Lochfraß, auch Lochkorrosion genannt, ist eine örtlich begrenzte Korrosionsform, bei der kleine, tiefe Löcher im Metall entstehen, während die übrige Oberfläche intakt wirkt. Er betrifft vor allem passivierte Metalle wie Edelstahl und Aluminium und wird häufig durch Chloride ausgelöst. Auch Kupfer- und verzinkte Rohre können betroffen sein.
Das Wichtigste in Kürze
- Lochfraß beginnt dort, wo die Passivschicht eines Metalls örtlich versagt. Von dort frisst sich ein enges Loch in die Tiefe.
- Hauptursachen sind Chloride (Salz, Chlor), Stillstand von Wasser, Ablagerungen und Spalten sowie zu einfache Werkstoffwahl.
- Der Schaden ist von außen oft kaum sichtbar. Typische Folgen sind Tropfstellen und plötzliche Undichtigkeiten.
- Befallene Leitungen lassen sich meist nicht dauerhaft reparieren. Die Ursache muss geklärt werden, sonst tritt der Schaden erneut auf.
Was ist Lochfraß?
Viele Metalle schützen sich durch eine dünne Oxidschicht, die Passivschicht (siehe Edelstahl). Wird sie an einer Stelle durchbrochen und kann sich nicht erneuern, entsteht ein winziges Korrosionselement: Die kleine freigelegte Stelle löst sich auf, die große passive Fläche daneben bleibt unversehrt. Dadurch konzentriert sich der Angriff auf einen winzigen Punkt und geht schnell in die Tiefe. Im Loch sammelt sich ein saures, chloridreiches Milieu, das den Angriff selbst verstärkt.
Ursachen
- Chloride: In Leitungswasser, Schwimmbadwasser, Streusalz, Meeresluft und manchen Reinigern. Die Trinkwasserverordnung begrenzt Chlorid auf 250 Milligramm pro Liter.
- Stillstand und Ablagerungen: Unter Belägen und in Totleitungen fehlt Sauerstoff, die Passivschicht heilt nicht.
- Spalten: In Dichtungen, Flanschen und Überlappungen verbleibt Feuchte (Spaltkorrosion).
- Fremdrost und Beschädigungen: Eisenpartikel oder Kratzer stören die Schicht lokal.
- Zu einfacher Werkstoff: V2A ist chloridempfindlicher als V4A. Als Vergleichswert dient die Wirksumme PREN (Gehalt Chrom plus das 3,3-Fache Molybdän plus das 16-Fache Stickstoff). Je höher, desto beständiger.
- Heizungswasser: Sauerstoffeintrag, ungeeignete Zusätze und ein zu hoher oder zu niedriger pH-Wert fördern Korrosion. Das gilt besonders bei Aluminium.
Lochfraß bei verschiedenen Metallen
| Werkstoff | Typische Situation | Hinweis |
|---|---|---|
| Edelstahl V2A | Chloridhaltiges Wasser, Hallenbad, Küste, Streusalz | In kritischer Umgebung V4A oder höher legierte Güte wählen |
| Edelstahl V4A | Sehr hohe Chloridgehalte, Chlorgas im Hallenbad | Besser, aber nicht unempfindlich |
| Kupfer | Trinkwasserleitungen: Lochkorrosion bei Kaltwasser (Typ I) und Warmwasser (Typ II) | Wasserqualität und Rohrzustand sind ausschlaggebend |
| Aluminium | Alkalische oder salzhaltige Umgebung, Dachrinnen, Fassadenteile | Eloxal oder Beschichtung schützen |
| Verzinkter Stahl | Warmwasser, Mischinstallation | In der Trinkwasserinstallation nur noch selten verwendet |
Erkennen
- Kleine, punktförmige Grübchen, oft mit Rostfahnen oder grünlichen und bläulichen Belägen bei Kupfer.
- Rostpunkte an Edelstahl trotz sauberer Oberfläche.
- Feuchte Stellen oder Wasserflecken an Wand, Decke oder Boden entlang der Leitungen.
- Sinkender Druck in Heizungs- oder Wasseranlage.
Weil die Löcher klein bleiben, werden sie häufig erst bei einem Wasseraustritt entdeckt. Ein Wasserschaden sollte immer auf eine mögliche Ursache hin untersucht werden.
Vorbeugen und Beheben
- Werkstoff richtig wählen: Für Außen- und Feuchträume mindestens V4A, bei Chlor und Salz höher legierte Güten oder andere Werkstoffe.
- Wasserqualität kennen: Chlorid, pH-Wert, Härte und Sauerstoff entscheiden. Bei Neubau, Brunnen und Sanierungen kann eine Wasseranalyse sinnvoll sein.
- Stagnation vermeiden: Leitungen nutzen oder regelmäßig spülen, Totleitungen zurückbauen.
- Fachgerecht installieren: Spalten vermeiden, Fremdrost verhindern, Mischinstallationen planen. Die Regeln der Trinkwasserinstallation (DIN EN 12502, DIN 50930-6, DIN 1988-200) enthalten Vorgaben.
- Heizungswasser pflegen: Füll- und Ergänzungswasser nach VDI 2035 behandeln und die Anlage dicht halten.
- Außenbauteile reinigen: Salz und Schmutz von Geländern, Dachrinnen und Befestigungen regelmäßig abspülen.
- Befall behandeln: Bei Edelstahl Fremdrost entfernen, beizen und passivieren lassen. Befallene Leitungsstücke austauschen. Bei wiederholten Schäden hilft ein Sachverständiger (siehe Bausachverständiger).
Unterschied zu anderen Korrosionsarten
| Korrosionsart | Merkmale |
|---|---|
| Flächenkorrosion | Gleichmäßiger Abtrag über große Flächen |
| Lochfraß | Örtlich, tief, oft unter der Oberfläche |
| Spaltkorrosion | In engen Spalten, unter Dichtungen und Ablagerungen |
| Kontaktkorrosion | Das unedlere Metall löst sich bei Kontakt mit einem edleren auf |
Häufige Fragen zu Lochfraß
Was ist Lochfraß einfach erklärt?
Das Metall korrodiert nicht gleichmäßig, sondern an einzelnen Punkten, an denen die Schutzschicht versagt. Dort entstehen kleine, tiefe Löcher, während die Umgebung unversehrt aussieht.
Warum bekommt auch Edelstahl Lochfraß?
Edelstahl schützt sich durch die Passivschicht. Chloride, Ablagerungen und Spalten können sie örtlich zerstören. Dann entsteht ein Angriffspunkt, auch wenn das Material als rostfrei gilt.
Kann man Lochfraß reparieren?
Oberflächlicher Befall an Edelstahl lässt sich durch Schleifen, Beizen und Passivieren verbessern. Bei Leitungen sind Lochfraßstellen meist nur durch den Austausch des betroffenen Abschnitts zu beheben. Zusätzlich muss die Ursache geklärt werden.
Woran erkenne ich Lochfraß an Wasserleitungen?
Typisch sind feuchte Stellen, Tropfen, Wasserflecken und Druckverlust, bei Kupfer auch bläulich-grüne Beläge. Oft zeigt sich der Schaden erst bei einem Leck. Eine fachliche Prüfung ist dann sinnvoll.
Wie lässt sich Lochfraß vermeiden?
Durch die passende Werkstoffgüte, geprüfte Wasserqualität, vermiedene Stagnation, saubere Installation ohne Fremdrost und Spalten sowie regelmäßige Reinigung freiliegender Bauteile.
Verwandte Begriffe
Edelstahl, Chrom, Bausachverständiger, Fußbodenheizung










