DIN 4108 ist die mehrteilige Normenreihe zu Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden. Sie legt Mindestanforderungen an die Dämmung der Hülle fest, regelt den klimabedingten Feuchteschutz, nennt Bemessungswerte für Baustoffe und beschreibt Anforderungen an Dämmstoffe. Ziel ist ein gesundes Raumklima ohne Tauwasser und Schimmel.
Das Wichtigste in Kürze
- DIN 4108 ist eine Reihe mit mehreren Teilen, nicht eine einzelne Norm.
- Teil 2 behandelt den Mindestwärmeschutz, Teil 3 den klimabedingten Feuchteschutz, Teil 4 die Bemessungswerte, Teil 10 die Dämmstoffe.
- Die energetischen Anforderungen an Neubau und Sanierung stehen im Gebäudeenergierecht (GModG), nicht in DIN 4108.
- Den verbindlichen Normtext gibt es beim Beuth Verlag. Der aktuelle Stand der Teile sollte geprüft werden.
Anwendungsbereich und Abgrenzung
DIN 4108 gilt für Gebäude, die beheizt oder gekühlt werden. Sie betrifft vor allem die wärmeübertragende Hülle: Außenwände, Dach, oberste Geschossdecke, Kellerdecke, Fenster und Türen. Die Reihe beantwortet zwei Grundfragen. Erstens: Wie viel Wärmeschutz ist mindestens nötig, damit Bauteile hygienisch einwandfrei bleiben? Zweitens: Wie bleibt Feuchte, die durch Raumluft und Klima entsteht, im unschädlichen Bereich?
Wichtig ist die Abgrenzung. DIN 4108 ist keine Energiesparverordnung. Wie niedrig der Energiebedarf eines Hauses sein muss, regelt das Gebäudeenergierecht. Das Gebäudeenergiegesetz wurde zum 29.07.2026 in überarbeiteter Form als Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) fortgeführt. Details sind im Einzelfall zu prüfen. Die technischen Nachweise stützen sich aber weiterhin auf Normen wie DIN 4108. Die Abdichtung gegen Wasser von außen ist ein anderes Thema, siehe DIN 18533. Der Schutz gegen Lärm folgt DIN 4109.
Aufbau und Systematik
Die Reihe ist seit den 1950er-Jahren gewachsen. Heute bilden mehrere Teile und Beiblätter ein Gesamtsystem. Nach Angaben von Baunetzwissen sind vier Teile bauaufsichtlich über die Technischen Baubestimmungen eingeführt: Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 10. Die übrigen Teile und Beiblätter dienen als Hilfen und Berechnungsgrundlagen.
| Teil | Thema | Kurz erklärt |
|---|---|---|
| Teil 2 | Mindestanforderungen an den Wärmeschutz | Mindestdämmung, Wärmebrücken, sommerlicher Wärmeschutz |
| Teil 3 | Klimabedingter Feuchteschutz | Anforderungen und Berechnungsverfahren zu Tauwasser und Austrocknung |
| Teil 4 | Wärme- und feuchtetechnische Bemessungswerte | Rechenwerte für Baustoffe und Bauteile |
| Teil 7 | Luftdichtheit | Anforderungen und Hinweise zur Ausführung |
| Teil 10 | Anwendungsbezogene Anforderungen an Dämmstoffe | Eignung von Dämmstoffen je Einsatzgebiet |
| Beiblatt 2 | Wärmebrücken | Planungs- und Ausführungsbeispiele |
Die Ausgabedaten ändern sich und unterscheiden sich je Teil. Für Teil 2 wird häufig die Ausgabe 2013 genannt. Ob eine neuere Fassung vorliegt, ist vor Verwendung beim Beuth Verlag oder in den Technischen Baubestimmungen des jeweiligen Bundeslandes zu prüfen. Eine 2026er Neuausgabe ist für die Reihe nicht belegt.
Zentrale Begriffe und Kennwerte
Mindestwärmeschutz
Der Mindestwärmeschutz soll verhindern, dass sich an der Innenseite von Außenbauteilen Tauwasser oder Schimmel bildet. Für flächige Bauteile geschieht das über Mindestwerte des Wärmedurchlasswiderstands. Für Wände wird in Fachquellen häufig ein Wert von mindestens 1,2 m²K/W genannt. Das ist ein Richtwert aus der Literatur und kann je nach Bauart und Masse abweichen.
Temperaturfaktor
Für Wärmebrücken wird der Temperaturfaktor fRsi herangezogen. Fachquellen nennen als Mindestwert 0,70. Er beschreibt, wie warm die Innenoberfläche an kritischen Stellen im Verhältnis zur Differenz zwischen innen und außen bleibt. Ein höherer Wert bedeutet geringere Schimmelgefahr. Mehr zur Ursache steht unter Wärmebrücke.
Feuchteschutz und Tauwasser
Teil 3 behandelt die Frage, ob Wasserdampf aus der Raumluft im Bauteil kondensieren kann und wie das Bauteil wieder austrocknet. Dafür zählen Taupunkt, Wasserdampfdiffusionswiderstand und die Lage der Schichten. Ein bekanntes Rechenverfahren ist das Glaser-Verfahren. Moderne Bauteile werden häufig mit genaueren Simulationen untersucht. Schichten wie Dampfsperre oder Dampfbremse sind Teil dieser Planung.
Bemessungswerte
Teil 4 liefert Rechenwerte, mit denen Planer Bauteile bewerten, zum Beispiel die Wärmeleitfähigkeit von Baustoffen. Daraus lässt sich der U-Wert berechnen. Nur mit passenden Rechenwerten ist ein Nachweis nachvollziehbar.
Sommerlicher Wärmeschutz
Teil 2 enthält auch Nachweisverfahren für den sommerlichen Wärmeschutz. Entscheidend sind Fensterflächen, Sonnenschutz und die Speichermasse. Einen Einblick in die Speicherwirkung gibt Wärmespeicherfähigkeit.
Bedeutung für Planung, Handwerk und Bauherren
Im Neubau fließen die Teile in den Wärmeschutznachweis ein. Planer prüfen die Bauteile der Hülle auf Mindestwärmeschutz, Wärmebrücken, Tauwasser und sommerliche Überhitzung. Die Ergebnisse gehen in den Energieausweis und in Kennzahlen wie den Jahres-Primärenergiebedarf ein. Die Luftdichtheit der Hülle wird oft mit einem Blower-Door-Test überprüft, siehe auch Luftdichtheit.
Handwerker begegnen der Norm in Details. Dämmstoffe müssen für den Einsatzort geeignet sein. Das gilt für die Dachdämmung, die Zwischensparrendämmung oder das Wärmedämmverbundsystem. Anschlüsse, Fensterlaibungen und Rollladenkästen sind typische Wärmebrücken. Die Einbauebene und die Dichtungen müssen durchgängig sein.
Im Bestand ist die Innendämmung ein Beispiel, bei dem Feuchteschutz kritisch wird. Die Dämmung verschiebt den Taupunkt in die Wand. Ohne passende Planung kann Tauwasser hinter der Dämmung entstehen. Bei Sanierungen gelten die Anforderungen des Energierechts und gegebenenfalls Förderbedingungen wie die BEG. Mehr dazu steht in den jeweiligen Einträgen.
Typische Fehler und Missverständnisse
- Mindestwärmeschutz wird mit energetisch guter Dämmung gleichgesetzt. Er ist nur die untere Grenze.
- Wärmebrücken werden vergessen. Gerade Ecken, Balkonplatten und Fensteranschlüsse bleiben kalt.
- Dampfbremsen werden falsch eingesetzt. Eine zu dichte Folie kann die Austrocknung blockieren.
- Luftdichtheit und Dampfdiffusion werden verwechselt. Beides sind getrennte Eigenschaften.
- Schimmel wird nur auf Lüftungsverhalten geschoben. Auch Bauphysik spielt eine Rolle, siehe Schimmel.
- Veraltete Normfassungen werden verwendet.
Verhältnis zu verwandten Normen und Gesetzen
Das Gebäudeenergierecht (GModG, vorher GEG) legt Anforderungen an den Energiebedarf fest und verweist für Berechnungen auf Normen. DIN 4108 liefert den Teil zum Mindestwärmeschutz und zur Feuchte. Die Berechnung des Energiebedarfs folgt anderen Normen. Zusammen bilden sie den Nachweis. Die DIN 4109 ergänzt den Schallschutz. Ob DIN 4108 im Einzelfall rechtlich verbindlich ist, entscheidet das Bauordnungsrecht des Landes oder der Vertrag. Dies ist keine Rechtsberatung.
Hinweise zum Bezug der Norm
Die Teile der Reihe sind urheberrechtlich geschützt und kostenpflichtig. Der verbindliche Wortlaut ist beim Beuth Verlag (DIN Media) erhältlich. Dieser Eintrag erklärt die Inhalte nur in eigenen Worten. Kennwerte wie 1,2 m²K/W oder 0,70 sind Richtwerte aus Fachquellen und müssen anhand der gültigen Fassung geprüft werden.
Kosten- und Haftungsaspekte
Ein sauberer Feuchteschutznachweis kostet wenig im Vergleich zu Schäden. Schimmel, Tauwasser im Dach oder durchfeuchtete Dämmung führen zu teuren Sanierungen. Haftung betrifft Planer und ausführende Betriebe. Die Gewährleistung richtet sich nach Vertrag und Gesetz. Ein Bausachverständiger kann bei Schäden die Ursache klären.
Häufige Fragen zu DIN 4108
Was regelt DIN 4108?
Die Reihe regelt Wärmeschutz und Feuchteschutz im Hochbau. Sie enthält Mindestanforderungen an die Dämmung, Verfahren zum Tauwasserschutz, Bemessungswerte und Anforderungen an Dämmstoffe.
Aus wie vielen Teilen besteht DIN 4108?
Nach Fachquellen besteht sie im Kern aus zehn Teilen und mehreren Beiblättern. Bauaufsichtlich eingeführt sind vor allem die Teile 2, 3, 4 und 10. Welche Teile gelten, sollte man prüfen.
Was ist der Mindestwärmeschutz?
Er ist die Dämmung, die nötig ist, damit Innenflächen von Außenbauteilen bei üblicher Nutzung nicht durch Tauwasser und Schimmel geschädigt werden. Er ersetzt keine energetische Optimierung.
Ersetzt das Gebäudemodernisierungsgesetz die DIN 4108?
Nein. Das GModG regelt Energieanforderungen. Die Norm liefert dafür technische Grundlagen und Mindestwerte zum Feuchteschutz. Beide Regelwerke ergänzen sich.
Ist die Norm kostenlos?
Nein. Sie ist kostenpflichtig und beim Beuth Verlag (DIN Media) erhältlich. Der Text ist urheberrechtlich geschützt.
Muss ich als Bauherr die Norm kennen?
Nicht im Detail. Wichtig ist, dass Planer und Betriebe die Regeln anwenden und im Vertrag festgehalten wird, nach welchem Stand gearbeitet wird. Rückfragen zum Nachweis sind sinnvoll.









