Illustration: Scheuerprüfung einer Wandfarbe mit Klassenskala

Nassabriebklasse

Nassabriebklasse bezeichnet die Einstufung einer Wandfarbe nach ihrer Widerstandsfähigkeit gegen nasses Abreiben. Die europäische Norm EN 13300 kennt fünf Klassen, die über den Verlust an Schichtdicke nach definierten Scheuerzyklen bestimmt werden. Klasse 1 steht für die höchste, Klasse 5 für die niedrigste Beanspruchbarkeit bei Reinigung und Berührung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Nassabriebklasse reicht von 1 (sehr widerstandsfähig) bis 5 (wenig widerstandsfähig) und wird in der Norm EN 13300 für Beschichtungsstoffe im Innenbereich geregelt.
  • Maßgeblich ist der Schichtdickenverlust in Mikrometern nach einer festgelegten Zahl von Scheuerhüben, nicht ein subjektiver Eindruck.
  • Die Klasse sagt nichts über Deckkraft oder Glanz aus. Diese Eigenschaften werden getrennt klassifiziert und stehen gemeinsam auf dem Gebinde.
  • Für stark beanspruchte Flächen wie Flure, Küchen und Kinderzimmer sind niedrige Klassenzahlen sinnvoll, für selten berührte Decken genügen höhere.

Definition und Anwendungsbereich

Die Nassabriebklasse beschreibt, wie gut ein getrockneter Anstrich einer mechanischen Beanspruchung im feuchten Zustand standhält. Gemeint ist das Abwischen mit Schwamm, Tuch oder Bürste, meist in Verbindung mit mildem Reinigungsmittel. Die Eigenschaft ist besonders für Wand- und Deckenfarben im Innenraum von Bedeutung, weil dort Fingerabdrücke, Staubränder oder Spritzer entfernt werden sollen, ohne die Farbschicht zu schädigen.

Die Klassifizierung stammt aus der europäischen Normenreihe EN 13300 (in Deutschland als DIN EN 13300 geführt). Sie gilt für wasserverdünnbare Beschichtungsstoffe und Beschichtungssysteme für Wände und Decken innen. Damit ist sie Teil eines Systems, das Hersteller zu einheitlichen Angaben zwingt. Der verbindliche Wortlaut der Norm ist beim Beuth Verlag (DIN Media) erhältlich. Dieser Beitrag erklärt die Systematik in eigenen Worten und nennt nur Werte, die in öffentlich zugänglichen Fachquellen wiedergegeben werden.

Die Norm ist keine Rechtsvorschrift. Sie wird verbindlich, wenn sie im Vertrag vereinbart wird, etwa in einer Leistungsbeschreibung, oder wenn ein Hersteller seine Produkte danach kennzeichnet. Dann darf der Käufer erwarten, dass die angegebene Klasse tatsächlich erreicht wird.

Prüfung und Messprinzip

Im Labor wird die Farbe in definierter Dicke auf einen Prüfträger aufgetragen und getrocknet. Danach reibt eine Prüfapparatur mit einer Bürste oder einem Schwamm unter Zugabe einer Scheuerflüssigkeit über die Fläche. Nach einer festgelegten Zahl von Hüben wird gemessen, wie viel Schichtdicke verloren gegangen ist. Das Verfahren stützt sich auf die internationale Prüfnorm ISO 11998, auf die EN 13300 verweist.

Wichtig ist die Messgröße. Es geht um den Abtrag der Schicht in Mikrometern, nicht um die Frage, ob die Farbe optisch noch gut aussieht. Eine Farbe kann nach dem Test ihre Oberfläche verändert haben (zum Beispiel poliert wirken), obwohl der Abtrag gering ist. Umgekehrt zeigt ein hoher Abtrag, dass Bindemittelanteil und Pigmentierung die Schicht nur schwach zusammenhalten.

Klasse Schichtdickenverlust Zyklen Einordnung
1 unter 5 µm 200 sehr hohe Widerstandsfähigkeit
2 5 bis unter 20 µm 200 hohe Widerstandsfähigkeit
3 20 bis unter 70 µm 200 mittlere Widerstandsfähigkeit
4 unter 70 µm 40 geringe Widerstandsfähigkeit
5 70 µm und mehr 40 sehr geringe Widerstandsfähigkeit

Die Werte der Tabelle entsprechen der in Fachquellen üblichen Wiedergabe der Klassengrenzen. Auffällig ist der Wechsel der Zyklenzahl zwischen Klasse 3 und 4. Die Klassen 4 und 5 werden mit weniger Hüben geprüft, weil solche Farben die längere Prüfung nicht überstehen würden.

Zusammenhang mit Deckkraft, Kontrastverhältnis und Glanzgrad

EN 13300 klassifiziert mehrere Eigenschaften nebeneinander. Die Nassabriebklasse ist nur eine davon. Auf dem Etikett stehen üblicherweise außerdem das Deckvermögen (Deckkraft), der Glanzgrad und die maximale Korngröße. Zusammen ergeben sie ein Profil, das den Vergleich von Produkten erleichtert.

Das Deckvermögen wird über das Kontrastverhältnis bestimmt. Gemessen wird, wie stark ein Anstrich einen schwarz-weißen Untergrund bei einer vorgegebenen Ergiebigkeit abdeckt. In Fachquellen werden folgende Klassen genannt:

Deckvermögen Kontrastverhältnis
Klasse 1 über 99,5 Prozent
Klasse 2 98 bis 99,5 Prozent
Klasse 3 95 bis 98 Prozent
Klasse 4 unter 95 Prozent

Ein Zusammenhang zwischen beiden Klassen besteht nur indirekt. Hoher Pigment- und Füllstoffanteil begünstigt gutes Deckvermögen, kann aber bei zu wenig Bindemittel die Abriebfestigkeit senken. Hochwertige Produkte kombinieren beides, dennoch lässt sich von der einen Klasse nicht auf die andere schließen.

Der Glanzgrad wird getrennt eingestuft. Die Norm unterscheidet vier Stufen von stumpfmatt bis glänzend. Matte Oberflächen kaschieren Unebenheiten besser, sind aber oft empfindlicher gegen Polieren beim Wischen. Glänzendere Anstriche lassen sich leichter reinigen, zeigen aber Streiflicht und Ansatzstellen deutlicher.

Auswahl im Innenraum

Die Wahl richtet sich nach der zu erwartenden Beanspruchung. Die folgende Tabelle gibt Richtwerte aus der Praxis wieder und ist keine Normvorgabe.

Bereich Beanspruchung Richtwert Klasse
Flur, Treppenhaus hoch, häufiger Kontakt 1 bis 2
Küche, Kinderzimmer hoch, Spritzer, Fingerabdrücke 1 bis 2
Wohn- und Schlafzimmer mittel 2 bis 3
Decken gering 3 bis 4

Feuchträume sind ein Sonderfall. In Bädern entscheidet nicht nur der Abrieb, sondern vor allem die Feuchtebeständigkeit des gesamten Aufbaus. Direkt spritzwasserbelastete Flächen erhalten ohnehin eine Abdichtung, siehe Verbundabdichtung. Eine Farbe mit guter Nassabriebklasse ersetzt diese nicht.

Abgrenzung zu Scheuerbeständigkeit

Vor Einführung der europäischen Klassen wurde nach einer älteren deutschen Norm geprüft. Dort waren Begriffe wie waschbeständig und scheuerbeständig üblich. Diese Wörter tauchen im Handel noch immer auf, sind aber keine Klassen im Sinne der EN 13300. Wer eine Farbe als scheuerbeständig bewirbt, muss deshalb nicht zwingend Klasse 1 oder 2 erreichen.

Zuverlässig ist allein die Angabe der Nassabriebklasse mit Ziffer. Fehlt sie, lohnt der Blick ins technische Merkblatt des Herstellers. Dort stehen die Prüfwerte, meist samt Hinweis auf die verwendete Norm.

Kennzeichnung

Hersteller geben die Klassen in der Regel auf dem Gebindeetikett oder im technischen Merkblatt an, häufig in der Form Nassabrieb Klasse 2, Deckvermögen Klasse 1, Glanzgrad matt. Die Angaben beziehen sich auf eine festgelegte Ergiebigkeit. Wird dünner oder stärker verdünnt gestrichen, gelten die Klassen nicht mehr. Wichtig sind daher Verbrauchsangabe und Auftragsmenge laut Merkblatt.

Anwendung in Neubau und Bestand

Im Neubau wird die Farbe meist auf frischem Putz oder auf Gipskarton aufgebracht. Hier lässt sich die Klasse frei nach Nutzung wählen. Wichtig ist ein tragfähiger, sauber vorbereiteter Untergrund, gegebenenfalls mit Grundierung. Die beste Abriebklasse hilft nicht, wenn die Farbe auf einem sandenden Untergrund haftet.

Im Bestand sind oft mehrere Altanstriche vorhanden. Ein Anstrich mit hoher Nassabriebfestigkeit haftet auf glatten, dichten Altschichten schlechter, wenn nicht angeschliffen oder grundiert wird. Bei Mietwohnungen kommt hinzu, dass zwischen Renovierungen Jahre liegen. Eine höhere Klasse verlängert dann die Zeit, in der Wände gereinigt werden können, ohne dass Glanzstellen oder Abrieb sichtbar werden.

Kosten

Preise hängen stark von Hersteller, Gebindegröße und Pigmentierung ab. Als grober Richtwert gilt, dass Farben der Klassen 1 und 2 meist im oberen Preissegment liegen, weil sie mehr und hochwertigere Bindemittel enthalten. Dafür ist die Ergiebigkeit oft besser, sodass der Preis pro Quadratmeter fertigen Anstrichs weniger stark auseinanderliegt als der Literpreis. Verbindliche Zahlen liefern Angebote und Herstellerlisten.

Typische Fehler und Missverständnisse

  • Nassabrieb mit Deckkraft gleichsetzen. Beides sind getrennte Klassifizierungen.
  • Von Marketingwörtern wie waschfest oder scheuerbeständig auf eine Klasse schließen, ohne das Merkblatt zu lesen.
  • Die Farbe stark verdünnen oder dünn auftragen. Dann gelten Ergiebigkeit und Klasse nicht mehr.
  • Zu früh reinigen. Eine Beschichtung erreicht ihre volle Festigkeit erst nach einigen Tagen bis Wochen, je nach Produkt und Raumklima.
  • Mit aggressiven Mitteln reiben. Selbst Klasse 1 hält Scheuerpulver und harte Bürsten nicht dauerhaft aus.
  • Glanz mit Haltbarkeit verwechseln. Matte Farben sind nicht automatisch weniger abriebfest, polieren aber beim Wischen eher sichtbar.

Prüfung und Nachweis

Den Nachweis führt der Hersteller anhand von Laborprüfungen. Für Verbraucher ist das technische Merkblatt die erste Quelle. Bei Bauvorhaben mit vertraglich vereinbarter Klasse können Prüfberichte oder Konformitätserklärungen angefordert werden. Auf der Baustelle selbst lässt sich die Klasse nicht messen. Ein einfacher Praxistest an unauffälliger Stelle zeigt allenfalls, ob die Schicht beim Wischen stark abfärbt. Eine Klasse kann daraus nicht abgeleitet werden.

Streit entsteht gelegentlich, wenn ein Anstrich nach kurzer Zeit abreibt. Ursachen sind dann häufig Verarbeitungsfehler, ungeeigneter Untergrund oder zu frühe Beanspruchung. Bei Streitfällen kann ein Bausachverständiger die Ursache klären. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Einzelfallberatung.

Nassabriebklassen 1 bis 5Fünf Kästen zeigen die Klassen 1 bis 5 mit Schichtdickenverlust und Zyklenzahl. Klasse 1 ist die widerstandsfähigste.Nassabriebklassen nach EN 13300Klasse 1unter 5 µmnach 200 ZyklenKlasse 25 bis unter 20 µmnach 200 ZyklenKlasse 320 bis unter 70 µmnach 200 ZyklenKlasse 4unter 70 µmnach 40 ZyklenKlasse 570 µm und mehrnach 40 Zyklenhöhere Beständigkeitgeringere BeständigkeitMessgröße: Verlust an Schichtdicke nach Scheuerhüben
Nassabriebklassen im Überblick: Je kleiner die Klassenzahl, desto geringer der Abtrag der Schicht beim nassen Scheuern.

Häufige Fragen zu Nassabriebklasse

Welche Nassabriebklasse ist die beste?

Klasse 1 ist die beste. Sie verlangt den geringsten Schichtdickenverlust nach 200 Scheuerzyklen, nämlich unter 5 Mikrometern. Klasse 5 ist die schwächste Einstufung.

Reicht Klasse 3 für ein Wohnzimmer?

In der Regel ja, wenn die Wand selten gereinigt wird. Für Bereiche mit häufigem Kontakt oder Kindern sind Klasse 1 oder 2 sinnvoller. Es handelt sich um einen Praxisrichtwert, nicht um eine Normvorgabe.

Ist Nassabrieb dasselbe wie Deckkraft?

Nein. Nassabrieb beschreibt die mechanische Widerstandsfähigkeit der trockenen Schicht, Deckkraft das Abdecken des Untergrunds. Beide werden in EN 13300 getrennt klassifiziert.

Was bedeutet scheuerbeständig auf dem Eimer?

Der Begriff stammt aus einer älteren Norm und ist keine Klasse nach EN 13300. Maßgeblich ist die Angabe der Nassabriebklasse mit Ziffer im technischen Merkblatt.

Gilt die Klasse auch bei verdünnter Farbe?

Nein. Die Klassen beziehen sich auf die Farbe in der vom Hersteller vorgesehenen Verarbeitung und Ergiebigkeit. Starkes Verdünnen oder dünner Auftrag kann die Beständigkeit deutlich senken.

Wo steht die Nassabriebklasse?

Meist auf dem Gebindeetikett und im technischen Merkblatt des Herstellers. Der verbindliche Normtext ist beim Beuth Verlag (DIN Media) erhältlich.

Verwandte Begriffe

Dispersionsfarbe, Silikatfarbe, Grundierung, Lichtechtheit, Spachtelmasse

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

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