Sonnenlicht fällt durch große Glasschiebetüren in einen dunklen Raum, davor hängen Tücher

g-Wert

Der g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad) gibt an, welcher Anteil der auftreffenden Sonnenenergie durch eine Verglasung in den Raum gelangt. Er setzt sich aus der direkt durchgelassenen Strahlung und der nach innen abgegebenen Wärme der erwärmten Scheibe zusammen. Der Wert liegt zwischen 0 und 1; bei Dreifach-Wärmeschutzglas sind etwa 0,5 üblich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein hoher g-Wert bringt im Winter solare Gewinne, im Sommer aber mehr Überhitzungsrisiko.
  • Typische Richtwerte: Einfachglas etwa 0,85, Zweifach-Wärmeschutzglas etwa 0,6, Dreifach-Wärmeschutzglas etwa 0,5 bis 0,55, Sonnenschutzglas etwa 0,2 bis 0,4.
  • Wärmeschutz (niedriger Ug-Wert) und Sonnenschutz (niedriger g-Wert) sind getrennte Eigenschaften und müssen gemeinsam betrachtet werden.
  • Die Ausrichtung entscheidet: Südfenster profitieren von hohem g-Wert, West- und Ostfenster brauchen oft Verschattung.

Definition und Abgrenzung

Der Gesamtenergiedurchlassgrad, kurz g-Wert, ist eine dimensionslose Kennzahl für Verglasungen. Er wird bei senkrechtem Strahlungseinfall bestimmt und in Prozent oder als Dezimalzahl angegeben. Ein g-Wert von 0,5 bedeutet, dass die Hälfte der auftreffenden Strahlungsenergie als Wärme und Licht im Raum ankommt. Die andere Hälfte wird reflektiert oder von der Scheibe aufgenommen und nach außen abgegeben.

Der g-Wert ist nicht zu verwechseln mit dem Ug-Wert. Der Ug-Wert beschreibt den Wärmeverlust bei Temperaturunterschied, der g-Wert den Wärmegewinn durch Sonneneinstrahlung. Ebenfalls getrennt ist der Lichttransmissionsgrad (TL oder τv), der nur den sichtbaren Anteil des Lichts betrifft. Ein Glas kann viel Licht durchlassen und trotzdem einen niedrigen g-Wert haben, wenn es unsichtbare Infrarotstrahlung zurückhält.

Wirkprinzip: Direkte Transmission und sekundäre Wärmeabgabe

Trifft Sonnenstrahlung auf eine Scheibe, passiert dreierlei: Ein Teil wird reflektiert, ein Teil durchgelassen (Transmission), ein Teil absorbiert. Das absorbierte Stück erwärmt das Glas. Die erwärmte Scheibe gibt Wärme sowohl nach außen als auch nach innen ab. Der nach innen gelangende Teil wird sekundäre Wärmeabgabe genannt. Der g-Wert ist die Summe aus direkter Transmission und diesem sekundären Anteil.

Mehrfachverglasung senkt den g-Wert, weil jede zusätzliche Scheibe und jede Low-E-Beschichtung einen Teil der Strahlung reflektiert oder absorbiert. Das erklärt, warum Dreifachglas bei gleicher Beschichtungstechnik einen etwas niedrigeren g-Wert als Zweifachglas hat. Die Beschichtungen für den Wärmeschutz (Low-E) sind in der Regel so ausgelegt, dass sie die Sonnenstrahlung möglichst durchlassen, die langwellige Wärmestrahlung aber zurückhalten. Dadurch bleibt der g-Wert hoch, obwohl der Ug-Wert niedrig ist.

Verteilung der Sonnenenergie an der VerglasungZwei Balken zeigen, wie die Sonnenenergie verteilt wird: Dreifach-Wärmeschutzglas mit g gleich 0,5 und Sonnenschutzglas mit g gleich 0,3.Was geschieht mit 100 Prozent Sonnenenergie?Dreifach-Wärmeschutzglas, g ca. 0,5nach innen 50 %reflektiert 30 %nach außen 20 %Sonnenschutzglas, g ca. 0,3innen 30 %reflektiert 45 %nach außen 25 %Schematische Richtwerte. Der Anteil nach innen entspricht dem g-Wert.
Verteilung der Sonnenenergie: Der nach innen gelangende Anteil entspricht dem g-Wert. Die Prozentwerte sind Richtwerte zur Veranschaulichung.

Arten und Varianten

Je nach Aufgabe werden Gläser mit unterschiedlichem g-Wert gewählt. Die folgende Tabelle gibt Richtwerte; Herstellerdatenblätter weichen ab.

Glasart g-Wert (Richtwert) Lichttransmission (Richtwert) Eigenschaft
Einfachglas ca. 0,85 ca. 0,90 hohe Gewinne, hohe Verluste
Zweifach-Wärmeschutzglas ca. 0,55 bis 0,65 ca. 0,75 bis 0,80 guter Kompromiss
Dreifach-Wärmeschutzglas ca. 0,45 bis 0,55 ca. 0,70 bis 0,75 niedriger Wärmeverlust, geringere Gewinne
Sonnenschutzglas, selektiv ca. 0,25 bis 0,40 ca. 0,60 bis 0,70 viel Licht, wenig Sonnenwärme
Sonnenschutzglas, getönt oder reflektierend ca. 0,20 bis 0,40 ca. 0,30 bis 0,60 wirksam, aber dunkleres Raumbild

Selektive Sonnenschutzbeschichtungen reflektieren überwiegend die infraroten Anteile der Sonnenstrahlung und lassen sichtbares Licht weitgehend durch. Getönte Gläser absorbieren dagegen Strahlung im Glas und erwärmen sich; sie müssen deshalb thermisch geprüft werden, damit keine Spannungsbrüche entstehen. Das Verhältnis aus Lichttransmission und g-Wert wird als Selektivitätskennzahl bezeichnet; je größer sie ist, desto besser kombiniert die Scheibe Tageslicht und Hitzeschutz.

Kennwerte, Berechnung und Normen

Der g-Wert einer Scheibe wird nach einer europäischen Norm für die Bestimmung des solaren Energiedurchlasses berechnet beziehungsweise gemessen; im Datenblatt steht er meist mit dem Hinweis auf senkrechten Einfall. Im Gebäude wirkt die Strahlung dagegen schräg, und der Rahmen, Verschattung und Verschmutzung verringern den Eintrag. Für Energiebilanzen wird deshalb ein wirksamer Wert verwendet, der mit Korrekturfaktoren aus dem Nachweisverfahren ermittelt wird. Die Details stehen im Normenwerk und in den Berechnungsverfahren nach DIN 4108; hier werden sie nur in eigenen Worten genannt.

Im Sommer wird der Sonneneintrag über den Sonneneintragskennwert bewertet. Er verknüpft den g-Wert der Verglasung mit dem Fensterflächenanteil, der Raumausrichtung und der Wirkung des Sonnenschutzes. Außen liegende Verschattung wie Raffstores oder Rollläden senkt den wirksamen g-Wert stark; innen liegender Sonnenschutz hilft wenig, weil die Strahlung bereits im Raum angekommen ist.

Als einfache Daumenregel gilt: Der winterliche Nettogewinn eines Fensters ergibt sich aus solaren Gewinnen (abhängig vom g-Wert und der Einstrahlung) abzüglich der Wärmeverluste (abhängig vom Uw-Wert). Bei Südausrichtung mit unverschatteter Fläche können gute Fenster in der Heizperiode mehr Energie hereinlassen, als sie verlieren; nach Norden bleibt die Bilanz negativ.

Anwendung in Neubau und Bestand

Die Wahl des g-Werts folgt der Himmelsrichtung und der Nutzung:

  • Südseite: hoher g-Wert (Standard-Wärmeschutzglas) nutzt die tief stehende Wintersonne. Ein fester Dachüberstand oder außen liegende Beschattung begrenzt den Sommereintrag.
  • Ost und West: Flach einfallende Sonne führt zu Blendung und Überhitzung. Sonnenschutzglas oder beweglicher Außensonnenschutz ist hier häufig sinnvoll.
  • Nordseite: Solare Gewinne sind gering. Hier zählt vor allem ein niedriger Uw-Wert und eine hohe Lichttransmission.
  • Dachflächenfenster und große Verglasungen: Wegen der steilen Einstrahlung ist der Sommereintrag besonders hoch. Zudem ist die Dachdämmung mit der Fensterwahl abzustimmen.

Im Bestand sind Räume unter dem Dach und Wintergärten besonders gefährdet. Ein Austausch zu Sonnenschutzglas lohnt sich dort oft, wenn außen liegende Verschattung nicht nachrüstbar ist. Beim Gesamtkonzept sollte geprüft werden, ob der Hitzeschutz nicht günstiger über Verschattung, Lüftung in der Nacht und die Wärmespeicherfähigkeit der Bauteile gelöst werden kann.

Kosten (grobe Richtwerte)

Sonnenschutzglas verteuert die Scheibe gegenüber Standard-Wärmeschutzglas grob um einen Aufschlag im Bereich von zehn bis dreißig Prozent des Glaspreises; Richtwert, abhängig von Größe und Beschichtung. Außen liegender Sonnenschutz wie Raffstore oder Rollladen kostet in der Regel mehr als der Aufpreis für das Glas, wirkt aber beweglich und ist im Sommer meist wirksamer. Konkrete Beträge ergeben sich nur aus Angeboten.

Typische Fehler und Schäden

  • Sonnenschutzglas an allen Fassaden einsetzen, auch an der Südseite: Im Winter gehen dann nützliche solare Gewinne verloren.
  • Den niedrigen g-Wert mit Wärmeschutz verwechseln. Wärmeschutz und Sonnenschutz sind getrennte Eigenschaften.
  • Auf innen liegenden Sonnenschutz allein vertrauen. Die Wärme ist bereits im Raum.
  • Thermischen Glasbruch übersehen: Teilverschattung, dunkle Folien oder Möbel dicht am Glas können Spannungen erzeugen; Folien nur nach Freigabe des Glasherstellers aufbringen.
  • Farbunterschiede nicht abstimmen: Verschiedene Beschichtungen wirken von außen unterschiedlich; Muster betrachten.
  • Überhitzungsnachweis auslassen: Bei großen Südverglasungen sollte der sommerliche Wärmeschutz rechnerisch geprüft werden.

Prüfung

Der g-Wert steht im Datenblatt und in der Leistungserklärung des Glasherstellers, jeweils zusammen mit Ug-Wert und Lichttransmission. Er ist auf der Baustelle nicht messbar; stattdessen sind Aufbaukennzeichnung und Lieferschein zu vergleichen. Beim Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes im Rahmen des Gebäudeenergiegesetzes, jetzt als GModG, wird der g-Wert als Eingangsgröße genutzt. Die Berechnung führt ein Energieberater oder Planer durch.

Häufige Fragen zum g-Wert

Was bedeutet ein g-Wert von 0,5?

Etwa die Hälfte der auftreffenden Sonnenenergie gelangt als Licht und Wärme in den Raum. Der Rest wird reflektiert oder von der Scheibe aufgenommen und nach außen abgegeben. Die Zahl gilt für senkrechten Strahlungseinfall.

Ist ein hoher oder ein niedriger g-Wert besser?

Das hängt von der Fensterlage ab. Hohe Werte nutzen im Winter die Sonne, vor allem nach Süden. Niedrige Werte schützen im Sommer vor Überhitzung, besonders nach Westen, Osten und bei Dachfenstern.

Wie hängen g-Wert und Lichttransmission zusammen?

Beide Werte sinken tendenziell gemeinsam, weil dunklere Gläser weniger Licht und weniger Energie durchlassen. Selektive Beschichtungen lassen viel Licht durch und halten Infrarotstrahlung zurück, sodass der g-Wert deutlich niedriger als die Lichttransmission ist.

Hat Dreifachglas einen niedrigeren g-Wert als Zweifachglas?

Ja, meist um etwa 0,05 bis 0,10. Zusätzliche Scheiben und Beschichtungen reflektieren und absorbieren mehr Strahlung. Der Nachteil wird im Winter oft durch den geringeren Wärmeverlust ausgeglichen.

Welche Fenster brauchen Sonnenschutzglas?

Typischerweise große West- und Ostfenster, Dachflächenfenster und Wintergärten, wenn kein beweglicher Außensonnenschutz möglich ist. Bei Südfenstern ist ein fester Überstand mit normalem Wärmeschutzglas oft die bessere Lösung.

Wird der g-Wert bei Förderung oder Gesetz gefordert?

Für die Förderung zählt vor allem der Uw-Wert; ein Mindest-g-Wert ist nicht der Normalfall. Beim Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes fließt der g-Wert aber in die Berechnung ein. Aktuelle Konditionen der BEG sind vor dem Antrag zu prüfen.

Verwandte Begriffe

Ug-Wert, U-Wert, Dreifachverglasung, Wärmespeicherfähigkeit, Warme Kante

über Thomas

Mein Name ist Thomas Petzold und ich bie Schreinermeister und Holztechniker und war 22 Jahre selbstständig mit einer Möbelschreinerei. Meine Leidenschaft ist das umsetzen von Bauprorjekten aller Art und möchte hier an dieser Stelle mein Fachwissen mit Euch teilen, aber auch neu erlernte Dinge über Maschinen, Materialien und Vorgehensweisen mit Euch teilen, denn: Man lernt nie aus!

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