Armierungsputz ist die Schicht eines Wärmedämm-Verbundsystems, die auf der Dämmplatte liegt und ein alkalibeständiges Glasfasergewebe einbettet. Sie nimmt Zug- und Schubspannungen auf, überbrückt feine Risse und trägt den Oberputz. Die Armierungsschicht ist damit kein Dekorputz, sondern ein tragender Teil des Systems.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Armierungsputz besteht aus einem mineralischen oder kunstharzgebundenen Armierungsmörtel und einem eingebetteten Glasfasergewebe.
- Das Gewebe liegt im äußeren Drittel der Schicht und muss vollständig überdeckt sein.
- Überlappungen, Eckausbildung und Diagonalarmierung an Öffnungen sind die kritischen Details.
- Er ist von Unterputz und Oberputz zu unterscheiden: Er hat eine eigene Funktion und gehört zu einem geprüften Gesamtsystem.
Definition und Abgrenzung
Der Begriff stammt aus dem Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS). Dort bezeichnet er die dünne Putzlage direkt auf den Dämmplatten. Armieren heißt bewehren: Das Gewebe wirkt wie eine Bewehrung und verteilt Spannungen in der Fläche. Der Mörtel schützt das Gewebe vor Feuchte und Beschädigung und bildet den Haftgrund für die nächsten Schichten.
Die Abgrenzung zu anderen Putzlagen ist wichtig:
- Unterputz gleicht Unebenheiten des Mauerwerks aus, ist meist deutlich dicker und kommt ohne Dämmschicht aus. Er ist der Teil eines klassischen Putzaufbaus, siehe Putz.
- Armierungsputz sitzt auf der Dämmung, ist dünn und enthält ein Gewebe.
- Oberputz bildet die sichtbare Struktur und den Witterungsschutz, siehe Oberputz. Er wird nach einer Grundierung auf die ausgehärtete Armierungsschicht aufgebracht.
Im Alltag wird oft von Armierungsmörtel, Armierungsmasse oder Armierungsspachtel gesprochen. Gemeint ist dasselbe Prinzip, die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Hersteller und Bindemittel.
Aufbau und Funktion
Die Dämmplatte ist selbst weich und wenig zugfest. Temperaturwechsel, Feuchte und Windlasten erzeugen Spannungen in der Außenhaut. Die Armierungsschicht fängt diese ab. Der Mörtel leitet Druckkräfte, das Gewebe übernimmt Zugkräfte. Zusammen entsteht eine Schicht, die feine Risse im Untergrund überbrücken kann und Risse im Oberputz begrenzt.
Der Schichtaufbau
Die Dämmplatten werden verklebt, teils zusätzlich gedübelt. Dann folgt die Armierungsschicht in zwei Arbeitsgängen: Zuerst wird Mörtel flächig aufgezogen, das Gewebe wird in das frische Material eingebettet und glatt gezogen. Anschließend wird das Gewebe überspachtelt, bis es nirgends mehr sichtbar ist. Die Fläche wird eben abgezogen, damit der Oberputz gleichmäßig aufgetragen werden kann.
Schichtdicke
Die Dicke hängt vom System ab. Als Richtwert werden je nach Produkt etwa 3 bis 6 mm genannt, einzelne Systeme verlangen eine Mindestdicke von rund 5 mm nach Abschluss der Armierung. Maßgeblich ist stets die Herstellervorgabe des jeweiligen Systems. Zu dünne Schichten lassen das Gewebe durchscheinen oder reißen. Zu dicke Schichten trocknen ungleichmäßig und neigen zu Schwindrissen.
Lage und Überlappung des Gewebes
Das Gewebe liegt im äußeren Drittel der Schicht, also näher am Oberputz als an der Dämmung. Die Bahnen werden mit Überlappungen von etwa 10 cm verlegt, häufig werden 10 bis 12 cm genannt. Falten und Lufteinschlüsse sind zu vermeiden, weil sie später Hohlstellen und Risse verursachen.
Ecken, Kanten und Öffnungen
An Gebäudeecken wird das Gewebe um die Kante geführt, oft ergänzt durch Eckschutzprofile mit Gewebefahne. Anschlüsse an Fenster erhalten Anputzleisten, die den Übergang abdichten. An den Ecken von Fenstern und Türen entstehen durch Kerbwirkung die meisten Risse. Deshalb wird dort eine Diagonalarmierung eingelegt: zusätzliche Gewebestreifen im Winkel von 45 Grad zur Öffnungsecke. Als Richtwert nennen Systemanbieter Streifen von etwa 20 x 40 cm bis 25 x 50 cm. Fertige Armierungspfeile erfüllen denselben Zweck.
Arten und Varianten
| Variante | Bindemittel | Merkmale |
|---|---|---|
| Mineralischer Armierungsmörtel | Zement, Kalk | Diffusionsoffen, nichtbrennbar, häufig bei Mineralwolle-Dämmung |
| Organische Armierungsmasse | Kunstharz-Dispersion | Gebrauchsfertig, flexibler, empfindlicher gegenüber Feuchte beim Auftrag |
| Zweilagig bei hoher Beanspruchung | je nach System | Zusätzliche Gewebelage oder Panzergewebe im Sockel- und Erdgeschossbereich |
| Dünnschicht-Armierung | meist Spachtelmasse | Geringe Dicke, nur bei dafür freigegebenen Systemen |
Zum Gewebe selbst: Es besteht aus Glasfasern mit alkalibeständiger Beschichtung, weil Zement- und Kalkmörtel stark alkalisch reagieren. Das Gewebe muss zum System passen. Die Verwendung fremder Gewebe kann die Systemzulassung hinfällig machen.
Kennwerte, Bemessung, Normen
Ein WDVS gilt als Bausatz. Es wird in der Regel über eine europäische technische Bewertung oder eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung geregelt. Darin sind alle Komponenten festgelegt, auch Armierungsmörtel und Gewebe. Es gibt Normen für die Bestandteile, etwa zu Putzmörteln, und Verarbeitungsnormen für WDVS. Wichtige Prüfgrößen sind die Haftzugfestigkeit der Armierungsschicht auf der Dämmung, die Wasseraufnahme, die Schlagfestigkeit und die Zugfestigkeit des Gewebes, vergleiche Zugfestigkeit. Die genauen Zahlenwerte stehen in den Systemunterlagen. Normtexte werden hier nicht wiedergegeben.
Die Armierungsschicht beeinflusst auch den Wasserdampfdurchgang des Systems. Mineralische Mörtel sind meist diffusionsoffener als organische. Hintergrund liefert der Wasserdampfdiffusionswiderstand.
Anwendung in Neubau und Bestand
Im Neubau wird das WDVS auf einen ebenen, trockenen Untergrund geklebt. Der Bestand ist anspruchsvoller. Alte Putze müssen auf Tragfähigkeit geprüft werden. Lose Teile werden entfernt, Hohlstellen beseitigt. Je nach Untergrund sind Dübel nötig. Auf stark saugenden oder verschmutzten Flächen sind Vorbehandlungen vorgesehen.
Bei der energetischen Sanierung greift das Gebäudemodernisierungsgesetz, siehe GModG. Für Außenwände gilt bei Änderung von mehr als 10 % der Fläche ein Höchstwert für den U-Wert von 0,24 W/(m²·K). Wer eine Dämmung mit Armierung anbringt, muss das beachten. Übliche Dämmstärken ergeben sich aus der Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffs und dem Altbestand. Auch Wärmebrücken an Laibungen, Sockeln und Balkonanschlüssen sind in der Planung zu berücksichtigen.
Kosten
Die Kosten lassen sich nur grob angeben und schwanken regional und je nach Gerüst, Untergrund und Auftragslage. Für die Armierungsschicht allein werden als grober Richtwert etwa 20 bis 40 Euro je Quadratmeter genannt, einschließlich Gewebe und Arbeit. Ein komplettes WDVS liegt häufig in Spannen von etwa 130 bis 250 Euro je Quadratmeter. Konkrete Angebote einholen und vergleichen.
Förderung
Für die Gebäudehülle gibt es die BEG-Förderung. Nach den bei der Recherche zugrunde gelegten Angaben beträgt die Grundförderung 15 %. Ein iSFP-Bonus von 5 % gilt nur für den Kostenanteil über 30.000 Euro (Reform vom 21.07.2026). Die aktuellen Konditionen vor Antragstellung prüfen.
Typische Fehler und Schäden
- Gewebe zu tief eingebettet oder auf der Dämmplatte liegend statt im äußeren Drittel.
- Zu geringe Überlappung oder Falten im Gewebe.
- Fehlende Diagonalarmierung an Fenster- und Türecken, daraus folgen sternförmige Risse.
- Gewebe sichtbar oder nicht vollständig überspachtelt, dadurch Rost- und Feuchtespuren, Abplatzungen.
- Zu schnelle Trocknung bei Hitze, Wind oder Frost, was zu Rissen und schlechter Haftung führt.
- Ungeeignete Kombination von Armierungsmörtel, Gewebe und Oberputz außerhalb des Systems.
- Oberputz aufgetragen, bevor die Armierung ausreichend ausgehärtet ist.
Wartung und Prüfung
Die Armierungsschicht ist unter dem Oberputz verborgen. Prüfen lässt sich vor allem der Oberputz: Feine Risse, Algen oder Verfärbungen deuten auf Feuchteprobleme hin. Haarrisse im Oberputz sind meist unkritisch. Netzartige oder durchgehende Risse, besonders an Ecken, sollten von einem Fachbetrieb oder Bausachverständigen bewertet werden. Eine Prüfung im Einzelfall ersetzt dieser Text nicht.
Häufige Fragen zu Armierungsputz
Was ist der Unterschied zwischen Armierungsputz und Oberputz?
Der Armierungsputz liegt auf der Dämmung und enthält das Gewebe. Er nimmt Spannungen auf. Der Oberputz ist die äußere, sichtbare Schicht. Er bestimmt Optik und Witterungsschutz.
Wie dick muss ein Armierungsputz sein?
Als Richtwert werden etwa 3 bis 6 mm genannt. Maßgeblich ist die Vorgabe des jeweiligen Systemherstellers. Das Gewebe muss vollständig überdeckt sein.
Wie weit überlappt das Armierungsgewebe?
Üblich sind Überlappungen von etwa 10 cm, häufig werden 10 bis 12 cm genannt. Die Systemunterlagen geben die verbindliche Mindestüberlappung an.
Wozu dient die Diagonalarmierung?
Sie verstärkt die Ecken von Fenstern und Türen. Dort entstehen durch Spannungsspitzen die meisten Risse. Zusätzliche Gewebestreifen im 45-Grad-Winkel oder fertige Armierungspfeile nehmen diese Kräfte auf.
Kann man Armierungsputz ohne Dämmung verwenden?
Ja, es gibt Armierungen auch auf Altputzen, etwa zur Rissüberbrückung. Dafür sind eigene, freigegebene Systeme nötig. Die Eignung des Untergrunds muss geprüft werden.
Gibt es eine Förderung für die Fassadendämmung?
Die BEG-Förderung für die Gebäudehülle kann Teile der Kosten abdecken. Die Konditionen ändern sich, daher vorher die aktuellen Bedingungen prüfen.
Verwandte Begriffe
Oberputz, Wärmedämm-Verbundsystem, Putz, Wärmebrücke, Hinterlüftete Fassade









