Illustration: Farbroller beim Streichen einer Wand mit Dispersionsfarbe

Dispersionsfarbe

Dispersionsfarbe ist eine wasserbasierte Anstrichfarbe, deren Bindemittel eine Kunstharz-Dispersion ist, also fein verteilte Kunststoffteilchen in Wasser. Beim Trocknen verschmelzen sie zu einem Film, der Pigmente und Füllstoffe bindet. Sie ist die gängigste Wand- und Deckenfarbe im Innenraum und wird auch als Fassadenfarbe eingesetzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dispersionsfarbe besteht aus Wasser, Kunstharz-Bindemittel, Pigmenten, Füllstoffen und Additiven; sie trocknet physikalisch durch Verdunsten des Wassers.
  • Die Qualität zeigt sich in Deckkraft, Nassabriebklasse, Glanzgrad und Emissionsverhalten, die auf dem Etikett angegeben werden.
  • Für Innenräume sind lösemittelfreie und emissionsarme Produkte verfügbar; Siegel wie der Blaue Engel geben dafür Anhaltspunkte.
  • Auf mineralischen Fassaden ist sie weniger diffusionsoffen als Silikatfarbe, dafür flexibler und in mehr Farbtönen erhältlich.

Definition und Abgrenzung

Eine Dispersion ist ein System aus zwei nicht ineinander löslichen Stoffen. Bei Dispersionsfarbe sind Kunstharzteilchen im Wasser fein verteilt. Üblich sind Acrylate, Styrol-Acrylate oder Vinylacetat-Copolymere. Verdunstet das Wasser, rücken die Teilchen zusammen und verschmelzen zu einem zusammenhängenden Film. Dieser Vorgang heißt Verfilmung.

Im Alltag wird der Begriff oft für Wandfarbe allgemein verwendet. Fachlich ist er enger: Silikatfarbe bindet mit Kaliwasserglas mineralisch, Kalkfarbe mit Kalkhydrat, Silikonharzfarbe mit Silikonharz-Emulsion. Latexfarbe ist ein umgangssprachlicher Begriff für besonders scheuerbeständige Dispersionsfarben; echter Latex ist darin nicht notwendig enthalten. Lacke auf Wasserbasis sind ebenfalls Dispersionen, enthalten aber höhere Bindemittelanteile und härten anders. Zum Vergleich siehe Silikatfarbe.

Aufbau und Wirkprinzip

Dispersionsfarbe besteht aus vier Gruppen von Bestandteilen.

  • Bindemittel (Kunstharz-Dispersion): bildet den Film und bestimmt Haftung, Scheuerfestigkeit und Dehnbarkeit.
  • Pigmente: geben Farbe und Deckkraft. Titandioxid ist das wichtigste Weißpigment.
  • Füllstoffe: etwa Kreide, Kaolin oder Talkum. Sie machen die Farbe ergiebiger, beeinflussen Mattheit und Struktur, verringern aber bei zu hohem Anteil die Scheuerfestigkeit.
  • Additive: Verdicker, Entschäumer, Netzmittel, Filmbildehilfen und Konservierungsmittel.

Hochwertige Farben enthalten mehr und besseres Weißpigment, preiswerte Farben mehr Füllstoffe. Das Verhältnis aus Pigment und Bindemittel entscheidet, ob eine Farbe deckt und abriebfest ist. Die Trocknung erfolgt physikalisch, also ohne chemische Reaktion; die endgültige Festigkeit wird nach einigen Tagen erreicht. Die Farbe bleibt wasserlöslich, solange sie nicht trocken ist, und lässt sich mit Wasser ausspülen.

Arten und Varianten

Variante Merkmale Typischer Einsatz
Innenwandfarbe Matt bis stumpfmatt, oft lösemittelfrei, gute Deckkraft Wohnräume, Decken
Latex- und Scheuerfarbe Hohe Abriebfestigkeit, leicht seidig Flure, Küche, Kinderzimmer
Feuchtraumfarbe Mit Fungizid oder besonderer Rezeptur gegen Bewuchs Bad, Keller, Küche
Fassadenfarbe Wetterbeständig, UV-stabil, mit Filmschutz Außenwände auf Putz
Dispersionssilikatfarbe Mischform mit kleinem organischem Anteil Mineralische Fassaden
Sperrgrund und Isolierfarbe Spezialfarbe gegen Nikotin, Wasserflecken, Ruß Flecken überstreichen
Bestandteile von DispersionsfarbeBalkendiagramm mit schematischen Anteilen von Wasser, Bindemittel, Pigment, Füllstoff und Additiven.Typischer Aufbau (schematisch)WasserBinderPigmentFüllstoffAdditiveQualitätsmerkmale nach Norm für InnenfarbenNassabriebKlasse 1 bis 51 ist am bestenDeckkraftKlasse 1 bis 41 ist am bestenGlanzgradvon matt bis glänzendKorngröße extra
Schema: Bestandteile einer Dispersionsfarbe und die drei Hauptmerkmale, nach denen Innenfarben klassifiziert werden. Anteile sind nur beispielhaft.

Kennwerte, Bemessung und Normen

Die europäische Norm für Beschichtungsstoffe an Innenwänden und Innendecken klassifiziert wasserbasierte Farben nach mehreren Merkmalen. In eigenen Worten: Die Nassabriebklasse sagt, wie oft sich der Anstrich ohne Substanzverlust abwischen oder schrubben lässt. Es gibt fünf Klassen, wobei Klasse 1 die höchste Beständigkeit bedeutet. Mehr dazu im Eintrag Nassabriebklasse.

Die Deckkraft wird als Kontrastverhältnis bei einer bestimmten Ergiebigkeit gemessen und in vier Klassen eingeteilt. Klasse 1 bedeutet die beste Deckung. Das Ergebnis gilt nur für die angegebene Ergiebigkeit in Quadratmetern je Liter. Die Norm unterscheidet außerdem Glanzgrade, grob von stumpfmatt über matt bis glänzend, gemessen mit einem Reflektometer. Die maximale Korngröße gibt an, wie fein oder strukturiert die Oberfläche ist. Eine Farbe kann also nach Deckkraft Klasse 1, nach Abrieb Klasse 2 und matt eingestuft sein.

Die Ergiebigkeit liegt grob bei 6 bis 10 m² je Liter und Anstrich. Bei saugendem Untergrund ist sie geringer. Eine Grundierung verbessert die Haftung und gleicht die Saugfähigkeit aus.

Emissionen, Lösemittel und Siegel

Moderne Innenfarben sind meist wasserverdünnbar und lösemittelfrei oder lösemittelarm. Trotzdem enthalten sie Additive, die flüchtige Stoffe abgeben können. Für Innenräume sind emissionsarme Produkte wichtig, da neue Anstriche die Raumluft belasten. Siegel erleichtern die Auswahl. Der Blaue Engel für Innenwandfarben verlangt unter anderem lösemittelfreie, konservierungsmittelfreie Produkte mit geringen Emissionen und festgelegten Mindestwerten für Nassabrieb und Deckvermögen. Daneben existieren Deklarationen der Lackindustrie. Details zu Schadstoffen wie Formaldehyd im Eintrag Formaldehyd.

Viele Farben enthalten Topfkonservierer, um die Haltbarkeit im Gebinde zu sichern. Wer empfindlich reagiert, achtet auf die Deklaration. Gesundheitliche Fragen im Einzelfall klärt der Arzt.

Anwendung in Neubau und Bestand

Im Neubau werden Dispersionsfarben auf verspachtelten Gipskartonwänden und Putz aufgetragen. Bei Gipskarton ist vor dem Anstrich eine Grundierung sinnvoll, da Fugen und Spachtelstellen anders saugen als die Platte. Siehe Spachtelmasse und Gipskarton. Neuer Putz muss ausreichend abgebunden und trocken sein.

Im Bestand sind alte Anstriche zu prüfen. Auf tragfähigen Dispersionsanstrichen kann überstrichen werden. Leimfarbe wird vorher abgewaschen. Nikotin, Ruß und Wasserflecken erfordern Sperrgrund. Bei Schimmelbefall reicht ein Überstreichen nicht; die Ursache der Feuchte muss behoben werden, siehe Schimmel. Auf Fassaden bildet Dispersionsfarbe einen Film, der Putzrisse überbrücken kann, aber Feuchte im Mauerwerk schlechter ausdampfen lässt als mineralische Farben.

Abgrenzung zu Silikat- und Kalkfarbe

Silikatfarbe verkieselt mit mineralischem Untergrund, ist diffusionsoffen und sehr haltbar, erfordert aber saugende, mineralische Untergründe. Kalkfarbe ist stark alkalisch und schimmelhemmend, aber weich und schwer farbig. Dispersionsfarbe haftet auf fast allen tragfähigen Untergründen, deckt gut und ist breit verfügbar. Dafür ist sie weniger diffusionsoffen und kann bei Feuchte im Mauerwerk abblättern.

Kosten

Als grober Richtwert kostet ein Zehn-Liter-Eimer Innenfarbe etwa 20 bis 100 Euro, je nach Qualität. Fassadenfarben liegen meist darüber. Günstige Farben haben oft geringere Deckkraft und benötigen mehr Anstriche, sodass der scheinbare Preisvorteil schrumpft. Hinzu kommen Grundierung, Abdeckmaterial und Werkzeug. Preise unterscheiden sich nach Region und Händler.

Typische Fehler und Schäden

  • Anstrich auf nicht tragfähigem, staubigem oder fettigem Untergrund, dadurch Abplatzen.
  • Verzicht auf Grundierung auf stark saugendem Putz oder Spachtelstellen, dadurch Fleckenbildung.
  • Zu dünner Auftrag oder zu viel Verdünnung, dadurch Deckkraftverlust.
  • Streichen bei zu niedriger Temperatur oder hoher Luftfeuchte, dadurch gestörte Verfilmung.
  • Einsatz von Innenfarbe an der Fassade, dadurch Verwitterung.
  • Überstreichen von Schimmel ohne Ursachenbeseitigung.
  • Ansatzstellen durch zu spätes Anschließen der nassen Kante.

Wartung und Prüfung

Innenanstriche lassen sich je nach Nassabriebklasse feucht abwischen. Fassadenanstriche sollten alle paar Jahre auf Risse, Abmehlen und Bewuchs geprüft werden. Eine Wischprobe mit dunklem Tuch zeigt Kreidung. Die Haltbarkeit hängt von Qualität, Untergrund und Wetterseite ab. Renovierungsanstriche erfolgen nach Reinigung und gegebenenfalls Grundierung.

Häufige Fragen zu Dispersionsfarbe

Was ist der Unterschied zwischen Dispersionsfarbe und Latexfarbe?

Latexfarbe ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für besonders scheuerbeständige Dispersionsfarben. Es handelt sich ebenfalls um Dispersionen auf Kunstharzbasis, nicht zwingend um Naturlatex. Maßgeblich ist die Nassabriebklasse.

Was bedeutet die Nassabriebklasse?

Sie beschreibt, wie widerstandsfähig der Anstrich gegen Abwischen und Schrubben im feuchten Zustand ist. Es gibt fünf Klassen. Klasse 1 ist am beständigsten, Klasse 5 am wenigsten.

Wie erkenne ich eine gut deckende Farbe?

Eine Farbe mit Deckkraftklasse 1 deckt bei der angegebenen Ergiebigkeit am besten. Die Angabe steht auf dem Etikett oder im Datenblatt. Ein hoher Anteil an Weißpigment verbessert die Deckung.

Ist Dispersionsfarbe gesundheitsschädlich?

Wasserbasierte Innenfarben gelten als vergleichsweise unkritisch, enthalten aber Additive und Konservierer. Emissionsarme Produkte mit Siegel verringern die Belastung. Bei Beschwerden ist ärztlicher Rat sinnvoll.

Kann man Dispersionsfarbe auf Silikatfarbe streichen?

Technisch ist das oft möglich, aber die Diffusionsoffenheit geht verloren und spätere Schäden sind wahrscheinlicher. Umgekehrt haftet reine Silikatfarbe nicht auf Dispersionsanstrichen.

Was kostet Dispersionsfarbe?

Als grober Richtwert etwa 20 bis 100 Euro für zehn Liter Innenfarbe. Fassadenfarben und Spezialprodukte kosten mehr. Der Preis hängt von Qualität und Händler ab.

Verwandte Begriffe

Silikatfarbe, Nassabriebklasse, Grundierung, Spachtelmasse, Formaldehyd

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

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