Stauchhärte ist ein Kennwert für die Festigkeit von Schaumstoffen, vor allem von Polyurethan-Weichschaum (PUR). Sie gibt in Kilopascal (kPa) an, welcher Druck nötig ist, um den Schaum auf 60 % seiner Höhe zusammenzudrücken. Je höher der Wert, desto fester fühlt sich der Schaum an und desto mehr Last trägt er.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Stauchhärte beschreibt die Festigkeit, nicht die Qualität. Weicher Schaum ist nicht automatisch schlechter.
- Zusammen mit dem Raumgewicht (Dichte in kg/m³) bestimmt sie Sitz- und Liegegefühl sowie die Haltbarkeit.
- Die Werte unterscheiden sich je nach Hersteller und Prüfverfahren. Datenblätter vergleichen, nicht nur Begriffe wie „weich“ oder „fest“.
Was ist Stauchhärte?
Bei der Prüfung wird eine Schaumprobe zusammengedrückt. Gemessen wird die Druckspannung bei 40 % Stauchung. Das Verfahren ist unter anderem in DIN EN ISO 3386-1 beschrieben. Die verwandte Eindruckhärte, bei der ein Prüfstempel in den Schaum drückt, regelt DIN EN ISO 2439. Beide Werte sind nicht ohne Weiteres austauschbar.
Ein Schaum mit höherer Stauchhärte verformt sich bei gleicher Last weniger. Er fühlt sich fester an. Mit „dauerhafter Verformung“ hat der Wert nichts zu tun. Wie gut ein Schaum nach Dauerbelastung zurückfedert, wird getrennt geprüft, zum Beispiel über den Druckverformungsrest.
Stauchhärte und Raumgewicht
Das Raumgewicht gibt an, wie viel Schaummaterial in einem Kubikmeter steckt. Es ist ein eigener Kennwert. Bei gleicher Stauchhärte hält Schaum mit höherem Raumgewicht meist länger und zeigt später Liegekuhlen. Beide Werte gehören deshalb zusammen in die Auswahl. Bei Polsterschäumen für Sitzmöbel und Matratzen sind Raumgewichte im Bereich von rund 30 bis 60 kg/m³ üblich (Richtwert).
Richtwerte für die Auswahl
Hersteller geben Stauchhärten bei PUR-Polsterschaum meist im einstelligen bis niedrigen zweistelligen kPa-Bereich an. Die folgende Tabelle ist ein grober Richtwert. Maßgeblich bleibt das Datenblatt des jeweiligen Produkts.
| Einstufung | Stauchhärte (grober Richtwert) | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| Weich | unter etwa 3 kPa | Rückenkissen, Zierkissen, Auflagen |
| Mittel | etwa 3 bis 5 kPa | Sitzpolster, Kindermatratzen, Topper |
| Fest | etwa 5 bis 8 kPa | Sitzflächen mit hoher Beanspruchung, feste Matratzen |
| Sehr fest | über etwa 8 kPa | Stützschichten, Spezialpolster, Transportschutz |
Der Wert lässt sich nicht direkt auf andere Schaumarten übertragen. Kaltschaum, Viskoschaum, Latex und Polyetherschaum haben eigene Kennlinien. Der Vergleich gelingt nur innerhalb derselben Schaumart.
Anwendung in Wohnen und Renovierung
- Polstermöbel neu beziehen: Beim Auffüllen von Sitzkissen sollte die Stauchhärte zum Original passen. Für die Rückenlehne eignet sich ein weicherer Schaum als für die Sitzfläche.
- Bank- und Gartenkissen, Wohnwagen, Boot: Hier sind feste, formstabile Schäume sinnvoll. Wichtig sind außerdem Bezug und Feuchteschutz.
- Matratzen und Topper: Das Körpergewicht und die bevorzugte Schlafposition bestimmen die passende Festigkeit. Ein Probeliegen ersetzt keine Datenblätter, ergänzt sie aber.
- Trittschall und Akustik: Weichschaum kann zur Schalldämpfung dienen, ersetzt aber keine geprüfte Trittschalldämmung unter dem Estrich. Für Dämmstoffe gelten eigene Kennwerte wie die Druckspannung bei 10 % Stauchung nach DIN EN 826.
Praxis-Tipps und typische Fehler
- Nicht nur nach „weich“ oder „hart“ kaufen. Stauchhärte und Raumgewicht beim Händler erfragen.
- Mehrschichtig denken: unten fester Schaum für Stabilität, oben weicherer Schaum für Komfort.
- Zuschnitt nach Maß ist bei vielen Anbietern möglich. Dabei dem Zuschnitt 1 bis 2 cm Übermaß zugeben, damit das Polster im Bezug straff sitzt.
- Alter Polsterschaum wird mit der Zeit mürbe und bröselt. Dann hilft keine Wahl der Stauchhärte, der Schaum muss ersetzt werden.
- Brandschutz beachten: In Wohnräumen gibt es für Polster keine pauschale Pflicht. In öffentlichen Bereichen, Fahrzeugen oder Gewerbe gelten aber oft besondere Anforderungen. Mehr dazu bei Flammschutzmittel.
Häufige Fragen zu Stauchhärte
Was bedeutet eine hohe Stauchhärte?
Ein hoher Wert heißt, dass viel Druck nötig ist, um den Schaum zusammenzudrücken. Der Schaum fühlt sich fest an und trägt mehr Last. Ob er bequem ist, hängt vom Einsatz und vom Körpergewicht ab.
Ist die Stauchhärte dasselbe wie der Härtegrad bei Matratzen?
Nicht ganz. Härtegrade (H1 bis H5) sind Herstellerangaben, meist an Körpergewicht gekoppelt, und nicht einheitlich genormt. Die Stauchhärte ist ein gemessener Kennwert des Schaums. Zwei Matratzen mit gleichem Härtegrad können sich daher anders anfühlen.
Welche Rolle spielt das Raumgewicht?
Das Raumgewicht beschreibt die Dichte des Schaums. Es beeinflusst vor allem die Haltbarkeit. Bei gleicher Stauchhärte hält dichterer Schaum meist länger.
Wird die Stauchhärte mit der Zeit geringer?
Schaum ermüdet bei Dauerbelastung und wird weicher. Wie stark, hängt von Schaumart, Raumgewicht und Nutzung ab. Ein hohes Raumgewicht verlangsamt diesen Effekt.
Verwandte Begriffe
Zugfestigkeit, Flammschutzmittel, Trittschall, Polyester, Kork










