionsfarbe unterscheidet sich die Silikatfarbe durch das Bindemittel: Dort hält ein Kunstharz die Pigmente zusammen und bildet einen dehnbaren, aber weniger durchlässigen Film. Von der Kalkfarbe unterscheidet sich Silikatfarbe durch die dauerhaftere Bindung. Kalkfarbe bindet über Karbonatisierung, bleibt weicher und kann kreiden. Silikatfarbe ist dagegen härter und wetterbeständiger. Von der Silikonharzfarbe, die als Bindemittel ein Silikon enthält, ist sie ebenfalls zu trennen; Silikon ist kein Silikat.

Aufbau und Wirkprinzip

Das Wirkprinzip beruht auf drei Eigenschaften. Erstens die Verkieselung: Das gelöste Silikat dringt in die Poren des Untergrunds ein und reagiert mit Calciumverbindungen. Zweitens die Alkalität: Der pH-Wert von Kaliwasserglas-Produkten liegt bei etwa 11, was Pilz- und Algenwuchs erschwert. Drittens die Porosität: Die Beschichtung lässt Wasserdampf nahezu ungehindert durch, siehe Wasserdampfdiffusionswiderstand.

Als Pigmente eignen sich nur alkalibeständige, meist anorganische Stoffe wie Eisenoxide. Daher ist die Farbpalette etwas begrenzter als bei Dispersionsfarben, und sehr intensive Töne sind schwer erreichbar. Mineralische Farben wirken optisch matt und leicht samtig. Sie tragen kaum auf und lassen die Struktur des Putzes sichtbar.

Arten und Varianten

Variante Merkmale Typischer Einsatz
Reine Silikatfarbe (Zweikomponenten) Farbpulver oder Farbe plus Fixativ, ohne organische Zusätze Denkmalpflege, Kalk- und Zementputz, Altbau
Dispersionssilikatfarbe (Einkomponenten) Fertig gemischt, enthält wenige Masseprozent organische Anteile Standardfassade, Renovierung, Innen und Außen
Sol-Silikatfarbe Kombination aus Kieselsol und Wasserglas, meist mit geringem organischem Anteil Fassaden mit höheren Anforderungen an Haftung und Wetterschutz
Silikat-Fixativ Verdünntes Kaliwasserglas als Grundierung Verfestigen und Egalisieren saugender Untergründe

Beim Zweikomponentensystem werden Farbe und Fixativ erst auf der Baustelle gemischt. Das ist aufwendiger, aber bei einer mineralisch reinen Beschichtung unverzichtbar. Die Dispersionssilikatfarbe ist werkseitig fertig gemischt. Nach den Regeln der Maler-VOB darf sie nur einen kleinen organischen Massenanteil enthalten, der in Fachquellen mit höchstens 5 Prozent angegeben wird. Sie ist einfacher zu verarbeiten und haftet auch auf leicht tragfähigen Altanstrichen besser, erreicht aber nicht die Verkieselung der reinen Variante in vollem Umfang.

Verkieselung bei SilikatfarbeSchnitt durch Putzuntergrund mit Silikatanstrich und Wasserdampf, der nach außen entweicht.Silikatanstrich auf mineralischem PutzWasserdampf entweichtSilikatanstrich, verkieseltPutz mit Poren, Bindung durch VerkieselungpH ca. 11
Schema: Das Silikat dringt in die Poren des Putzes ein, verkieselt dort und lässt Wasserdampf nach außen. Die Darstellung ist nicht maßstäblich.

Kennwerte, Bemessung und Normen

Die Maler-VOB (Teil C, allgemeine technische Vertragsbedingungen für Beschichtungsarbeiten) unterscheidet reine Silikatfarben und Dispersionssilikatfarben und legt in eigenen Worten fest, dass reine Silikatfarben keine organischen Bestandteile enthalten dürfen, während bei Dispersionssilikatfarben ein geringer organischer Anteil zulässig ist. Das ist die wichtigste normative Abgrenzung. Vertragsrechtliche Grundlagen finden sich im Eintrag VOB/B.

Für die Klassifizierung von Fassadenfarben gelten europäische Prüfmethoden, die Wasseraufnahme und Wasserdampfdurchlässigkeit einordnen. Silikatfarben liegen bei der Wasserdampfdurchlässigkeit in der besten Klasse und lassen mehr Wasser aufnehmen als filmbildende Beschichtungen. Kennwerte wie sd-Wert und Wasseraufnahmekoeffizient stehen im Datenblatt. Der Ergiebigkeitsrichtwert liegt grob bei 4 bis 7 m² je Liter und Anstrich, abhängig vom Untergrund.

Untergründe und Grundierung

Geeignet sind Kalkputz, Kalkzementputz, mineralischer Edelputz, Beton, Kalksandstein und Ziegel. Der Untergrund muss tragfähig, sauber, trocken und saugfähig sein. Lose Teile, Algen und Staub werden entfernt. Algenbewuchs ist vorher gründlich zu behandeln, sonst überlebt er unter dem Anstrich. Stark saugende oder sandende Putze werden mit verdünntem Silikat-Fixativ grundiert, damit die Farbe gleichmäßig aufzieht. Mehr zu Grundierungen im Eintrag Grundierung.

Nicht geeignet sind Dispersionsanstriche, Kunstharzputze, Lacke, Metall und Holz. Hier fehlt der mineralische Verbund. Abhilfe schaffen spezielle Haftgrundierungen und Dispersionssilikatfarbe. Auf Gipsputz und Gipskarton wird mit Kaliwasserglas nicht gearbeitet, da Gips nicht verkieselt; hier wird mit speziellen Grundierungen gearbeitet. Siehe Gipskarton.

Anwendung in Neubau und Bestand

Im Neubau wird Silikatfarbe auf mineralischem Oberputz angewendet, wenn der Putz ausreichend abgebunden und ausgetrocknet ist. Neuer Zementputz kann alkalisch ausblühen; Wartezeiten laut Herstellerangabe sind einzuhalten. Auf Außenwänden mit Wärmedämmverbundsystem gibt es dafür geeignete Silikatsysteme, sofern der Putz mineralisch oder dafür freigegeben ist.

Im Bestand und Denkmalschutz überzeugt Silikatfarbe durch Diffusionsoffenheit. Feuchte im Mauerwerk kann entweichen. Dies ist bei historischem Mauerwerk sinnvoll, hilft aber nicht gegen aufsteigende Nässe; siehe Aufsteigende Feuchtigkeit. Innen eignet sich Silikatfarbe auf Kalk- und Lehmputz. Sie ist hoch alkalisch und schimmelhemmend. Der Schutz ersetzt nicht die Beseitigung der Ursache; mehr im Eintrag Schimmel.

Verarbeitung

Silikatfarbe wird mit Rolle, Pinsel oder Spritzgerät aufgetragen. Meist sind zwei Anstriche nötig. Die Verarbeitungstemperatur liegt laut Herstellern bei etwa 5 bis 30 Grad Celsius. Direkte Sonne, Wind und Regen in der Aushärtephase sind zu vermeiden, da das Wasserglas sonst ungleichmäßig bindet. Die Verarbeitung erfordert Schutz: Die Farbe ist stark alkalisch und reizt Haut und Augen. Spritzer auf Glas, Metall, Naturstein und Keramik führen zu Verätzungen und müssen sofort abgedeckt oder entfernt werden.

Kosten

Als grober Richtwert liegen die Materialkosten bei etwa 5 bis 15 Euro je Liter, bei Premium- und Zweikomponentensystemen darüber. Hinzu kommen Fixativ, Gerüst und Vorarbeiten. Die Fassadenarbeit macht in der Regel den größeren Kostenanteil aus. Preise unterscheiden sich regional und nach Hersteller.

Typische Fehler und Schäden

  • Anstrich auf Dispersionsfarbe oder Kunstharzputz ohne geeignete Grundierung, dadurch fehlende Haftung.
  • Zu stark oder ungleich saugender Untergrund ohne Fixativ, dadurch Fleckenbildung.
  • Verarbeitung bei Sonne, Wind oder Frost, dadurch Kreiden und Abmehlen.
  • Algen nicht vorab behandelt, dadurch Neubewuchs unter dem Anstrich.
  • Zusatz von Fremdstoffen oder falsches Mischungsverhältnis bei Zweikomponentensystemen.
  • Nicht abgedeckte Glas- und Metallflächen, dadurch Verätzungen.
  • Annahme, die Farbe sperre Feuchte; sie lässt Wasser und Dampf durch.

Wartung und Prüfung

Silikatfarbe ist langlebig, weil sie nicht abblättert. Leichte Kreidung kann mit der Zeit auftreten. Eine Prüfung per Wischprobe zeigt, ob Pigmente abfärben. Bei neuen Anstrichen wird der Untergrund nur gereinigt, nicht abgeschliffen. Algenbefall an schattigen Seiten lässt sich oft mechanisch entfernen. Eine Neubeschichtung erfolgt mit gleichem System, um die Haftung zu erhalten.

Häufige Fragen zu Silikatfarbe

Worin unterscheidet sich Silikatfarbe von Dispersionsfarbe?

Silikatfarbe bindet mit Kaliwasserglas chemisch an den mineralischen Untergrund. Dispersionsfarbe bildet mit Kunstharz einen Film darauf. Silikat ist diffusionsoffener, Dispersion flexibler und in mehr Farbtönen verfügbar.

Auf welche Untergründe darf Silikatfarbe?

Auf saugende, mineralische Untergründe wie Kalkputz, Zementputz, Beton oder Kalksandstein. Auf Dispersionsfarbe, Kunstharzputz, Holz und Metall haftet reine Silikatfarbe nicht. Dispersionssilikatfarbe ist dort teils mit Spezialgrundierung möglich.

Was ist der Unterschied zwischen reiner und Dispersionssilikatfarbe?

Reine Silikatfarbe enthält keine organischen Anteile und wird als Zweikomponentensystem angeliefert. Dispersionssilikatfarbe ist fertig gemischt und darf einen kleinen organischen Anteil enthalten, in Fachquellen mit höchstens 5 Prozent angegeben.

Verhindert Silikatfarbe Schimmel und Algen?

Der hohe pH-Wert hemmt Bewuchs, verhindert ihn aber nicht dauerhaft. Bei Feuchteursachen wie Wärmebrücken oder undichter Fassade tritt Befall trotzdem auf. Die Ursache muss behoben werden.

Braucht Silikatfarbe eine Grundierung?

Bei saugenden oder sandenden Untergründen ja, meist mit Silikat-Fixativ. Das Fixativ festigt und gleicht die Saugfähigkeit aus. Gut tragfähige, gleichmäßig saugende Putze brauchen oft nur einen verdünnten Vorstrich.

Was kostet Silikatfarbe?

Als grober Richtwert etwa 5 bis 15 Euro je Liter Material. Premium- und Zweikomponentensysteme liegen darüber, regionale Preise und Gerüstkosten kommen hinzu.

Verwandte Begriffe

Dispersionsfarbe, Kalkputz, Grundierung, Wasserdampfdiffusionswiderstand, Putz

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

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