Der Ug-Wert ist der Wärmedurchgangskoeffizient der Verglasung in W/(m²·K). Er beschreibt, wie viel Wärmeleistung pro Quadratmeter Glasfläche und Kelvin Temperaturunterschied zwischen innen und außen verloren geht. Gemessen wird nur das Glasfeld ohne Rahmen. Je kleiner der Wert, desto besser dämmt die Scheibe; moderne Dreifachverglasungen liegen bei etwa 0,5 bis 0,7.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Ug-Wert gilt nur für die Scheibe, der Uf-Wert für den Rahmen und der Uw-Wert für das gesamte Fenster.
- Typische Richtwerte: Einfachglas etwa 5,8, älteres Zweifachglas etwa 2,8 bis 3,0, Zweifach-Wärmeschutzglas etwa 1,1, Dreifach-Wärmeschutzglas etwa 0,5 bis 0,7 W/(m²·K).
- Der Uw-Wert entsteht aus Ug, Uf und dem Psi-Wert des Glasrands, gewichtet nach Flächen und Randlänge.
- Für Förderung und gesetzliche Anforderungen zählt der Uw-Wert des eingebauten Fensters, nicht allein der Ug-Wert.
Definition und Abgrenzung zu Uf und Uw
Der Ug-Wert (g steht für englisch glazing, also Verglasung) ist eine Bauteileigenschaft der Scheibeneinheit. Er wird für den Bereich der Verglasung angegeben, der vom Rand weit genug entfernt ist, um den Einfluss des Abstandhalters auszuschließen. Die Einheit W/(m²·K) bedeutet: Pro Quadratmeter und pro Kelvin Temperaturdifferenz fließt die angegebene Zahl an Watt durch das Bauteil. Ein Ug-Wert von 0,6 heißt also, dass bei 20 K Unterschied je Quadratmeter Glas rund 12 Watt verloren gehen.
Der Uf-Wert (f für frame) beschreibt den Fensterrahmen samt Flügel. Er hängt von Werkstoff, Profilgeometrie, Kammerzahl und Dämmeinlagen ab. Der Uw-Wert (w für window) gilt für das komplette Fenster und fasst Glas, Rahmen und den Übergang dazwischen zusammen. Ein Fenster mit sehr gutem Glas kann trotz niedrigem Ug-Wert einen mäßigen Uw-Wert haben, wenn Rahmen oder Randverbund schlecht dämmen. Der allgemeine U-Wert ist der Oberbegriff für diese Kennzahlen.
Aufbau und Wirkprinzip der Verglasung
Eine Wärmeschutzverglasung ist eine Isolierglas-Einheit aus zwei oder drei Scheiben aus Floatglas. Zwischen den Scheiben liegt der Scheibenzwischenraum (SZR), meist 12 bis 18 mm breit. Ein Abstandhalter am Rand hält die Scheiben auf Abstand, ein umlaufender Randverbund aus Dichtstoff macht die Einheit gasdicht. Drei Effekte bestimmen die Wärmeverluste:
- Wärmeleitung durch Glas und Gasfüllung,
- Konvektion, also Gasströmung im Scheibenzwischenraum,
- Wärmestrahlung zwischen den Scheiben.
Die Strahlung macht bei unbeschichtetem Glas den größten Anteil aus. Deshalb tragen moderne Scheiben auf einer Innenseite des Scheibenzwischenraums eine hauchdünne Metalloxid- oder Silberbeschichtung. Sie wird Low-E-Beschichtung genannt (low emissivity, niedriges Abstrahlvermögen). Sie lässt kurzwellige Sonnenstrahlung weitgehend durch, reflektiert aber die langwellige Wärmestrahlung der Raumseite zurück in den Raum.
Der zweite Hebel ist die Gasfüllung. Edelgase wie Argon leiten Wärme schlechter als Luft und strömen weniger stark. Krypton ist noch besser, wird aber seltener eingesetzt, weil es teurer ist und vor allem bei schmalen Zwischenräumen Vorteile bringt. Der dritte Hebel ist die Scheibenzahl: Jeder zusätzliche Zwischenraum mit Beschichtung senkt den Ug-Wert deutlich, erhöht aber Gewicht und Einbautiefe.
Arten und Varianten
Die folgende Übersicht zeigt gängige Verglasungstypen mit Richtwerten. Konkrete Produkte weichen je nach Beschichtung, Gasfüllung und Zwischenraumbreite ab.
| Verglasung | Aufbau | Ug-Wert (Richtwert) | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Einfachglas | eine Scheibe | ca. 5,8 | Altbauten, Nebengebäude |
| Zweifachglas, älter | zwei Scheiben, Luft, ohne Beschichtung | ca. 2,8 bis 3,0 | Fenster ab den 1980er-Jahren |
| Zweifach-Wärmeschutzglas | zwei Scheiben, Low-E, Argon | ca. 1,1 | Sanierung, Neubau mit geringeren Anforderungen |
| Dreifach-Wärmeschutzglas | drei Scheiben, zwei Low-E-Schichten, Argon oder Krypton | ca. 0,5 bis 0,7 | Neubau, geförderte Sanierung |
| Vakuumisolierglas | Vakuum statt Gasfüllung, sehr schlanker Aufbau | unter 0,7 bei geringer Dicke (Herstellerangabe) | Denkmal, schlanke Altbaurahmen |
Eine ausführliche Betrachtung der Mehrscheiben-Variante bietet der Eintrag zur Dreifachverglasung.
Kennwerte, Berechnung und Normen
Der Ug-Wert wird für ein Isolierglas rechnerisch oder per Messung bestimmt. Die Berechnung folgt der europäischen Norm EN 673, die die Wärmeübertragung über Strahlung, Leitung und Konvektion im Zwischenraum erfasst. Hier wird sie nur genannt; die Details stehen im Normtext und in den Prüfberichten der Hersteller.
Für das gesamte Fenster gilt die gewichtete Formel:
Uw = (Ug · Ag + Uf · Af + Ψ · l) / (Ag + Af)
Dabei sind Ag die sichtbare Glasfläche, Af die Rahmenfläche, l die Länge des Glasrands und Ψ (Psi) der längenbezogene Wärmedurchgangskoeffizient des Randverbunds in W/(m·K). Ein vereinfachtes Beispiel:
- Ag = 1,10 m², Ug = 0,6
- Af = 0,40 m², Uf = 1,0
- l = 4,6 m, Ψ = 0,04
Rechnung: (0,6 · 1,10 + 1,0 · 0,40 + 0,04 · 4,6) / 1,50 = (0,66 + 0,40 + 0,184) / 1,50 = 0,83 W/(m²·K). Mit einem Aluminium-Abstandhalter (Ψ etwa 0,08) stiege der Wert auf rund 0,92. Das zeigt, wie stark der Randverbund bei sehr gutem Glas ins Gewicht fällt. Mehr dazu im Eintrag zur warmen Kante.
Zusätzlich zum Ug-Wert sind weitere Glaskennwerte wichtig: der g-Wert für den solaren Energiedurchlass und der Lichttransmissionsgrad für das Tageslicht. Beide beeinflussen die Energiebilanz ebenso wie der Wärmeverlust.
Anwendung in Neubau und Bestand
Im Neubau werden fast ausschließlich Fenster mit Dreifach-Wärmeschutzglas geplant, weil sie hohe Anforderungen an den Jahres-Primärenergiebedarf und eine behagliche Innenoberfläche am Fenster erfüllen. Die innere Oberflächentemperatur der Scheibe steigt bei niedrigem Ug-Wert deutlich. Das reduziert Kaltluftabfall und Strahlungsasymmetrie, sodass auch Sitzplätze am Fenster angenehm bleiben.
Im Bestand gibt es zwei Wege. Beim Fenstertausch wird das ganze Fenster ersetzt; der Uw-Wert verbessert sich in der Regel am stärksten. Beim reinen Glastausch bleibt der alte Rahmen, und nur die Scheibe wird ersetzt. Das geht nur, wenn der Rahmen die größere Scheibenstärke und das höhere Gewicht aufnehmen kann und noch in gutem Zustand ist. Bei schlecht dämmenden Rahmen wirkt sich der niedrige Ug-Wert nur teilweise aus.
Ein bekannter Nebeneffekt sehr guter Verglasung: Außen kann die Scheibe bei klarer, kalter Nacht beschlagen, weil kaum noch Wärme nach außen gelangt und die Außenfläche unter die Taupunkttemperatur der Außenluft abkühlt. Das ist ein Zeichen für gute Dämmung und kein Mangel. Hintergründe liefert der Eintrag zum Taupunkt.
Anforderungen und Förderung 2026
Seit dem 29.07.2026 gilt das überarbeitete Gebäudeenergiegesetz als Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Die bauteilbezogenen U-Wert-Anforderungen bleiben bestehen, etwa 0,24 W/(m²·K) für die Außenwand bei Änderung von mehr als 10 Prozent der Fläche. Für Fenster gilt beim Austausch ein Höchstwert für den Uw-Wert, nicht für den Ug-Wert; welcher Wert aktuell maßgeblich ist, sollte im Gesetzestext und in der Anlage zu den Bauteilanforderungen geprüft werden.
Bei der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle, werden Fenster mit 15 Prozent Grundförderung bezuschusst. Mit einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) kommt ein Bonus von 5 Prozent hinzu, der seit der Reform vom 21.07.2026 nur für den Kostenanteil über 30.000 Euro gilt. Die Fördervoraussetzungen für den Uw-Wert der Fenster sind in den technischen Mindestanforderungen geregelt. Nach aktuellen Berichten wird für förderfähige Fenster ein Uw-Wert von höchstens 0,95 W/(m²·K) genannt; das ist ein Richtwert, die aktuellen Konditionen sind vor Antragstellung zu prüfen.
Kosten (grobe Richtwerte)
Dreifachverglasung kostet im Einkauf mehr als Zweifachverglasung, der Mehrpreis liegt grob im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Ein komplettes Fenster mit Einbau liegt je nach Größe, Rahmenmaterial und Aufwand bei einigen hundert bis über tausend Euro pro Stück. Verbindliche Zahlen liefern nur konkrete Angebote. Die Mehrkosten amortisieren sich über geringere Heizkosten und höhere Behaglichkeit, die Dauer hängt stark vom Ausgangszustand ab.
Typische Fehler und Schäden
- Nur den Ug-Wert vergleichen und den Uw-Wert ignorieren. Entscheidend ist das Gesamtfenster.
- Glastausch im ungeeigneten Rahmen: Zu schwere Scheibe, zu geringe Falztiefe, keine Dichtheit.
- Mangelhafter Einbau: Wärmebrücken am Anschluss, fehlende Abdichtung innen und außen, siehe Wärmebrücke.
- Sehr gutes Glas mit Aluminium-Abstandhalter kombinieren; der Randverbund verschlechtert dann den Uw-Wert und fördert Kondensat am Glasrand.
- Ohne Lüftungskonzept dichte Fenster einbauen: Die Raumfeuchte steigt, das Schimmel-Risiko an anderen kalten Flächen wächst.
- Angaben ohne Norm: Prospektwerte beziehen sich oft auf Idealfälle, etwa Scheibengröße und Gasfüllung nach Prüfmuster.
Prüfung
Der Ug-Wert wird nicht auf der Baustelle gemessen. Nachweise sind das Produktdatenblatt, die CE-Kennzeichnung mit Leistungserklärung und der Eintrag im Prüfbericht. Bei bestehenden Scheiben lässt sich anhand der Prägung im Abstandhalter erkennen, welche Verglasung verbaut ist; der Fachbetrieb kann die Scheibenart zudem mit einem Messgerät für Beschichtungen und Gasfüllung bestimmen. Für den Förderantrag sind Datenblätter und Rechnungen zu sichern, die den Uw-Wert belegen.
Häufige Fragen zum Ug-Wert
Was ist der Unterschied zwischen Ug-Wert und Uw-Wert?
Der Ug-Wert beschreibt nur die Verglasung, der Uw-Wert das gesamte Fenster aus Glas, Rahmen und Randverbund. Der Uw-Wert ist meist etwas höher als der Ug-Wert, weil Rahmen und Glasrand schlechter dämmen als das Glasfeld.
Welcher Ug-Wert ist bei Dreifachverglasung typisch?
Typisch sind etwa 0,5 bis 0,7 W/(m²·K). Der genaue Wert hängt von Beschichtung, Gasfüllung und Breite der Scheibenzwischenräume ab. Das Produktdatenblatt gibt den verbindlichen Wert an.
Wie berechnet sich der Uw-Wert aus Ug, Uf und Psi?
Ug mal Glasfläche plus Uf mal Rahmenfläche plus Psi mal Länge des Glasrands, geteilt durch die Summe aus Glas- und Rahmenfläche. Damit werden die Flächenanteile und der Randverbund gewichtet.
Lohnt sich der Austausch nur der Scheiben?
Das ist nur sinnvoll, wenn der Rahmen intakt ist und die dickere, schwerere Scheibe aufnehmen kann. Oft ist der Gesamttausch besser, weil er auch Rahmen, Dichtungen und Einbau verbessert. Ein Fachbetrieb sollte den Rahmen vorab prüfen.
Gibt es Förderung für Fenster mit niedrigem Ug-Wert?
Die BEG Einzelmaßnahmen fördert Fenster an der Gebäudehülle mit 15 Prozent Grundzuschuss. Der iSFP-Bonus von 5 Prozent gilt seit der Reform vom 21.07.2026 nur für den Kostenanteil über 30.000 Euro. Die technischen Anforderungen und aktuellen Konditionen sollten vor dem Antrag geprüft werden.
Warum beschlagen sehr gute Scheiben außen?
Wegen der geringen Wärmeverluste bleibt die äußere Scheibenfläche kalt. Bei hoher Luftfeuchte und klarem Nachthimmel fällt sie unter die Taupunkttemperatur, und Tauwasser schlägt sich außen nieder. Das ist physikalisch normal und kein Qualitätsmangel.
Verwandte Begriffe
U-Wert, g-Wert, Warme Kante, Dreifachverglasung, Wärmebrücke









